Review: Neon Sunrise - Toxigenesis (EP)

Toxigenesis (EP)
Neon Sunrise
Neon Sunrise - Toxigenesis (EP)
Lange, lange haben sie uns warten lassen, aber nun ist es endlich da : „Toxigenesis“, das neue (musikalische) Lebenszeichen von Bochums Finest NEON SUNRISE. Allerdings hat sich in den zwei Jahren seit dem letzten Demo „New Soul Design“ auch einiges getan, denn die Band wurde mittlerweile auf zwei Positionen umbesetzt : anstelle von Markus Becker bedient nun eine Dame namens Alla Fedynitch den Bass, und der blutjunge Tim Lorenz ersetzt den (zu Recht) viel gescholtenen Sänger Dirk Zimmermann. Und das war ein Wechsel, der wirklich mal was gebracht hat, singt doch der Knabe seine beiden Vorgänger (darunter auch den keinesfalls schlechten Mirco Mucha) problemlos an die Wand und löst endlich das Fronterproblem des Haufens. Keine Ahnung, wo die NEONs diesen Typen aufgegabelt haben, aber Tim beherrscht neben den cleanen Passagen und amtlichem Gebrülle auch die vermehrt im Sound der Ruhrpöttler auftauchenden Growls absolut souverän und führt den Hörer gekonnt durch die Fünf Track EP.
Jenige startet mit dem Kracher „No Love Lost“, der sofort alle Markenzeichen der Band auffährt, d.h. man bekommt augenblicklich drückende Riffs (in bester Nevermore Tradition), eine feine Leadgitarre und effektives Drumming um die Ohren gehauen; wie immer unterbrochen durch das eine oder andere verspielte Break. Allerdings stellt man schon nach kurzer Zeit fest, dass die Bochumer insgesamt weniger progressiv und sperrig als früher zu Werke gehen, dafür aber aggressiver wirken und mittlerweile sogar richtig schöne Hooklines auf der Pfanne haben. Der Opener besticht jedenfalls durch nen schönen Refrain und teils mehrstimmige Vocals und bringt durch die vereinzelt eingestreuten Grunzer sogar ne lupenreine Melo Death Metal Kante mit – fein, fein !
„Concept Of Hate“ hält sich dann etwas mehr im Mid Tempo auf, wirkt etwas abgehackt und auch weniger heftig und ist für mich – auch wenn sich der Track gegen Ende deutlich steigert – das „schwächste“ Stück auf „Toxigenesis“.
Entschädigt wird man dann aber sogleich durch „Patchworx“, einem Song, der nach ruhigem Beginn wieder mächtig nach vorne prescht, ziemlich heftig gehalten ist und zudem durch einige gelungen Instrumentalparts zu überzeugen weiß.
Der anschließende Titeltrack ist dann neben „No Love Lost“ wohl das zweite große Highlight der Scheibe und verdient am ehesten noch das Beiwort „progressiv“. Das enthaltene Gefrickel ist gewohnt gutklassig, ein guter Refrain ist ebenfalls am Start und sogar Drummer Mike Bröker hat Gelegenheit, ein paar Kabinettstückchen abzuziehen. Letztlich verdeutlich dieser Songs am ehesten die Fusion aus dem alten Stoff der Band und ihrem neuen, brutaleren Stil und geht damit ebenfalls als absolut gelungen durch.
Mit dem Rausschmeißer „Cold Embrace“ geht’s dann wieder etwas unspektakulärer, aber dafür gradliniger und schneller zur Sache. Der Track setzt zwar keine neuen Akzente mehr, beschließt die Mini CD aber absolut würdig.
Was danach folgt, hätte dagegen nicht sein müssen : nach einigen Minuten Leerlauf gibt’s mal wieder sinnentleertes Gesabbel der beteiligten Musiker zu hören – gähn ! Ich verstehe echt nicht, warum so ein Quatsch immer noch gemacht wird, denn mehr als „dem-Rezensenten-auf-die-Nüsse-gehen“ wird dadurch nicht erreicht. Naja, sei’s drum.
Abschließend sei noch gesagt, dass die Produktion zwar kleine Mängel bei Drums (hier und da etwas „pappig“) und Vocals (manchmal zu leise) aufweist, insgesamt aber dennoch absolut okay geht und es die wirklich absolut professionell aufgemachte Scheibe für fünf Euro (+ P&V) auf der Bandhomepage zu erwerben gibt.
„Toxigenesis“ ist ne absolut runde Sache geworden und löst endgültig die 99er Debüt EP „Burning In The Focus“ als NEON SUNRISE Referenzscheibe ab. Zeit für einen Longplayer, meine Damen und Herren !
Michael Hauptmann Michael Hauptmann [mh]
Experte für T(h)rash, Front-Uschis und Blutgemetzel
veröffentlicht am 23.11.2004 22:19 Uhr 0 Kommentare
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