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Michael Bach [mba]
Experte für pfeilschnelle Gitarren, Gesang in Nicht-Englisch und italienischen & skandinavischen Thrash.
keine Wertung
Viele Bands wählen bei einem Jubiläum einen konventionellen Weg und beglücken die Fans mit Best Of & Raritäten Alben, Live & History DVDs oder ihnen zu Ehren werden – manchmal abenteuerliche – Tribute Alben auf den Markt gebracht. Eine der einstmals einflussreichsten deutschen Power Metal Institutionen hat sich zum 25-jährigen etwas anderes ausgedacht, was nicht zuletzt daran liegen könnte, dass man bei HELLOWEEN mit den aufgezählten Optionen schon ein ganzes Regal füllen könnte, und da sind die Karaoke CDs noch nicht mal mitgezählt. Also nutzt man den Anlass, um den Fans etwas Besonderes anzubieten und in gewissem Sinne auch sich selbst zu beschenken: eine Zusammenstellung von Hits in neuen, ganz anders arrangierten Gewändern, denen aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit hier dementsprechend mehr Platz eingeräumt wird.

Unbewaffnet wagt man sich in Bereiche vor, die für so manchen hartgesottenen Schwermetaller nicht weit von den Vorhöfen der Hölle entfernt sind. Die Wahl des (swingenden und mit Akzente setzenden Bläsern versehenen) Ska-„Dr. Stein“ als Opener ist sehr treffend, denn wie eben jener Doktor hat man quasi auf dem Seziertisch die - zumindest zur Hälfte so gut wie jedem bekannten - Titel in ihre Teile zerlegt und sie verschiedenen, metalfremden Genres angepasst. Weniger problematisch ist dabei die instrumentale Umsetzung, und auch Andi Deris macht in ungewohnt sanften Gefilden im Großen und Ganzen eine gute Figur. Aber bei dem teilweise doch arg veränderten Charakter der Originallieder sieht es anders aus. Allein die Erhaltung der Melodie, die oft sogar eine bedeutendere Rolle als im Original spielt, bewahrt bei dem balladesken, mal mehr, mal weniger poppigen Trio „Future World“, „If I Could Fly“ und „Where The Rain Grows“ nur sehr wenig von der Basis. Besonders letztgenanntes ist im neuen Gewand nicht weit von einer Ladung Schlaftabletten entfernt, aber selbst davon abgesehen könnte es sich bei allen dreien auch um die Unplugged Versionen von Überbleibseln der Hippiezeit handeln.

Zum Glück weckt die folgende „The Keeper's Trilogy“ (bestehend aus „Halloween“, „Keeper Of The Seven Keys“ & „The King For A 1000 Years“) in der Version des Prager Symphonieorchesters samt Chören der Gregorian Singer wieder auf und kann mit Hilfe einiger feiner Ideen (besonders im Keeper Abschnitt im Bereich von Minute 6:10 bis 6:40 & wieder ab 7:50 bis 8:25) nicht nur überzeugen, sondern macht richtig Spaß und überträgt die Höhen & Tiefen der Stimmungen der Originale auf ansprechende Weise in ein neues Gewand. Nachdem dem kraftvollen Adler die Krallen gezogen wurden – der positive Unterton bleibt allerdings gut erhalten, zumal kaum eine Refrainzeile besser zu „Unarmed“ passt als „Just make it your own way.“ - kommt mit „Perfect Gentleman“ (im Original auf „Master Of The Rings“) der Überraschungshit des Albums, denn die beschwingten Gitarren- und Flötentöne sorgen für gute Laune, bringen das Tanzbein in Schwung und passen wie die Faust aufs Auge.

Das letzte Drittel wird von dem klavierlastigen und dadurch enorm an Gefühl, um nicht Kitsch zu sagen, zulegenden „Forever & One“ eingeleitet, dessen Eindruck bei den ersten Stimmen von „I Want Out“ aber auch schon wieder verblasst. Der von vielen anderen Gruppen bereits gecoverte Klassiker wurde scheinbar mit Unterstützung eines Kinderchors - zumindest klingen die Backgroundchöre so klar und fein – aufgenommen, was den „I Want Out“ Rufen eine sehr besondere Note verleiht. Zum Abschluss gibt es dann noch eine ziemlich dösige Lounge Version von „Fallen To Pieces“, die selbst in seniorenlastigen Hotels im öffentlichen Aufenthaltsbereich gespielt werden könnte, bevor bei „A Tale That Wasn't Right“ die – man ist geneigt zu sagen: angemessene – epische Orchesterkeule ein zweites Mal ausgepackt wird und auch trifft, wobei es dieses Mal eher in Richtung Soundtrack geht und in aller Ruhe ausklingt.

Man kann sicher darüber diskutieren, ob diese Form von Release eine angemessene Würdigung des eigenen Schaffens ist, aber für eine Band wie HELLOWEEN, die noch nie davor zurückgeschreckt ist, in dieser Hinsicht etwas auszuprobieren, ist das Neuarrangieren der eigenen Lieder und damit der Verzicht auf die gewohnten Instrumente, Verstärker, Verzerrer, etc... kein unverzeihlicher Tabubruch oder ähnliches, sondern nur die konsequente Fortsetzung der immer schon experimentierfreudigen Bandpolitik.

Vielleicht hätte man die in eine ähnliche Richtung veränderten Tracks zur Schaffung einer besseren Harmonie des Gesamtbildes zusammen gruppieren können, vielleicht ist die Liedauswahl nicht vollständig nachvollziehbar (wobei sie zum Teil Arrangementproblemen geschuldet ist und es vielleicht auch ganz gut ist, dass mit „Victim Of Fate“ & „Ride The Sky“ zumindest zwei unbesiegbare Klassiker unverändert geblieben sind...) und ganz sicher ist „Unarmed – Best-Of 25th Anniversary“ nichts für engstirnige „True ist true und soll auch true bleiben“-Hörer. Aber man muss den Hamburgern in jedem Fall Respekt und Anerkennung zollen für den Mut und die Umsetzung der vielfältigen Ideen.

Die Wertung entfällt, weil „Unarmed“ über allen Genregrenzen der Bloodchamber steht und mir auch keine Veröffentlichung bekannt ist, die man damit in Relation setzen könnte.
22.01.10 · 1016x gelesen 0 Kommentare


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Helloween - Unarmed - Best Of 25th Anniversary

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CD-Info
Genre: Melodic Metal
Label: Sony Music
Format: CD, CD+DVD
Release: 29.01.2010
Spielzeit: 59:06 min

Tracklist
1.  Dr. Stein 4:00
2.  Future World 4:12
3.  If I Could Fly 3:29
4.  Where The Rain Grows 5:10
5.  The Keeper's Trilogy 17:05
6.  Eagle Fly Free 3:50
7.  Perfect Gentleman 4:19
8.  Forever & One 4:25
9.  I Want Out 4:21
10.  Fallen To Pieces 3:28
11.  A Tale That Wasn't Right 4:47


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