Review: Helangår - [kwin'tes Sens]

[kwin'tes Sens]
Helangår
Helangår - [kwin'tes Sens]
Ein Album Titel wie „[kwIn’tes sens]“ deutet die musikalische und lyrische Marschrichtung schon vage an. Hier geht es sehr verkopft und verquer zur Sache. Und das nicht zu knapp…

HELANGAR wurden 2002 gegründet. Ein Jahr später erfolgte auch schon ihre erste Veröffentlichung „Evening in Valhalla“. 2005 vertonte man mit „Schlafes Bruder“ den gleichnamigen Bestseller von Robert Schneider. Von der ursprünglichen Besetzung der Truppe sind seit 2006 nur noch die beiden Brüder Florian und Johannes Fuß übrig geblieben. In dieser Besetzung wurde das aktuelle Album „[kwIn’tes sens]“ im eigenen Studio aufgenommen.

Von den textlichen Inhalten her gesehen ist „[kwIn’tes sens]“ ein sehr interessantes Album geworden. Es geht um die vierte große Demütigung der Menschheit. Zuerst ersetzte Nikolaus Kopernikus das geozentrische durch das heliozentrische Weltbild. Charles Darwin ließ den Traum des Menschen zerplatzen, er stände über den Tieren. Vielmehr führte er den Beweis an, dass wir ein Produkt aus Mutation und Selektion sind. Die dritte Demütigung geht von Sigmund Freud aus, der dem Menschen die Kontrolle über seinen Geist entriss. Die vierte Demütigung schließlich, von der das Album inhaltlich handelt, ist der reduktionistische Ansatz der Wissenschaft, welcher selbst die Einzigartigkeit unserer Naturgesetze und des Universums in Frage stellt. Dieser Reduktionismus geht davon aus, dass selbst die komplexesten Systeme entschlüsselbar sind, indem man sie in ihre Elemente aufteilt und diese einzelnen Elemente bestimmt.

Ihr merkt also: Leicht verdauliche Kost gibt es woanders. Schon im ersten Stück wird Schopenhauer aus dem zweiten Band seines großen Werkes „Die Welt als Wille und Vorstellung“ aus dem Jahre 1844 zitiert. Und auch die weiteren Texte sind mehr etwas für philosophisch begeisterte Leute.

Nun muss ich aber auch auf die Musik zu sprechen kommen. Und da geht es nicht minder komplex zu. Leider aber für mein Verständnis zu verschroben und zusammenhanglos. HELANGAR können immer wieder mit guten Passagen auftrumpfen. Leider werden diese guten Ideen nie weitergesponnen, sondern zugunsten des avantgardistischen Ansatzes aufgegeben und von einem zusammenhangslosen Folgepart ersetzt. Überhaupt treffen musikalische Welten bei „[kwIn’tes sens]“ aufeinander. Post Rock, gesprochene Textpassagen, Metalriffs, Schreigesang und Soundcollagen sind nur einige der Zutaten, die HELANGAR in die Musik einfließen lassen, aber eben nicht miteinander vereinen.

Sicher gibt es genug Leute, die genau solche Musik lieben. Böse Zungen könnten „[kwIn’tes sens]“ auch als Musik für Studenten titulieren. Wer es straight und nachvollziehbar mag, für den empfiehlt sich beim Hören von „[kwIn’tes sens]“ auch gleich ein Päckchen Kopfschmerztabletten bereitzuhalten. Wer es dagegen kompliziert, diffus und verquer mag, für den dürfte dieses Album genau das Richtige sein!
Stefan Hofmann Stefan Hofmann [sh]
Experte für Death, Black und Thrash Metal
veröffentlicht am 02.07.2008 11:07 Uhr 0 Kommentare
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