Selig

Selig

Selig
Chemnitz, AJZ
01.05.2009
Ein ungenießbares sächsisches Biermixgetränk und ein Ohrenbluten verursachender Radiosender hatten zum Stubenrocker Konzert eingeladen. Bands wie KLEE, POLARKREIS 18 oder eben SELIG spielen kostenlos vor kleiner Kulisse um den Bekanntheitsgrad der Sponsoren und vor allem deren Homepages zu steigern. Wozu ein Bier eine Homepage braucht, versteh ich zwar bis heute nicht, aber in diesem Fall konnte man sich bis zum Dienstag vor dem Konzert dort anmelden und bekam dann eine Bestätigung, dass man und seine Begleitung dabei sein darf. Nur 350 Personen durften an diesem Abend dabei sein, die restlichen Karten brachte dann der Radiosender unter das Volk, dass aber volljährig sein musste und dieses wurde auch anhand des Personalausweises am Eingang kontrolliert. Deutschland, deine Alkoholwerbung.

Das AJZ bietet sogar von außen einen veränderten Anblick, weißer Jägerzaun, weiße Fahrräder und Damen in Bierplörre Shirts mit weißer Gürteltasche empfangen die Gäste, die sich zu 95 Prozent als verliebte Pärchen herausstellen. Egal, draußen gemütlich noch ein Bier auf den Holzbänken unter den Bäumen getrunken und dann hinein. Namens- und Alterskontrolle am Eingang und schon taucht der erste Fotograf auf und will Fotos für eine der Homepages machen. Dankend abgelehnt und schon gibt es wieder was zu gewinnen. Irgendwie geht es auch innen weiter in weiß, weiße Kunstledersofas und –sessel überall, weiße Tische und irgendwelche anderen Einrichtungsgegenstände. Egal, ran die Theke, aber dort gibt es nur die Marken des Sponsors. Egal, Kaffee bestellt und plötzlich tippt mich irgendwer auf den Rücken, ob ich denn die Schlange nicht gesehen hätte. Eine Schlange an der Theke bei einem Konzert, die auch noch quer durch den Saal geht, Sachen gibt es.

Bevor es dann endlich losgehen kann, muss noch die Musik und die nervigeren Jingles des veranstaltenden Radiosenders ertragen werden. Mandy, ihres Zeichens Off-Air-Promotion Moderatorin, probiert schon mal das Publikum zum Klatschen zu animieren, und man merkt, wer sich im Urlaub von Animateuren bespaßen lässt.

Doch irgendwann ist es soweit und SELIG entern in Viererbesatzung die Bühne. Schlagzeuger Stephan Eggert und Bassist Leo Schmidthals hat man zu Hause gelassen, dafür sich mit Hagen am Cello verstärkt. Sänger Jan Plewka betritt die Bühne mit Weingläsern für sich und Keyboarder Malte Neumann und man merkt ihm an, dass das nicht die erste Flasche Rosewein am heutigen Abend ist. Plewka gibt den Entertainer, erzählt Anekdoten über Karl-Marx-Stadt am Tag der Arbeit, die Suche nach der Formel für den Weltfrieden und die brennende Schanze in Hamburg. Aber vor allem singt er und SELIG starten mit der aktuellen Single „Schau Schau“ in die 45 Minuten. Am Ende des zweiten Songs bauen Cellist Hagen und Gitarrist Christian Neander spontan einen rockigen Part am Ende ein, Plewka ist verdutzt, v.a. aufgrund der Zuschauerreaktion. Dieses spendet doch Hagen mehr Applaus als ihm, und er ist sichtlich irritiert, muss sich aber damit abfinden.

Der Band macht der unplugged Auftritt und die Reaktion des Publikums sichtlich Spaß, welches größtenteils jenseits der 30 liegt und vor allem bei den älteren Stücken wie „Ohne Dich“, „Die Besten“ und „Regenbogenleicht“ am euphorischsten mitsingt. Nach 40 Minuten ist dann aber auch schon Schluss, und SELIG kommen noch mal ohne Cello zu einer Zugabe zurück. Hagen wird dann trotzdem zu einer zweiten Aufführung von „Schau Schau“ auf die Bühne gebeten, mehr Songs hatte man nicht einstudiert. Egal, der Jubel ist groß und bei SELIG sollte man sich mal Gedanken darüber machen, mehr Songs für ein MTV Unplugged oder ähnliches aufzubereiten. Plewka fordert vor der Zugabe die Leute noch auf nach dem Konzert dazubleiben, aber als dann kurz danach SELIG verschwunden sind und wieder Mandy die Bühne betritt, setzt der natürliche Fluchttrieb des Herdentieres ein um das Überleben zu sichern.

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