Destruction Live-Album Release Show

Destruction Live-Album Release Show

AdligateAssassinDarthDestruction
Hagen, Kultopia
27.09.2009
Zur Veröffentlichung des Jubiläumsdoppellivealbums (ein Hoch auf die deutsche Sprache, für die Möglichkeit der Wortschöpfung durch Verknüpfung bereits bekannter Worte) gehört für eine Band vom Kaliber DESTRUCTIONs natürlich auch eine zünftige Releaseshow. Nachdem Samstags bereits in Bern releaseshowed wurde, haben die Süddeutschen heute den Weg ins Kultopia nach Hagen gefunden.
Das Kultopia ist ein Jugendkulturzentrum einigermaßen im Herzen Hagens und präsentiert sich bis auf den gerade bei Konzerten doch etwas eng geratenen Eingangsbereich als netter Veranstaltungsort, an dem es kaum etwas auszusetzen gibt. Der Konzertsaal ist nicht der allergrößte, kann dafür aber mit guter Sicht von allen Positionen glänzen.

Trotz leichter Verspätung dank umwegreicher Anfahrt bin ich rechtzeitig zum etwas nach hinten verschobenen Start der zur Eröffnung spielenden, noch plattenlosen ADLIGATE im Raum, die neben der Initiatorin des Abends am Schlagzeug mit Bloodchamberurgestein Stephan Jegust am Mikrofon aufwarten können. Innerhalb von wenigen Minuten bewegt sich auch der Großteil des Publikums von vor der Tür in den Raum und kann einem in vielfacher Hinsicht abwechslungsreichen Auftritt beiwohnen. Selbst wenn die Balladen heute Abend ausgespart werden, sind die Lieder sowohl vom Charakter als auch vom Effekt recht unterschiedlich. Während mich vor allem die schnellen, mitreißenderen Lieder mit den galoppierenden Riffs überzeugen können, wirkt Stephans aggressiver Grundton bei eher gemäßigten Klängen wie „Fading Away“ manchmal eine Spur zu überdreht, wie auch das nachhaltige & kontinuierliche Fordern nach mehr Publikumsreaktion den Beigeschmack des „Gut gemeint, aber im Gesamtbild doch etwas zu viel“ hat, wobei der Animation kleine Erfolge nicht abzusprechen sind. Die positiven Aspekt überwiegen aber auch dank des abwechslungsreichen Songwritings bei weitem, was insgesamt einen unterhaltsamen und auf jeden Fall gelungenen Auftritt ausmacht, der durch die leicht akrobatischen Einlagen von Gitarrist Micha eine besondere Erinnerungsnote bekommt, als er ein Lied trotz gerissenem Gitarrengurt scheinbar ungerührt mal kniend, mal auf die Monitorbox gestützt spielen muss.

Die zweiten Local Heroes, die auf die Bühne steigen, sind DARTH, die – man möge es mir verzeihen – ein bisschen so wirken, als würden sie schwer in die Pötte kommen. Die vor allem in den letzten Jahren vor allem von Samplerbeiträgen geprägte Diskographie der seit 14 Jahren bestehenden Band, hat mir zwar einen Vorgeschmack gegeben, aber so ganz vorbereitet war ich dann doch nicht. Trotz allem Engagement, das man DARTH wirklich nicht absprechen kann, ist die Musik von der Bühne viel zu vertrackt und manchmal auch scheinbar unstrukturiert, um für spontane Begeisterung zu sorgen. Die Saitenfraktion gibt sich größte Mühe, das Chaoslevel des unterhaltsamen Sängers Adam, der auch bei den folgenden Bands vollen Einsatz auf Saalebene zeigt, zu erreichen, aber nicht nur bei mir will der Funke nicht überspringen. Auch der Publikumsandrang scheint im Vergleich zu ADLIGATE etwas gesunken zu sein, und so feiern die DARTH Vertrauten ein Fest, während der Rest eher verwirrt zur Bühne schaut oder sich zum Rauchen an die frische Luft begibt.

Als letzte Anheizer springen die Düsseldorfer ASSASSIN vor die hungrige Menge. Erster Blickfang ist Neubassist Joachim, der neben der blanken Brust eine grobgliedrige Kette als Instrumentengurt benutzt, aber schnell wandern die Augen weiter zu Frontmeuchelmörder Robert, der vor Einsatzfreude nur so strotzt. War ich beim Witchhunter Tribute Konzert noch überrascht vom mit der Dauer des Auftritts immer größer werdenden Mitreißfaktor des Hochgeschwindigkeitsfrickelgeschwaders, verändert dieser sich heute im Vergleich eher wenig. Das liegt aber vor allem daran, dass ein ansehnlicher Teil der Meute von Anfang an im Einsatz nicht hinter der Band anstehen will, was bei ASSASSIN definitv eine Ansage ist. Selbst wenn sich das in der Lautstärke hauptsächlich bei der abschließenden Bandhymne „Assassin“ bemerkbar macht, die schlicht und ergreifend auch deutlich besser zum Mitsingen geeignet ist als die anderen Lieder, und unverständlicherweise doch noch einige Menschen sich im Hintergrund bedeckt halten, können ASSASSIN mich wieder auf ganzer Linie überzeugen. Eine großartige, vor Energie & Spielfreude strotzende Liveband, die auf der Bühne nicht den heimtückischen Meuchelmord sondern flächendeckenden, tösenden Großangriff praktiziert:
„Go - Assassin, Fight - Assassin, Kill - Assassin, The Life - Assassin!“

Nachdem alle Banner hängen, die individualisierten Mikroständer in Position gebracht und die dazugehörigen Geräte ausgetestet sind, kann die Schau beginnen, auf die die meisten am Abend gewartet haben. Allerdings ist die Uhr schon bis in die letzte Stunde des Sonntags vorgerückt, was sich noch bemerkbar machen wird. DESTRUCTION eröffnen mit „Curse The Gods“ und die Meute springt noch sehr munter an, bedenkt man die vier Stunden, die sie bereits in den Knochen hat. Der raue Gesang von Hüne Schmier, dessen Hünenstatus übrigens nicht zu knapp mit der eher zierlichen Statur von Gitarrist Mike zusammenhängt, der seinen Moshpitfingerbruch gut überstanden zu haben scheint, kann zu Beginn in der Lautstärke noch nicht ganz mit den Instrumenten mithalten, so dass hauptsächlich die charakteristischen, gekieksten Schreie durchdringen. Zum Glück wird das aber schnell behoben, so dass die folgenden „Bestial Invasion“, „Devolution“ & „Metal Discharge“ sich nahtlos in die den ganzen Abend sehr gute Klangqualität einfügen können.
Während vorne eine Thrashrakete nach der anderen gezündet wird und Schmier & Mike sich in ständiger Bewegung befinden, was jedem der drei Mikros ordentliche Einsatzzeiten beschert, leert sich das Kultopia ob der Uhrzeit immer mehr, so dass Schmier sich mit einem leichten Schmunzeln bei allen bedankt, die nicht dem Drang nachgeben, die letzte Bahn erreichen zu wollen. Seine (übliche) Ansagefreudigkeit lässt die Nachhausepilgerer obendrein die ein oder andere humoristische Perle verpassen, wie: „Wer war heute in der Kirche?“ *niemand meldet sich, ein Zuschauer zeigt den Stinkefinger.* „Aha, du also nicht. Da hast du aber was verpasst: Nailed To The Cross!“ Nach knapp 90 Minuten, als die Uhr bereits die 1:30 hinter sich gelassen hat und hauptsächlich ein Haufen Unentwegter vor der Bühne übriggeblieben ist, die auch noch bis 3 Uhr weitergemacht hätten, packen die Altmeister dann auch die Sachen ein, aber das Fazit des Abends steht wie in Stein gemeißelt: Nicht „Total Desaster“, sondern „Thrash Till Death“!

Fotos von Michael Bach.

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