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Dark Tranquillity - Ein ordnungsgemäßes Death Metal Album
Dark Tranquillity
Interview mit Mikael Stanne (v.) von DARK TRANQUILLITY am 19.01.2010 per Telefon für die Radiosendung Mosh-Club auf Radio T in Chemnitz: www.mosh-club.de.vu und www.radiot.de
Auf der Seite der Sendung könnt ihr euch das Interview als mp3 runterladen.

Björn: Erstmal Herzlichen Glückwunsch zu der super Tour mit HEAVEN SHALL BURN und CALIBAN. Ihr seid fantastisch beim Publikum angekommen, ich selbst war in Hamburg und Freunde haben mir das auch über Leipzig erzählt. Hattet ihr das eigentlich zu Beginn der Tour erwartet, dass die Fans so positiv reagieren würden?

Mikael:
Wir wussten nicht wirklich was uns erwarten würde mit den beiden Metalcore Bands und der Piratenband in der Mitte. Es war erst sehr ungewohnt, aber jeder Band hat es dann gefallen, denn jede einzelne Band hat jede Nacht positives Feedback von den Fans bekommen. Außerdem haben wir auch noch nie zwischen Weihnachten und Neujahr getourt, aber als die Tour los ging, hat alles einen Sinn ergeben und war sehr gut.

Hamburg war meiner Meinung nach auch das beste Konzert der Tour. In Leipzig war alles noch etwas locker und alle Bands wussten nicht, was sie erwarten würde. Wir sind auch so ran gegangen, denn vielleicht kommen ja alle nur für den Headliner. Insgesamt war die Tour aber fantastisch und besonders Hamburg ist immer gut, da wir schon so oft in der Markthalle waren.

Plant ihr eigentlich dieses Jahr nochmal als Headliner nach Deutschland zu kommen?

Ja, direkt nach den Sommerfestivals starten wir im September die Tour.

In Hamburg war das Publikum ja ziemlich jung. Das mag zum großen Teil an den beiden Headliner Bands gelegen haben, aber diese Fans haben euch auch abgefeiert. Ist das momentan auf euren eigenen Konzerten auch so, dass die Fans immer jünger werden?

Auf jeden Fall, es scheint gerade eine neue Generation von Fans in die Szene hereinzuwachsen und das geht schon seit zwei oder drei Jahren so. Meistens haben sie mit SLIPKNOT angefangen wenn ich mich mit ihnen unterhalte und sie danach frage. Dann haben sie entweder direkt uns oder uns über den Umweg IN FLAMES entdeckt und gehen durch den ganzen Backkatalog der Bands. Das ist eine gute Art und Weise neue Fans zu bekommen, mir gefällt das.

Nach der Veröffentlichung der neuen CD „We are the void“ startet ihr erstmal eine sechswöchige Tour durch die USA mit KILLSWITCH ENGAGE. Sind die USA das beste Land für euch oder warum tourt ihr dort zuerst?

Auf jeden Fall sehr umfangreich, so dass es immer noch Leute gibt, die noch nie die Möglichkeit hatten uns live zu sehen. KILLSWITCH haben da drüben eine sehr große Fanschar und um das Album zu promoten wollen wir ihnen etwas von unserer Musik näherbringen. Nach der Tour fliegen wir wieder zurück in den Proberaum um das neue Set mit den neuen Songs einzuüben und gehen dann gleich auf Headlinertour zurück in die Staaten. Dort kann man jedenfalls ohne Pause touren und ohne immer wieder vor denselben Leuten zu spielen. Sehr faszinierend und spannend alles, da man vor allem auch bemerkt wie man jedes Mal vor mehr Leuten spielt und sich die Zuschauerzahlen in den letzten Jahren für uns mehr als verdoppelt haben.

Bevor wir gleich auf die neue CD zu sprechen kommen, ihr habt letztes Jahr auch die „Where Death Is Most Alive“ DVD veröffentlicht und in Göteborg eine Premieren Party in einem Kino gemacht. Wie waren denn da die Reaktionen der Fans, saßen sie einfach nur da und haben sich die DVD auf der großen Leinwand angeschaut oder gab es auch welche, die anfingen zu headbangen? Und wie war es für dich die Fans zu beobachten wie sie sich die DVD auf der großen Leinwand angeschaut haben?

Wir waren schon zu Beginn in guter Partystimmung, es hat also Spaß gemacht. Die Aufführung fand in einem altehrwürdigem Kino in Göteborg statt, eines der ältesten der Stadt. Es war also nicht so der richtige Platz um Party zu machen und durchzudrehen. Die Zuschauer saßen eher ruhig da, hatten aber durchaus ihren Spaß und waren beeindruckt davon die DVD in High Defintion auf der großen Leinwand zu sehen. Wir selbst saßen eher hinten, hatten ein paar Bier und viel Spaß. Eigentlich wollte ich eher unerkannt bleiben, das hat aber natürlich nicht funktioniert. Nach der Aufführung ist dann das Kino komplett zu der After Show Party gegangen, wo es noch bis in die frühen Morgenstunden weiter ging. Sweet day, sweet night.

Du kennst die typischen Klischeetexte im Death Metal über Zombies,. Gore- und Splatterkram und natürlich auch die Bands, die über Politik schreiben. Kollege Scheidler hat eure Texte hingegen als intellektuell beschrieben, wie kam es damals dazu, dass ihr euch für diese Art der Lyrics entschieden habt? Einfach nur so oder aus persönlichem Interesse?

Es war auf jeden Fall damals eine bewusste Entscheidung nicht das zu machen, was jeder macht. Als Niklas und ich die Band gegründet haben, waren wir uns schnell einig niemals über Tod, Zerstörung, Krieg, Horrorfilme, Religion und Politik zu schreiben. Wir wollten einen anderen Weg gehen und haben uns zu Beginn eher von englischer Literatur und Poesie wie z.B. Shakespeare inspirieren lassen. Die anderen Texte fanden wir nie interessant genug und so haben wir uns auf die Suche nach etwas für uns interessantem gemacht.

So hat das damals angefangen. Allerdings waren wir auch sehr überheblich zu der Zeit mit den langen Songtiteln, den langen Liedern und Texten über drei Seiten. Irgendwie sind wir dem treu geblieben, auch wenn sich die Texte dann irgendwann etwas gewandelt haben.

Wie wichtig sind denn dir als Sänger die Texte? Es gibt doch erstaunlich viele Sänger, denen sie gar nicht mal so wichtig sind.

Ich muss jahrelang immer wieder die Songs singen, die Texte hinausschreien, und so müssen sie offensichtlich ziemlich wichtig für mich sein. Ich lege viel Anstrengung hinein, damit ich auch noch nach Jahren stolz drauf sein kann und mich mit ihn identifizieren kann. Sie sind also unglaublich wichtig für mich, auch um den Song fühlen zu können. Wir schreiben allerdings zuerst den Song, dann höre ich ihn mir immer wieder an und schreibe dann einen passenden Text dazu. Die Musik entsteht natürlich zuerst, ich versuche sie aber in dem Text widerzuspiegeln. Auch sind mir die Texte deshalb so wichtig, weil es der Teil ist, in dem ich mich am meisten in die Band einbringen kann.

Sprichst du eigentlich in den Interviews gerne über die Texte oder hast du die Nase davon voll alles immer wieder erklären zu müssen, wo die Fans doch sich die Texte durchlesen können und sich selbst Gedanken machen sollen.

Ich kann nur von meinen Erfahrungen ausgehen und ich mag es gar nicht wenn jemand mir seine Texte erklärt, denn das zerstört die eigenen Interpretationen der Texte. Deshalb versuche ich auch nicht allzu direkt zu sein mit den Texten um Spielraum für die eigenen Ideen zu lassen, aus dem selben Grund erkläre ich die ersten Monate nach der Veröffentlichung der Alben auch nie die Texte.
Aber um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, die Gespräche mit den Fans nach den Konzerten über die Texte führe ich gerne.

Dann lass uns mal bei dem Thema Texte bleiben und zur neuen CD übergehen. Gibt es etwas wie einen roten Faden in den Texten oder was ist The Void – Die Leere?

Ich denke schon, die Texte handeln alle von Einsamkeit, dem Gefühl der Verwundbarkeit und wie man damit umgeht. Um nochmal zu deiner vorherigen Frage zurückzukommen, das ist jetzt das erste Mal, dass ich über das Thema Tod schreibe, was wir ja eigentlich nie wollten. Aber jetzt nach 20 Jahren war es mal an der Zeit ein ordnungsgemäßes Death Metal Album zu schreiben, es geht nur um die Themen der Trauer, des Schmerzes, des Verlustes und der Angst vor dem Tod.

Die Inspirationen dafür habe ich von skandinavischen Dichtern, die sich damit beschäftigt haben, wie man mit Tod und Trauer umgeht. Das hat mich irgendwie inspiriert. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Texte darüber, dass man seinem Leben einen bestimmten Sinn geben sollte und Sachen wie Tod oder Ängste nicht als Schicksal oder gottgegeben hinnimmt, den das mag ich nicht wirklich.

Was hat sich denn von „Fiction“ zu „We are the void“ musikalisch geändert?

Wir wollten etwas wie einen Neuanfang wagen als wir anfingen das Album zu schreiben. Wir hatten gerade das zwanzigjährige Bandjubiläum gefeiert und wollten nicht zu sehr daran denken, sondern nach vorne schauen. Dieses Album sollte das erste Album der nächsten 20 Jahre, das erste Album des neuen Kapitels der Bandgeschichte sein. Und gleichzeitig sollte es unsere musikalische Vielfalt wiedergeben: warm, heavy und schnell gleichzeitig. Deshalb unterscheiden sich die Songs ziemlich voneinander, passen aber im Rahmen des Albums gut zusammen und das ist auch der große Unterschied zum Vorgänger, dass die Bandbreite der Songs größer ist. Für mich klingt es auch seriöser und dunkler und erlaubt den Leuten einen schnellen Zugang zu allen Dimensionen unserer Musik ohne allzu direkt zu sein.

Normalerweise entwirfst du ja immer die Cover der Album, nur dieses Mal nicht. Warum?

Niklas war da sonst immer für zuständig und ich habe ihm nur geholfen. Dieses Mal hat er sich aber lieber auf die Musik konzentrieren wollen und auch ein paar Texte geschrieben und es blieb ihm keine Zeit mehr für ein visuelles Konzept des Albums. Er hat es dann an mich übertragen mich um ein Konzept und einen Künstler, der es umsetzt, zu kümmern. Ich hatte ein paar Ideen, hab mich dabei an einige Leute gewendet, die ich wegen ihrer Arbeiten bewundere, und hab ein paar Vorschläge zurückbekommen. Die Ideen von Stefan Wiebecke (Media Logistics – u.a. für Cover von POISONBLACK & LACUNA COIL verantworlich, - Hinweis von Century Media) aus Deutschland haben mir am besten gefallen und er hat den Auftrag bekommen und kam mit einem tollen Cover an, das sehr stark aussieht und auch irgendwie bizarr ist. Es zeigt, dass es okay ist diese Leere mit sich herumzutragen. Die Special Edition des Albums kommt dann ganz anders daher und sieht verdammt gut aus, ich kann es gar nicht abwarten sie in den Händen zu halten um ehrlich zu sein.

Ist das die einzige Möglichkeit die Fans noch dazu zu bringen CDs zu kaufen, indem man ihnen das komplette Paket mit den Texten, der Musik und dem Design gibt?

Nicht die einzige Möglichkeit, es hilft aber dabei. Früher wollte man die Vinylscheiben auch mit einem coolen Cover in den Händen halten und heutzutage sind es die Special Editions mit den Bonus-DVDs und dem Kram, so läuft es nun mal. Als dieser Trend aufkam, war ich kein großer Freund davon. Aber mittlerweile hab ich es auch kapiert und kaufe mir selbst auch immer die limitierten Versionen mit dem ganzen Bonuskram und dem größeren Artwork.

Zum Abschluss des Interviews darfst du dir einen Song einer anderen Band wünschen, die du gerne in der Radiosendung hören würdest.

Dann spiel doch bitte den Titelsong des Albums „Burn The Sun“ von der norwegischen Band ARK mit Jørn Lande am Mikro, das ist eins meiner Lieblingslieder.
[bjg] · 26.02.10 · 813x gelesen 1 Kommentar


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