Lay Down Rotten Tothamon Moshquito Mimosis

Lay Down Rotten, Tothamon, Moshquito, Mimosis

Lay Down RottenMimosisMoshquito
Leipzig, Moritzbastei
23.02.2007
72. So alt ist meine Oma. Zumindest so ungefähr. Denn irgendwann sind Zahlen nicht mehr allzu wichtig, vielmehr ist es eigentlich umso bedeutender, ob man überhaupt noch existiert oder nur noch in den Köpfen der Menschen herumschwebt. Der „Scheddel“ findet mittlerweile auch zum 72. Mal statt, die meisten der angekündigten Bands sind alte Bekannte, aber trotz leichter Ermüdungserscheinungen sollte der Abend doch zu etwas ganz Besonderem werden.

Circa halb 10 wird es plötzlich laut in den heiligen Hallen der Moritzbastei. MIMOSIS bereiten sich darauf vor, den Anwesenden einmal mehr die Rübe ordentlich abzumontieren. Aber was ist da los? Was macht denn Max, blondgelockter Sänger von NUKE EASTERN PLOT da hinter dem Mikro? Hatte sich plötzlich still und heimlich das Besetzungskarussell einmal im Kreis gedreht? Keine Panik, kurz darauf folgt die Erklärung: der eigentliche Brüllwürfel namens Witte ist krank und hat kurzerhand an diesem Nachmittag seinen Kumpel als Vertretung engagiert. Von Beginn an wird dabei klar, dass Max vom Engagement her das zuviel hat, was Witte meiner Meinung nach an Bühnenpräsenz immer zu wenig hat. Dennoch bleibt die Menge erstaunlich ruhig. Selbst für die müden Leipziger ist das echt mau. Der Sound kämpft zwar des Öfteren mit fehlgeleiteten Übersteuerungen und auch sonst wird sehr viel improvisiert, aber dennoch sollten die starken Stücke schon in der Lage sein, das Publikum zu bewegen. Die Band hat jedenfalls Spaß, das Publikum freut sich wohl eher im Geiste mit.

Nach einer schier endlosen Umbaupause treten MOSHQUITO an den Bühnenrand, um dem müden Haufen mal in den Hintern zu treten. Bereits vor kurzem konnten die Sachsen beim PANTERA-Tribute schon ihre Klasse beweisen, allerdings noch nicht mit eigenen Stücken. Dass diese aber ebenso gut Ärsche treten können, beweist die Band mühelos. An ihren drückenden Death/Thrash-Nummern gibt’s eigentlich nicht sehr viel zu meckern, aber auch hier fliegen nur ein paar vereinzelte Haarbüschel durch die Luft, während größtenteils die verschränkten Oberarme das Ruder übernehmen. Schade eigentlich.

Nun aber zu dem eigentlichen Kuriosum des Abends. Die Leipziger Band TOTHAMON zelebriert heute das Erscheinen ihrer frisch gepressten Scheibe „Subjektivitäten“ und gibt gleichzeitig ihr Abschiedskonzert. Für die Fans wahrlich ein überraschender Schritt, für die Band selbst aber sicher ebenso. Dennoch hat man sich vorgenommen, es zum Abschluss noch einmal richtig krachen zu lassen, um möglichst positiv in Erinnerung zu bleiben. Mit einer bunten Mischung aus der eigenen Diskografie präsentiert uns die Band ihre ganz eigene Definition von Death Metal. Teils komplex, teils eingängig, aber niemals wirklich vorhersehbar – so kennt man die Leipziger und so wird man sie hoffentlich auch noch eine ganze Weile kennen. Und wie durch Zauberhand ist plötzlich auch Bewegung in der Menge auszumachen. Kein Wirbelsturm, aber angesichts der fortgeschrittenen Stunde wohl das Beste, was man aus dem Haufen herausholen kann. War schön mit euch, Jungs. Aber angesichts dessen, dass meine Uhr bereits halb 2 zeigt und meine Augenlider den Boden küssen möchten, werde ich nun nach Hause scharwenzeln und den Stift an meinen kampferprobten Kollegen weiterreichen. [cr]

Beim Bierzischen vergeht die Zeit wie im Flug. Und wenn dazu noch viele nette Freunde zum Spielen da sind, dann erscheint die ewig lange Umbaupause wie ein kurzes Intermezzo. Soundtechnisch hat es nicht viel geholfen, aber LAY DOWN ROTTEN starten mit ihrer Breitwandinitiative voll durch und können trotz gelichtetem Fanforst die ganze Aufmerksamkeit an sich binden. Die wahnwitzige Spielfreude ist den hoch beweglichen Fünfen von Anbeginn bis zum Schluss nicht abhanden gekommen, denn zur fortgeschrittenen Stunde (2 bis 3 Uhr Morgens) weist keiner der Matte bzw. Bart kreisenden Metallurgen Ermüdungserscheinungen auf.
Wenn die für mich hoch interessante Mischung aus Elchtod, Breakreichtum und Sympathie (wenn das CARCASS-Cover „Heartwork“ für die dahingeschiedenen TOTHAMON dem Veranstalter sowie den putzmunteren Fans gewidmet wird, muss man das einfach als klasse Geste werten) zudem noch spitzenmäßige Songs aufweist, bei denen einem vor Freude die Ohren schlackern, dann war diese Band für mich neben TOTHAMON ganz klar der Höhepunkt dieses Abends. Sogar die eine oder andere Zugabe war noch drin („Black Night“ von DEEP PURPLE und „Darkday“ von EDGE OF SANITY). Ich bedauere all diejenigen, die LAY DOWN ROTTEN verpasst haben und verweise gerne auf die überdurchschnittlichen Livequalitäten der hungrigen Deathmetal-Barden und das zuletzt erschienene Album "Breeding Insanity". Prost und auf Wiedersehen, wenn es wieder zum 73. Mal heißt: „Heavy Metal! Nix im Scheddel?“ [dt]

Fotos von Yvonne

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