Party.San 2014

Party.San 2014

AbortedAbyssousAhabArroganzAtlantean KodexAura NoirBenedictionBeyondBölzerCarnal GhoulEntombedEreb AltorGod MacabreGrand MagusGraveHavokImperium DekadenzIncarcerationInquisitionJig-AiKampfarKatatoniaKreatorLost SocietyMalevolent CreationMardukMisery IndexMumakilNapalm DeathNecrowretchNocturnalObituaryProtectorRepulsionRogashSatyriconSkeletonwitchSólstafirSpheronSuffocationThe HauntedThulcandraUnlightWatain
Schlotheim, Flugplatz
07.08.2014

Donnerstag

Wenn das altehrwürdige Party.San Open Air ruft, dürfen wir natürlich nicht fern bleiben. Zumal wenn das Programm so unglaublich ausfällt wie in diesem Jahr. Der Umfang an Bands auf zwei Bühen ist schier überfordernd, dazu scheint das Wetter trotz des in vielen Teilen des Landes dürftigen Sommers richtig gut zu werden. Was soll also einer dreitägigen Metalparty im Wege stehen?

Auf dem Festivalgelände angekommen sondieren wir erstmal, was los ist. Im Hintergrund spielen NECROWRETCH. Um die Truppe ist ja in der Vergangenheit ein nicht unbeträchtliches Gewese gemacht worden, aber im sommerlichen Sonnenschein beeindruckt ihr heftig aggressiver Death Metal mit keifigen Vocals nicht besonders. Als schöne Hintergrundberieselung für das erste Köstritzer und ein Akklimatisieren auf dem Rasen taugen sie aber allemal. [ak]

Eine sehr beschauliche Diskographie haben GOD MACABRE im Gepäck, was sie aber nicht davon abhält nach der Wiedervereinigung das PSOA mit altehrwürdigem Death Metal schwedischer Machart zu beglücken. Sie zeigen sich sehr motiviert. Doch frage ich mich, was nach dieser Tour denn so folgen soll. Der Eindruck hier ist jedenfalls, dass sie sich so langsam warmspielen und darauf brennen, mal neues Material einzukloppen – aber nach der Neuveröffentlichung ihres Klassikers „The Winterlong…“ und einem mehr soliden und zurückhaltendem Gig hält sich zumindest mein Optimismus in Grenzen.[mbo]

SKELETONWITCH ist für mich die erste Band des Festivals. Mit ihrem Black und Thrash Metal sind die Jungs schon alte Bekannte im deutschsprachigen Raum, und obwohl sie für ihre gute Show bekannt sind, sind sie immer noch auf den relativ billigen Plätzen im Vorabendprogramm vertreten. Bekannte Songs aus dem Klassiker „Beyond the Permafrost“, bis hin zum Neuling „Serpents Unleashed“ heizen die Stimmung kräftig an. Da verwundert es nicht, dass um kurz vor sieben Uhr schon mächtig viele Leute am headbangen sind.

Auf ATLANTEAN KODEX freue ich mich besonders. Nicht zuletzt, weil ihr Ohrwurm „Sol invictus“ während meiner Anfahrt rauf und runter lief. Ein anderer Aspekt ist sicherlich die Tatsache, dass es sich bei den Regensburgern um eine Art White Metal Band handelt. Und sowas soll auf dem Party San spielen? Meine Bedenken werden schnell zu Nichte gemacht. Das Konzept funktioniert ziemlich gut, oder die anwesenden Leute wissen nicht so Recht, wen sie da vor sich haben. Besonders gut gefallen mir ihre Stücke, die einen gewissen Anteil Power Metal besitzen, und das Publikum scheint mir zuzustimmen. Wenn man von ein paar kleinen Kratzern im Gesang absieht, konnte Frontmann Markus Becker die Festivaltauglichkeit dieser Band bestens unter Beweis stellen.[ms]

White Metal? Katholic Magick? Ich nennen ATLANTEAN KODEX einfach mal den ersten richtigen Farbklecks im diesjährigen Billing. Die true Fraktion, die davon nix hören will, darf einen Sicherheitsabstand in Anspruch nehmen. Die gequälten Seelen mit Vorliebe für Epik allerdings feiern ihren von Songs des aktuellen Albums „White Goddess Unveiled“ getragenen Auftritt aber gebührend ab. „Sol Invictus“ und „Twelve Stars And An Azure Gown“ werden auch von meiner Wenigkeit bereitwillig mitgesungen, denn Sänger Becker ist sympathisch und überrascht mich sehr positiv mit einer durckvollen Performance. Zuvor war ich da eher skeptisch, was die Vocals angeht. Die Saitenfraktion ist unterdessen eher „standhaft“ urig und auf ihre Instrumente fokussiert. Zum Schluss gibt es noch „Atlantean Kodex“ und nur weil sie etwas früher beginnen durften und überziehen dürfen, geben sie mit der Zugabe „Pilgrim“ einen weiteren Song ihres ersten Albums zum Besten. Die Annihilation des Flugplatzes Schlotheim darf als erfolgreich und gründlich gewertet werden![mbo]

Wohl eine der größten Überraschungen dieses Festivals sind für mich die Regensburger ATLANTEAN KODEX. Viel wurde über diese Band geschrieben und auch wenn mich ihr großartiger Ruf in der Vergangenheit ein ums andere Mal ereilt hat, habe ich sie noch nie zuvor gehört. Das hat mich um so gespannter gestimmt, zumal klar ist, dass die Jungs musikalisch komplett aus dem Rahmen fallen. Ich hätte zuvor nicht geglaubt, dass mich eine Epic Progressive Power Metal Band (oder was auch immer ATLANTEAN KODEX eigentlich machen) so begeistern kann. Auch für den ungeübten Hörer zündet das sehr eingängige Material sofort und die unaufgeregte und sympathische Performance tut ihr Übriges. Es beweist ein messerscharfes Gespür der Veranstalter, diese Band gebucht zu haben.

Denn vollen Kontrast stellen nun GRAVE dar. Laut, derbe und groovig präsentieren sich die Schweden. Genau so, wie man es sich als Anhänger dieses schwedischen Urgesteins wünscht. Nur der Platz ist für mein Empfinden etwas früh gewählt, die Herren um Ola Lindgren hätten durchaus etwas später spielen dürfen. Aber auch am frühen Abend machen sie das, was sie immer machen und das ist genau das, was man von ihnen hören will. [ak]

Keine Ahnung wie oft ich GRAVE schon im CD Player hatte, oder wie oft ich sie schon Live gesehen habe. Es ist jedes mal wieder ein Erlebnis. Natürlich darf man keine großen Überraschungen erwarten, und so haben die Jungs auch heute wieder mal bewiesen, warum sie seit Jahren zur Speerspitze des Metal gehören. Dieser Auftritt schreit nach mehr, doch nach rund 45 Minuten ist der Spaß leider schon wieder vorbei.

Gebannt stehe ich in der Menschenmenge vor der Bühne und überlege mir, ob WATAIN das Potential hat, das Highlight dieses Festivals zu werden. Musikalisch könnten sie das definitiv erreichen, doch mit jeder Minute, mit der ich länger in der warmen Sommernacht rumstehen muss, verlieren die Schweden ihr Anrecht darauf. Sie sind für ihre zahlreichen Requisiten bekannt, doch wenn es auf Kosten der Fans geht, nervt das einfach nur. Den theatralischen Schwarzmetallern dürfte das natürlich so gut wie egal sein. Nach einer gefühlten Ewigkeit erleuchtet sich langsam die Bühne und WATAIN beginnen mit „De Profundis“ ihre düstere Show. Schnell wird klar, dass dies nicht ihr bester Auftritt werden wird. Neben ihrer Inszenierung, die so gut wie eh und je ist, lässt der musikalische Charakter stark zu wünschen übrig. Die Stimme von Erik klingt total kraftlos, und auch die Leistung der restlichen Musiker erinnert mehr an eine routinierte Show, als an einen hingebungsvollen Auftritt. Die Reihen des Publikums lichten sich schon nach wenigen Minuten und bis zum Ende des Auftrittes sind sicher schon über die Hälfte gegangen. Dabei hätte der Auftritt mit Songs wie „Malfeitor“, „Outlaw“, „Reaping Death“ oder „The Wild Hunt“ so vielversprechend sein können.[ms]

Zu WATAIN fällt mir nicht viel ein. Es kann aber auch mal alles zusammenkommen: Herr Danielson schlecht drauf und stimmlich böse angeschlagen, der Sound ziemlich mies und die pompöse Bühnenshow für das Gebotene weit übertrieben.[mbo]

Nachdem wir den Abend plaudernd, biertrinkend und shoppend ein wenig abseits der Bühne verbacht haben, geht es für WATAIN doch noch einmal ganz nach vorne. Ewige Umbaupausen und Divengehabe ist man von den Schweden gewohnt, doch als es mit einiger Verzögerung endlich losgeht, kann man sich nur noch wundern. Eric scheint total erkältet zu sein, ich habe ihn nie zuvor stimmlich in so schlechter Verfassung gehört. Ihn selbst scheint das auch nicht grad glücklich zu machen, denn er wirkt hochgradig angepisst, was die Performance nicht eben unterstützt. Auch wenn das Material natürlich überragend ist und das Drumherum auf der Bühne seines gleichen sucht, ist dies doch der mit Abstand schlechteste Auftritt von WATAIN, den ich bislang erleben durfte. [ak]

Freitag

LOST SOCIETY ist meine erste Band am Freitag und gleichzeitig meine erste große Überraschung des Festivals. Selten sieht man einen solch energiegeladenen Auftritt, welcher auch musikalisch auf voller Linie überzeugen kann. Ich denke es ist Lob genug wenn ich sage, dass sie es bereits um 13:00 Uhr schaffen, eine ordentliche Wall of Death anzustimmen.

Doom Metal, wir kommen. AHAB steht auf der Bühne und gleichzeitig ein komplett neuer Schwung an Fans vor der Bühne. Natürlich gibt es bei diesem Auftritt viele lang gezogene Instrumentalklänge und ewig wirkende maritime Geräusche. Die Songs wirken richtig fett und majestätisch, da kann auch die pralle Sonne, die eigentlich überhaupt nicht zur Musik passt, nichts daran ändern. Ein gelungener Auftritt, sowohl für die vielen Leute, die im langsamen Takt ihren Kopf vor der Bühne wackeln lassen, als auch für die zahlreichen Chiller auf dem Rasen. [ms]

AHAB ist die erste Band des Tages, auf die ich mich richtig freue und die sympathischen Nautiker aus Deutschlands Süden sind für eine Überraschung gut. Natürlich ist praller Sonnenschein nicht die beste Umgebung für ihre Musik, aber sie bieten einen sehr entspanntes erstes Tageshighlight. Vier Songs inklusive eines OMEGA MASSIF Covers werden dargeboten, dazu erstrahlen auch alte Stücke live inzwischen in neuem Gewand. Vokalist Daniel Droste hat schließlich das Singen gelernt und so werden inzwischen auch Nummern vom Debüt mit cleanen Passagen dargeboten. Es ist spannend zu erleben, wie sich dadurch auch Altbekanntes verändert. [ak]

Den Auftakt für das langsam aber sicher berüchtigte Partyzelt geben INCARCERATION , ein Trio, das dem brasilianischen Amazonasgebiet entstammt und nun Hamburg ihre Heimat nennt. Ihr energiegeladener Mördergroove fegt jetzt feurig und ohne faule Kompromisse durch das Zelt, der Sound ist wahnsinnig fett und die Riffs kommen darin wunderbar dreckig und bizarr rüber. Frontmann Daniel macht keinen Hehl aus seiner unbändigen Spielfreude und steckt noch jeden einzelnen Anwesenden mit seinem Dauergrinsen an. Bei einer solchen Fulminanz darf man frohen Mutes auf einen ersten Langspieler warten![mbo]

Was soll man zu INQUISITION noch großartig sagen. Dies ist nicht der erste und auch nicht der zweite Konzert- oder Festivalbericht der Bloodchamber, in dem ein Auftritt des amerikanischen Black Metal Duos Erwähnung findet. Man könnte fast meinen, dass die beiden bald einen Wohnsitz in Deutschland anmelden könnten. Und so routiniert wie zu erwarten zocken sie auch ihr typisches INQUISITION-Set runter. Nur selten können zwei Herren allein eine große Festivalbühne so gut füllen, der Sound ist super wie fast durchweg dieses Jahr, also alles wie gehabt. Gut so! [ak]

Metal à la INQUISITION ist gut bekannt, und ihre Auftritte setzen eigentlich schon voraus, dass hier stur durchgezockt wird. Es gibt keine großen Ansagen und dafür viel mehr Töne. Der Sound kommt gut an und die Songs ebenso. Besonders überrascht bin ich von der transparenten Abmischung zwischen den Instrumenten, wodurch auch sehr viele Feinheiten zur Geltung kommen können. Man meint fast, dass die Jungs Playback spielen. Die Fans freut es, und so kann sich schon am frühen Nachmittag viel Stimmung entwickeln.

Wo INQUISITION aufgehört haben machen ABORTED nahtlos weiter. Die anwesenden Menschen bekommen bei dieser Band voll eine auf die Nuss. Die Belgier haben ein neues Album veröffentlicht, und somit gibt es eine kleine Hörprobe davon. „Coffin upon Coffin“ oder „Necrotic Manifesto“ sind solche Songs, welche zeigen, wie wenig sich ABORTED im Laufe der Jahre doch verändert haben. Weder stilistisch, noch qualitativ.

Das Party San wäre nicht das Party San, wenn es mit BENEDICTION nicht noch eine Schippe oben drauflegen könnte. Brutal, technisch, und vor allem todeslastig. Das sind die größten Merkmale dieser Band. Natürlich haben sie schon ein paar Jahre auf den Buckel, trotzdem nervt es mich, dass sie sich heute selbst als die großen Altmetaller abfeiern. Zumal im Vergleich zu den vorherigen Band der Sound eher matt und ein bisschen zu leise klingt. Das ist für den typischen BENEDICTION-Sound natürlich verheerend.

Ein persönliches Highlight in diesem Jahr stellen MISERY INDEX dar und das nicht zuletzt, weil mir erst kürzlich klar geworden ist, wie cool ich diese Band eigentlich finde. Zwar haben sie eine Menge tolles Material im Gepäck, aber ihr aktuelles Album „The Killing Gods‟ war der ausschlaggebende Punkt, der mich wirklich zum Fan gemacht hat. Der Auftritt der US-Amerikaner zündet komplett. Der Sound ist brachial, die Stimmung ausgezeichnet und Mark Kloeppel hat sich mit Vollbart und Seitenscheitel einen gepflegten Hipster-Look zugelegt, was bei dem technisch versierten Deathgrind der Band für einen ulkigen Kontrast sorgt.

Nach einer ausgedehnten Futterpause geht es ins Zelt, wo THULCANDRA den heutigen Headliner geben. Und selten wurde das Werk einer einzigen Band so unglaublich dreist und so unglaublich kopiert wie in diesem Fall. Man könnte mit geschlossenen Augen fast meinen, DISSECTION würden spielen. Die Bayern setzen der schwedischen Legende mit ihrer Musik ein Denkmal und das machen sie mit richtig guten Songmaterial und in technischer Perfektion. Entsprechend ist das Zelt auch rappelvoll und die Stimmung entsprechend gut.

Wieder an der frischen Luft stolpern wir unmittelbar ins Set von SUFFOCATION, einer Band, für die ich bislang eher Respekt als Begeisterung empfunden habe. Doch irgendwie ist dieser Abend voller Magie und ohne es erwartet zu haben, ziehen mich die New Yorker in ihren Bann. Nie hat man einen perfekter abgemischten Livesound gehört als in diesem Augenblick. Der gesamte Auftritt ist charismatisch, brutal in Sachen Musik und Frank Mullen quasselt zwar immer noch reichlich zwischen den Songs, doch ist das alles eher ulkig und sympathisch und nicht so prollig, wie es mir von vergangenen Auftritten im Gedächtnis geblieben ist.

Vollkommen euphorisiert von Aufritt von SUFFOCATION freue ich mich auf das Set meiner Haus- und Hofgötter MARDUK. Und es kommt, wie es kommen musste, nämlich anders als man denkt. Ich durfte diese Band schon etliche Male live erleben, mache Sets waren grandios und manche Abende schlapp. Dieser hängt irgendwo dazwischen. Gewohnt distanziert entern die Schweden die Bühne und starten einen gnadenlosen Frontalangriff auf alle Versammelten und den Rest der Welt. Soundtechnisch ist aber irgendetwas schief gelaufen und die klangliche Brillanz, die man schon den ganzen Tag genießen durfte, fehlt auf einmal. Und als die Stimmung auf ihrem Höhepunkt ist, nachdem eine ganze Reihe Hits gespielt wurden, scheint die Band selbst davon überrascht worden zu sein, dass die Zeit um ist. Mit jäher Plötzlichkeit ist der Auftritt vorbei, was zu einigen Unmutsäußerungen im Publikum führt. [ak]

Ich hätte es zwar lieber gesehen, wenn MARDUK als Headliner spielen würden, doch der Platz davor ist auch nicht schlecht. Natürlich kann man heute nicht erwarten, dass sie wie beim letzten Party San Auftritt zusätzlich die komplette „Panzerdivision Marduk“ spielen würden, doch die Setlist ist trotzdem nicht schlecht. „The Levelling Dust“ macht den Auftakt, gefolgt von „Serpent Sermon“. Beim darauffolgenden „Christraping Black Metal“ bekommt schließlich das halb versammelte Party San einen feuchten Orgasmus. Ihr Auftritt könnte im Vergleich zu ihren Kollegen von WATAIN unterschiedlicher nicht sein. Sie kommen auf die Bühne, spielen ihr Zeug, und lassen die Haare kreisen. Nach rund vierzig Minuten bin ich sichtlich begeistert, und wünsche mir, noch weitere vierzig Minuten davon anhören zu können.[ms]

Krönender Abschluss dieses Tages ist die wohl höflichste Black Metal Band aller Zeiten. Die Rede kann nur von den Norwegern SATYRICON sein. Auch wenn es viele Menschen gibt, die über den Stilwandel schimpfen, bei SATYRICON kommt doch jeder gucken. Entsprechend schaffen wir es nicht mehr, uns bis vorne zu quetschen, aber auch aus der Distanz wirkt die Professionalität der Herren um Satyr und Frost. Selten zuvor habe ich derart perfekt choreographiertes Headbanging gesehen und selten sah man einen Star der Black Metal Szene so gentlemanlike. Dabei ist ein Set von SATYRICON so vorhersehbar wie die Tatsache, dass auf Regen irgendwann wieder Sonne folgt. Doch Laune macht es allemal, Songs wie „Now, Diabolical‟, „The Infinity of Time and Space‟ und natürlich „Mother North‟ zu hören. Wenn auch keine musikalische Überraschung, sind ist SATYRICON eine Band, die solch eine prominenten Platz mit Würde zu füllen versteht. [ak]

Samstag

Der Samstag beginnt mit etwas kritischen Wetteraussichten und ungehobeltem Thrash Metal. NOCTURNAL eröffnen den Tag und zeigen den wenigen Leuten, die schon wach sind, wo der Old School Hammer hängt. Wenngleich mich die Band zur Mittagszeit nicht vollends begeistert, so ist ihr Auftritt doch ein gelungener Einstieg in einen irrsinnig langen Festivaltag.

MUMAKIL gewinnen in diesem Jahr wohl den Rekord, die meisten Songs in ihrer Spielzeit untergebracht zu haben. Kein Wunder, schließlich gibt es Grindcore zu hören. Und sogar richtig guten. Nach wiederholtem Bekunden von Frontmann Thomas scheinen sie auch die am meisten verkaterte Band des Festivals zu sein, was aber der Brachialität ihrer Musik keinen Abbruch tut. Der Samstag geht echt gut los.

Und er geht noch besser weiter, denn auf schweizer Grind folgen die Wikinger von EREB ALTOR, auf die ich mich ganz besonders freue. Und so episch ihre Musik insgesamt ausfällt, so setzen sie innerhalb dieser drei Tage einen ganz eigenen Akzent. Passend zum restlichen Programm konzentrieren sie sich verstärkt auf Songs der letzten beiden Alben, auf denen sie verstärkt Black Metal Einflüsse integriert haben. Ich hätte mir ein wenig mehr Publikum vor der Bühne gewünscht, doch auch im kleineren Kreise verstehen EREB ALTOR auf ganzer Linie zu überzeugen.

Nachdem der Tag mit Old School Thrash begonnen hat, kommen wir an dieser Stelle zurück dazu. PROTECTOR stehen auf dem Programm. Hätte mir jemand vor ein paar Jahren prognostiziert, dass ich 2014 PROTECTOR auf dem PSOA sehen würde, hätte ich ihm wohl eine fortgeschrittene Geisteskrankheit unterstellt, aber da sind die Jungs um Martin Missy und sie haben sogar ein neues Album dabei. Der Auftritt ist vor allem sympathisch. Für seine Szenetreue und seine Verdienste vor langer Zeit hat Herr Missy einen Orden verdient, doch leider machen PROTECTOR in musikalischer Hinsicht nicht den überzeugendsten Eindruck. Zwar folge ich dem kompletten Set sehr gerne, doch die volle Energie, die solche Musik transportieren kann, kommt in diesen knapp 45 Minuten nicht rum.

Nach ein wenig Pause geht es in nachmittägliche Sonne zu KAMPFAR, wohl mit die sicherste Bank in Sachen Livepräsenz, die ich kenne. Und wer schon einmal gesehen hat, wie energiegeladen die Norweger ihren heidnischen Black Metal darbieten, der weiß, dass Dolk und seine Mannen einfach Weltklasse sind. Und bei „Ravenheart‟ bleibt einfach kein Auge trocken. KAMPFAR sind genau die richtige Band zur richtigen Stunde, um die nachmittägliche Trägheit zu vertreiben.

Es beginnt die Stunde der lustigen Bärte, denn MALEVOLENT CREATION haben ihren Weg über den großen Teich gefunden. Aus ihrem Repertoir von gefühlten Millionen von Songs ein Set zusammen zu stellen, ist eine Kunst für sich. Sie schaffen es aber, von „The Ten Commandments‟ bis zu „Invidious Dominion‟ einen schönen Querschnitt zu schaffen. Egal aus welcher Phase der Band, es gibt nur us-amerikanischen Death Metal reinsten Wassers. Nicht großartig anders, aber immer vollends überzeugend und unterhaltsam, so wie MALEVOLENT CREATION eben sind.

Da es heute schon ein paar Mal Thrash zu hören gab, kann man direkt noch eins draufsetzen und so weitermachen. Dieses Mal in Form von AURA NOIR. Die Norweger, die lange Zeit den Ruf hatten, die hässlichste Band der Welt zu sein, stehen für skandinavischen Black Thrash mit technischer Attitüde. Doch Flitzefinger Blasphemer bleibt auf der Bühne beinahe unsichtbar, er verkrümelt sich in seiner Ecke und zockt dort seine gnadenlos schnittigen Riffs runter, als ob es nichts wäre. Apollyon und Aggressor teilen sich die Vokalarbeit und auch wenn ihr Auftritt nicht spektakulär wirkt, so ist er doch durchweg rund und gelungen.

Nach AURA NOIR heißt es ins Zelt hetzen, denn dort spielt mit BEYOND eine der interessanteren jungen deutschen Death Metal Bands. So gut mir ihr Debüt gefiel, schafft ihr Auftritt es nicht, mich vollends zu begeistern. Denn der fällt vor allem laut aus. Auch der Gehörschutz vermag hier nicht viel zu reißen, direkt vor der Bühne eingepfercht kommt von der Musik nicht viel mehr rüber als eine durchgängige Wand aus Krach. Das ist sehr schade, zumal der Sound im Zelt schon deutlich gewesen ist. [ak]

Gut, dass ich in den letzten Tagen fleißig meine Schultermuskulatur trainiert habe. Denn bei GRAND MAGUS und ihrem Fistshaking Heavy Metal werde ich meine ganze Kraft benötigen, um die Faust drohend gen Himmel zu erheben. Die Schweden eröffnen, wie kann es auch anders sein, ihren Auftritt mit der Titelmusik von Conan, und fahren fort mit „I – The Jury“. Insgeheim wartet jeder Fan natürlich nur auf Songs wie „Iron Will“, „Steel Versus Steel“ und „Hammer of the North“, welche natürlich brav gespielt werden. Somit kann man auch diesen Auftritt als sehr gelungen abhaken.

NAPALM DEATH besteigen nun die Bühne, und das bedeutet gute Laune Musik. Natürlich nicht im James Last Stil, sondern im Stile des Grindcores. „The Carrion Call“ macht den Auftakt dieses fulminanten Auftrittes, welcher geprägt ist von einem sichtlich erfreuten Barney, der von einem Eck der Bühne zum nächsten hüpft. Weitere Songs sind „Thrown into the Sun“ oder auch „Black Sites“, welche eine große Menschenmenge anlocken können. Ich glaube es ist egal ob man NAPALM DEATH in einem kleinen Club vor fünf Leuten spielen lässt, oder auf einer großen Bühne vor 500. Sie leben ihre Musik und stehen voll dahinter, das spürt man mit jedem Takt.[ms]

Es ist eine Weile her, dass ich schon eine Viertelstune vor Beginn vor einer Bühne stand. Dabei den Soundcheck von /x> BÖLZER mitzuerleben, kann nämlich schon charmant genug sein. Herr kzR baut sich für seine Axt eine beachtliche Bühne vor einem komplett in Nebel versinkendem Drumset. Dabei erzeugt BÖLZER einen unsagbar fetten Ton für eine der aufregendsten Gruppen an diesem Festival und macht schnell klar, dass dieses Partyzelt völlig dem Erdboden gleichgemacht wird. „Steppes“ vom an diesem Tag auch käuflich zu erwerbendem „Soma“ markiert an vorletzter Stelle im Set spätestens, warum sie so aufregend sind. Mich zumindest reißt schon der Opener "The Great Unifier" völlig vom Hocker und zur Genugtuung aller verschwitzten Gestalten um mich herum wird auch die A-Seite jener EP mit "C.M.E." und "Entranced By The Wolfshook" mit brennenden Fanfaren zum Besten gegeben. Für ein paar Leute, mich eingeschlossen, dürften die Schweizer der geheime Headliner gewesen sein.

Beim Verlassen des Partyzelts werde ich dann schlagartig in eine andere, verstörend langweilige Welt versetzt. Erst am Ende horche ich weit am Rande des Geschehens auf, als KATATONIA „Without God“ und „Murder“ durch die Beschallungsanlage jagen.[mbo]

Nach all dem Lärm und der Aggression, die es am heutigen Tag gab, wirken KATATONIA wie eine Wellness Oase mit Aromatherapie. Gänzlich zurückgenommen, durchweg tief melancholisch und schön präsentieren sich die Schweden und schaffen einen ganz eigenen musikalischen Kosmos, der nur wenig mit der sonst fast allgegenwärtigen Heftigkeit des PSOA zu tun hat. Doch KATATONIA besteht aus Musikern, die wissen was sich gehört und die wissen, woher sie kommen. Und deshalb packen sie zum Schluss ihres Sets noch zwei Nummern aus ihren alten Tagen aus, um den Fans dieses Materials Tribut zu zollen. Musikalisch perfekt und dazu noch eine schöne Geste. [ak]

Ich kann mich noch gut an den OBITUARY Auftritt im Jahre 2008 erinnern, der noch im guten alten Bad Berka stattgefunden hat. Sechs Jahre sind mittlerweile vergangen, und dennoch sind meine Erinnerungen lebhaft wie eh und je. Das liegt wohl weniger an einem guten Gedächtnis, als an dem fulminanten Auftritt, den sie damals hingelegt haben. Meine Erwartungen sind also hoch gesteckt, und gleichzeitig bin ich mir sicher, dass sie die Messlatte wieder höher legen werden. Mit dem „Slowly We Rot“ Klassiker „Stinkupuss“ wird der Auftritt eröffnet. Mit ihrem Sound und dem deftigen Gesang von John Tardy ziehen sie mich sofort in ihren Bann. Die zahlreich versammelten Fans verwandeln das Festivalgelände schlagartig in ein Meer aus kreisenden Haaren und Crowdsurfern. Es vergeht Minute um Minute, und der Auftritt verliert kein bisschen von seinem anfänglichen Esprit. Die Begeisterung hält bis zur letzten Minute an, und kann nur noch mit dem zukünftigen Neuling „Inked in Blood“ und dem obligatorischen Rauswerfer „Slowly We Rot“ gesteigert werden.[ms]

Schlotheim, du hast es wiedermal geschafft. Tausende Metalfans aus aller Welt waren sichtlich begeistert. Man muss nicht lange suchen, um die vielen verschiedenen Nationalitäten zu finden, und das ist neben dem Lineup, das von Jahr zu Jahr besser wird, der größte Beweis für die hohe Qualität des Festivals. Neben der hervorragenden Musik waren die Fans zusätzlich mit einem guten Wetter gesegnet, das die Partystimmung noch weiter steigern konnte. Das Party San ist seit vielen Jahren ein Pflichtbesuch, und wenn man sich die bestätigten Bands für 2015 anguckt, wird dies wohl so fortgeführt werden.

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