Ein Traum wird Wirklichkeit. Nach fünf Jahren Konzertpause ist es der trotz alledem durch die Magie der Musik getreu und unwiderstehlich im Bann gehaltenen Fanschar vergönnt, die äußerst sympathischen Österreicher auf einer weiteren Akustiktour zu erleben. Scheinbar wächst diese durch die jüngsten, faszinierenden Releases und eine ungebrochen rege Mundpropaganda sogar beständig an und umfasst inzwischen sämtliche Altersklassen. Die Tour erscheint der geneigten Seele wie eine Erlösung, da diese kürzlich, mehr noch als nach dem Ausscheiden von Drummer Gilvan vor einiger Zeit, durch den Abgang von Zweitvocalist und Keyboarder Valnes ernsthaft und schaudernd um das Überleben der Ausnahmeerscheinung bangen musste. Hatte man letztlich durch das Begräbnis von Nachdem lange Zeit Stille herrschte, war dank „Hexenwind“ im Jahre 2005 ein unerwarteter, sanfter Hauch von Leben zu verspüren, der sich beim wiederholten Hören der Platte als eine unsterbliche Willenskraft offenbarte, die jegliche Zweifel an der schöpferischen Energie langsam, aber beständig hinweg blies. Im Verhältnis gesehen, scheinbar beängstigend schnell, schließt sich mit dem auslaufenden Jahr 2006 in Form von „Durch den Traum“ das nächste wiederum auf seine ganz eigene Art überraschende und definitiv überzeugende Meisterwerk an und beweist zugleich, dass schaffender Kopf Eviga auch völlig auf sich allein gestellt – vielleicht auch gerade deshalb – an Intensität kaum zu überbieten ist. Die einhergehende Akustiktour, die geplanten Auftritte in Rock-Besetzung, unter anderem beim Summer Breeze, und die ebenfalls unerwartet frühe Ankündigung des schon bald erscheinenden, neuen Albums „In Luft geritzt“ zeigen es deutlich:
Im Folgenden nun eine Zusammenfassung meiner Eindrücke und Erlebnisse bei den beiden deutschen Tourdates in Regensburg am 30.12.06 und in Würzburg am 27.1.07, die sich grundlegend unterschieden haben.
Teil 1: Regensburg
Überglücklich, zwei der netten, handnummerierten Karten für das Konzert in der Alten Mälzerei am Vorabend von Sylvester erhalten zu haben, fahre ich voller Vorfreude in Begleitung einer guten Freundin bei abscheulichem Wetter nach Regensburg. Dass zufälligerweise ebenfalls ein Konzert in meiner Heimatstadt Würzburg geplant ist, hat sich erst nach dem Erhalt der Mälzereikarten ergeben und hält uns an jenem Abend darüber hinaus keinesfalls von diesem Vorhaben ab.
Die Alte Mälzerei ist leicht zu finden und bietet eine gewisse Anzahl an kostenfreien Parkplätzen direkt hinter dem alten Gebäude, die den Konzertgang, insofern man früh genug dran ist, auch für Auswärtige wirklich komfortabel gestaltet. Dank der frühen Stunde kann man ein wenig dem Soundcheck beiwohnen, der gewaltig den Appetit schürt.
Da die Einlass-, Kartenabhol- und Konzertbeginnzeiten trotz Nachfragens etwas unklar bleiben und der Wind wirklich grausam kalt durch die Straßenschluchten weht, entspannt man sich noch etwas im Auto, in benachbarter, hauseigener Bar oder organisiert sich sonst wo etwas zu essen.
Unangenehm werden die Wartezeiten vor dem Einlass, da über die Hälfte der frierenden Menschen sich scheinbar spontan dazu entschlossen haben noch eine der knappen Karten an der Abendkasse zu ergattern, was zu einem unnötigem Gedränge neben den vorbestellten Kartenabholern und –Inhabern führt. Froh darüber, endlich ins Warme zu treten folgt die erste Enttäuschung. Der handnummerierte Teil der Karte wird zwar lobenswerterweise feinsäuberlich mit der Schere abgetrennt, aber behalten darf man nur den Rest der Karte.
Der Konzertraum an sich fällt überraschend groß aus, hat Platz für eine Bar, einiges an Merchandise und verfügt über eine leicht erhöhte Partition rechts von der Bühne mit einigen Stehtischen und einem aufmerksam geplanten, zweiten Minibierstand.
Die Bühne ist ziemlich klein, in der linken, hinteren Ecke gelegen, bietet allerdings einen guten Blick von allen Seiten, der nur durch ein oder zwei dünne Säulen etwas verdeckt wird. Für eine recht intime Atmosphäre im Halbkreis direkt vor der Bühne, wie es bei einem solchen Konzert der Fall sein sollte, ist somit gesorgt.
Obwohl die Vorgruppen auch unter normalen Umständen weder stimmungstechnisch, noch musikalisch kaum der Rede wert gewesen wären, sollen sie hier kurz der Vollständigkeit halber erwähnt sein.
Am besten zum gegebenen Anlass passen eventuell die darauf folgenden Gothic-Rocker von BEYOND THE VOID, die sich irgendwo in der
Auch auf Grund des freudigen Zusammentreffens vor Konzertbeginn mit Kollege Stefan und dessen Begleitung, nutzen wir nach etwa der halben Spielzeit unsere Zusammenkunft lieber dazu, einige unbekannte mittel- und südeuropäische Spezialitäten in der direkt vom Konzertraum erreichbaren Mälzereischenke auszuprobieren und kehren erst mittig zu
Obwohl die oft leider kaum hörbare Geige wenigstens irgendwo zum bevorstehenden
Anschließend, endlich von den grausam ausgewählten Vorgruppen befreit, steigt die Spannung auf die Hauptakteure des Abends ins Unermessliche. Schiebend und drängend wird um die besten Plätze gefochten, der Laden ist offensichtlich hoffnungslos überfüllt, die Luft ist trocken, verraucht und heiß. Optimale Bedingungen also für einen entspannten, gefühlvollen, ruhigen Abend.
Unter großem Applaus werden Eviga und Geiger Thomas Riesner empfangen, was diesen sichtlich schmeichelt. Bis der Sound scheinbar ordentlich eingestellt ist, vergeht eine ganze Weile und Ungeduld breitet sich im Publikum aus. Vor allem aus dem Hintergrund kommen unqualifizierte Rufe und Kommentare von Leuten, die scheinbar keine Ahnung haben, was hier und heute überhaupt stattfinden soll. Die gespannten Fans nehmen die Wartezeit erwartungs- und verständnisvoll in Kauf.
Als das Konzert endlich beginnt, bricht ein heftiges, aber sofort verstummendes Jubeln aus und man lauscht den neuen Klängen. Unbekannt ist das erste Lied, denn es stammt wie das darauf folgende, eventuell unvollständig, da ohne Gesang, vom entstehenden Album „In Luft geritzt“. Die Stimmung wird jedoch massiv durch diverse Rückkoppler seitens der Geige gestört, die sich mit der Zeit ins Unerträgliche häufen. Sichtlich genervt bricht Eviga sogar einen Song mit einem Satz in seinem Österreicher Dialekt ab: „Es tut mir Leid, aber so können wir nicht weitermachen“. Nach langer Diskussion mit dem Mischer und weiteren Checks, während denen die Masse natürlich noch unruhiger wird, versucht man es noch einmal. Der Erfolg ist offensichtlich. Die ohrenbetäubenden Rückkoppler sind beinahe behoben und rein musikalisch stört nur ein Saitenriss das weitere Geschehen.
Dafür kocht die Wut nun in den gewillten Hörern, da die besonders wichtigen, sehr ruhigen Passagen von einem zu etwa zwei Dritteln schwatzenden und lachend saufenden, wirklich unwürdigen Publikum völlig zerstört werden. Man wartet nur darauf, dass sogar die ebenfalls gereizte Band einen Teil des Publikums bittet, entweder still zu sein oder den Raum zu verlassen. Es sind einfach zu viele Leute - besonders Ahnungs- und Rücksichtslose – in einer dem Anlass nicht entsprechenden Location.
Der Applaus ist trotz allem überwältigend und auch der Gastauftritt von Gilvan, dem ehemaligen Schlagzeuger, der Evigas autonome Percussion mit einigen Glöckchen am Bein am gedämpften Schlagzeug unterstützt, wird wohlwollend zur Kenntnis genommen. Gespielt werden aus den älteren Alben „Reime faucht der Märchensarg“, „Innerwille ist mein Docht“, sowie „Mein Publikum – Der Augenblick“. Aus jüngeren Tagen performt man „Der Hexe flammend’ Blick“ und „Der Hexe nächtlich’ Ritt“. Auffälligerweise umfasst das Set keine Songs des neusten Albums „Durch den Traum“, was wohl an der „Geigenlosigkeit“ und fehlenden Probezeit liegen mag.
Auf einen Punkt gebracht kann man sagen: Vorgruppen sowie Publikum größtenteils unwürdig,
Teil 2: Würzburg, inklusive Gespräch mit Eviga
Da die Ernüchterung und Verärgerung nach diesem Abend in Regensburg trotz der tollen Performance von Das Frühe Erscheinen am 27.1.07 in unserem netten Jugendzentrum mit urigem Konzertkellergewölbe in der Nähe der Würzburger Residenz macht sich bezahlt, denn von drängelnden Massen ist hier nichts zu sehen und es lässt sich sogar ein kleines Gespräch mit Eviga ohne weiteres einrichten.
Völlig ungezwungen und freundlich plaudert man über die Band, kommende Auftritte und natürlich auch die Show in Regensburg.
Hierbei erklärt er, dass eine Akustiktour natürlich immer etwas Besonderes sei, man das Publikum nur schwer unter Kontrolle halten könne und man eben bei einer so langen Spielpause mit einigen Problemen rechnen müsse. Als ich ihn auf die Vorgruppen anspreche, gibt er die bedauernde Antwort, dass man sich diese leider nicht immer aussuchen könne und es sowieso schwierig wäre passende Bands für eine solche Tour aufzutreiben. In diesem Zusammenhang fällt auch der Name der Ambience-Band
Neben einigen anderen Themen kamen wir auch auf die Auflösung von einigen Bands, wie etwa
Lachend im Booklet des „nicht um zu sterben“ – Albums blätternd, in all der Schwärze nach einer passenden Stelle für eine Signatur suchend, brachte er grinsend heraus: „Das waren noch andere Zeiten“
Dieses Treffen und das lockere Gespräch spiegelt für mich persönlich die sympathische Zurückhaltung und Bodenständigkeit der Band wieder, wie sie auch bei den Liveshows in den Reaktionen und verträumten Gesichtern der Akteure zu sehen ist und vielleicht am besten beim friedlich in sich versunken wirkenden Geiger Inve zum Ausdruck kommt.
Das Konzert beginnt mit etwas Verspätung um etwa 20.30 Uhr mit
Als zweite Vorgruppe dürfen
Erfreulicherweise fällt die ebenfalls angekündigte, schon in Regensburg vertretene Band Die Atmosphäre ist von Grund auf anders dieses Mal. Ein kleiner Raum mit maximal 200 Personen, ein insgesamt etwas intensiverer Klang über die Beschallungsanlage und kein Gedränge oder Gequetsche. Das alte Gemäuer mit seinen rauen Steinwänden, den dicken Säulen und Bögen scheint wie geschaffen für ein stimmungsvolles Akustikkonzert. Zudem sind auf der Bühne zusätzlich zwei Kerzenständer platziert, von denen eine gewisse Wärme ausgeht. Zu schade, dass auch hier die Antwort auf die halbironische Frage „Ist das hier heute eigentlich ein Stehkonzert oder ein Sitzkonzert?“ mit ersterem beantwortet werden muss.
Obwohl schockierender weise gleich zu Beginn die einzigen zwei Rückkoppler des Abends zu hören sind und in mir große Befürchtungen aufsteigen, verläuft die Show beinahe reibungsfrei. Trotz einiger nichts ahnender, plappernder Leute, die allerdings entweder schnell selbst zur Ruhe finden oder den Raum verlassen, ist der Auftritt einfach nur traumhaft. Das Set hat man gegenüber Regensburg nicht verändert, doch es scheint irgendwie kompletter, runder und dank der fehlenden Ausfälle sogar länger. Man bekommt ein Konzert und nicht immer mal wieder einen Fetzen davon. Außerdem herrscht während der ganz ruhigen Passagen wirklich Totenstille und die Atmosphäre kann sich angemessen entfalten.Zwar fehlt Gilvan und somit eine Unterstützung am Drumkit, aber dafür hat man einen Gastsänger, nämlich Thomas von
Nach einer Zugabe, die man in Regensburg auf Grund des begeisterten Applauses auch gegeben hat, nimmt sich die Band ganz offen Zeit für persönliche Gespräche mit ihren Fans und beendet den Abend somit vollkommen zufrieden stellend.
Während Regensburg ein Trauerspiel für alle ernsthaften Fans darstellte, gab es in Würzburg glücklicherweise eine echte Vollbedienung, die zu allgemeiner Zufriedenheit und einem Hauch von spürbarer Magie führte.
