Brüste, Proleten und die eigene Neuerfindung


Interview mit Imperia
Symphonic Gothic Metal aus Norwegen
Etwas turbulent gestaltete sich das Interview mit den Gothic Metallern von Imperia, da mir ursprünglich Frontfrau Helena Michaelsen zur Verfügung stehen sollte. Aus wohl nur dem Menstruationsgott bekannten Gründen beantwortete dann aber Gitarrist Jan „Örkki“ Yrlund meine Fragen, bewies aber damit, dass dank gutem Bandklima auch er jede Menge zu den teils personalisierten Fragen sagen konnte.

Helena hat momentan zwei Projekte: Imperia und Angel. Kannst du uns den Unterschied zwischen beiden erklären?


Einfach gesagt, Imperia ist eine Band, die Metal spielt und Angel ist mehr ein Soloprojekt von Helena und macht eher Rock und Mainstream Musik. Die Musiker sind allerdings dieselben und es gibt noch diverse andere Übereinstimmungen und Überlappungen. Wir versuchen aber immer, die beiden Bands in der Öffentlichkeit so gut wie möglich zu trennen.

Als Imperia vor einigen Jahren gegründet wurde, gab es dabei so eine Art feministischen Anreiz? So nach dem Motto „Lasst es uns der Männerwelt zeigen, dass auch eine Frau sich selbst ohne fremde Hilfe einen Namen machen kann“?

Ich weiß, dass diese Frage ursprünglich für Helena gedacht war, aber ich glaube, dass dieses Denken keine Rolle bei der Gründung von Imperia gespielt hat. Ich würde sagen, es begann alles aus dem Drang heraus, Musik nach ihren eigenen Regeln zu machen, nachdem sie Trail of Tears verlassen hat. Und Bands mit Frontfrauen hat es natürlich auch schon eine ganze Weile gegeben.

Versteh mich nicht falsch, aber glaubt ihr wirklich, dass ein paar Möpse auf dem CD Cover wirklich die Verkaufszahlen nach oben treiben?

Als Grafiker, der selbst CD Cover gestaltet (www.darkgrove.net) habe ich mir darüber natürlich auch viele Gedanken gemacht. Ich bin mir nicht sicher, wie Helena darüber denkt, aber ich habe da so meine Zweifel. Ich denke, dass viele Metalheads in gewissem Sinne sehr konservativ denken. Dennoch bin ich mir sicher, dass viele gern hübsche Frauen auf Covern bewundern, speziell dieser Kriegertyp von Frauen zierte bereits viele Heavy Metal Cover. Das hat also eine gewisse Tradition, wenn man so will. Aber andererseits habe ich festgestellt, dass viele es einem sehr schnell übel nehmen, wenn man es mit der Sexualität zu sehr übertreibt.
Zum Beispiel im Gothic Rock ist da viel mehr erlaubt und der spielerische Umgang mit Sex ist recht verbreitet. Aber im Gothic Metal eigentlich überhaupt nicht. Die Frauen treten immer sehr dezent auf und im Grunde stellen sie ihre Sexualität kaum in den Vordergrund. Sie tragen lieber Shirts oder Kleider, vielleicht kommt das ja auch von den Fantasythemen. Helena wiederum passt aber nicht in so eine Rolle, da sie ein sexuelles Wesen ist und auch keine Angst davor hat, dies zu zeigen. Dies scheint viele Leute zu verwirren, da ihre Erwartungen wohl ganz anders waren.
Was die Verkaufszahlen angeht, glaube ich nicht, dass man dort irgendetwas steigert, wenn man zuviel zeigt. Wahrscheinlicher ist eher das Gegenteil der Fall, da sie die konservativen Leute dann womöglich gar nicht mehr ernst nehmen. Andererseits entstand dieser Blondinenlook schon aus einem besonderen Grund, auch wenn es nur eine gespielte Rolle ist. Helena fällt auf jeden Fall auf und bleibt sicherlich in den Köpfen der Leute hängen. Und dies ist mindestens genauso wichtig, um heutzutage in diesem überfluteten Genre aufzufallen.

Sei ehrlich, auf wievielen Livegigs hat kein betrunkener Typ irgendwas mit „Zieh deine Sachen aus!“ auf die Bühne gebrüllt? Ich frage das, weil dies auf so gut wie jedem Konzert passiert, wenn eine Frau auf der Bühne steht. Wie geht ihr damit um?

Ja, das passiert eigentlich fast jedes Mal. Und Helena treibt das sogar noch an, indem sie auch noch Benzin ins Feuer gießt. Aber im Grunde kümmert sie das alles nicht. Sie reagiert meist recht schnell auf den rufenden Typen und er kann sich sicher sein, dass er vom Rest des Publikums einige gute Lacher auf seine Kosten kassiert. Aber meistens ist das total harmlos und nicht böse gemeint. Wenn aber natürlich das Verhalten eines Typen uns derart irritiert oder in körperliche Handlungen übergeht, hat Helena stets ihre Jungs parat, so dass der Typ es sich das nächste Mal zweimal überlegen wird, ob er sich mit ihr anlegt. Und glaub mir, sie ist selbst auch ein recht hartes Mädel.

Aber lass uns nun endlich mal zum neuen Album kommen. Wie lange habt ihr denn für die Aufnahmen mit diesem ganzen klassischen Zeug drin gebraucht?

Die Aufnahmen haben ziemlich lange gedauert. Wir haben im Dezember 2005 mit dem Schlagzeug angefangen und waren dann im Mai mit allen Instrumenten fertig. Im August haben wir den Gesang aufgenommen und im September wurde das Album dann abgemischt. Es dauerte also fast ein Jahr, bis wir es endlich fertig hatten. Allerdings haben wir nicht die ganze Zeit daran gearbeitet, es gab auch längere Pausen dazwischen. Helena hat ja zwischendurch auch ihre Tochter zur Welt gebracht.

Letzlich ist es immer noch Helenas Band. Schreibt sie alle Songs alleine?

Ich denke, schon dass es “ihre” Band ist, aber jeder von uns ist gleichgestellt und wir sind ein gutes Team. Die Musik schreibt sie nicht, das mache ich und unser Keyboarder Audun. Sie schreibt alle Lyrics selbst, so dass diese auch recht persönlich ausfallen. Bei Angel schreibt sie sehr viel allein, und ich und Audun helfen ihr dann noch ein wenig aus.

Verglichen mit “The Ancient Dance Of Qetesh” (das ich persönlich weniger mag als “Queen of Light”) wirkt das neue Album erwachsener und anspruchsvoller zu sein. Würdest du TADOQ als eine Art Frühgeburt bezeichnen. Brauchtet ihr vielleicht einfach nur mehr Zeit?

Ich denke, dass es viele Gründe gibt, warum, die beiden Alben so anders klingen. Zunächst hatten wir unterschiedliche Songschreiber. TADOQ wurde von viel mehr Leuten über einen längeren Zeitraum geschrieben. Die Band bestand damals nur aus Session Musikern, jetzt sind wir aber schon recht lange eine feste Band, so dass dies sicher auch einen Einfluss gehabt hat. Das neue Album wurde weiterhin mehr als ein zusammenhängendes Ganzes geschrieben anstatt als einzelne lose Songs. Und zu guter Letzt haben wir auch in einem andern Studio mit andern Produzenten aufgenommen (Spacelab in Deutschland).

Weiterhin ist der Gesang viel deutlicher in den Songs integriert. Würdest du mir zustimmen, dass TADOQ mehr Helena-fixiert ist, während „Queen…“ eher die anderen Bandmitglieder hervorhebt?

Ich würde sagen, Helena’s Gesang ist viel mehr Teil der Musik. Als die Songs geschrieben wurden, war stets ihr Gesangsstil im Hinterkopf. Auf dem vorigen Album war das alles ganz anders. Und ja, die restlichen Musiker sind viel präsenter. Das Debütalbum war eher ein Studioalbum, eingespielt mit Session Musikern, wovon nur noch John (Gitarre), Audun (Keyboard) und Gerry (Bass) mit dabei sind.

Warum habt ihr die hohen Sopran-Vocals ein wenig reduziert?

Das war eine ganz klare Entscheidung. Der Gesang musste mehr der Stimmung der Musik folgen und oftmals passte die normale Stimme einfach viel besser. Außerdem weiß mittlerweile jeder, dass Helena die Sopran-Vocals beherrscht. Aber dennoch haben wir ab und zu einen Opernpart und andere Arten von Vokalakrobatik. Der Gesang ist viel durchdachter und geht meiner Meinung nach auf dem neuen Album mit der Musik viel mehr Hand in Hand.

Wenn Helena sich die momentane Situation von ihrer vorherigen Band Trail Of Tears anschaut, schmunzelt sie da nicht manchmal bezüglich ihres Ausstiegs damals?

Sorry, aber diese Antwort kann dir wohl nur Helena beantworten. Ich weiß, dass sie ihre Gründe hatte, die Band zu verlassen, und daran hat sich auch nichts geändert. Sie hat immer noch ab und zu freundschaftlichen Kontakt mit den Jungs, aber Helena hat nun ihre eigenen Bands.

Und zu guter letzt noch ein paar nicht ganz so ernst gemeinte Fragen: Wenn du dir einen aussuchen müsstest, welchen aktuellen Pop-Song würdest du covern?

Haha, ich würde gar nichts covern wollen und ich bin mir sicher, Helena auch nicht. Im Grunde versteh ich es nicht einmal, warum Bands so etwas tun. Warum Zeit für irgendetwas verschwenden, was bereits jemand vor dir gemacht hat und womöglich besser, als du es jemals machen wirst? Ich denke, das Cover von „Lotus Eaters“ von Dead Can Dance war eine nette Einleitung für Imperia bevor es irgendwelche eigenen Songs gab. Aber nun werden wir uns auf diese konzentrieren.

Was würdest du machen, wenn du plötzlich taub werden würdest (zum Beispiel durch einen Unfall) ?

Hmm. Tja, vermutlich würde ich dann wohl mehr von den visuellen Sachen machen =)

Vielen Dank für die Antworten. Ein wenig Platz ist noch für die letzten Worte an unsere Leser. Was wolltest du ihnen schon immer mal sagen?

Danke für das Interview. Ich hoffe, ich sehe euch alle bei unserer allerersten Deuschland Show beim Battle Of Metal Festival in Geiselwind. Danke für euer Interesse an uns!

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