Communic - Conspiracy In Mind

Communic - Conspiracy In Mind
Power Metal
erschienen in 2005 bei Nuclear Blast
dauert 57:42 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Conspiracy In Mind
2. History Reversed
3. They Feed On Our Fear
4. Communication Sublime
5. The Distance
6. Ocean Bed
7. Silence Surrounds

Die Bloodchamber meint:

Mit „Conspiracy In Mind“ legen die erst seit 2003 aktiven Norweger ihr Debüt vor und können unglaublicherweise stolz darauf sein, uns DAS Power Metal-Album des Jahres 2005 geschenkt zu haben. Auch wenn die letzten Monate wahrlich keine qualitative Rezession zu beklagen hatten und auch die ein oder andere Scheibe an Höchstwertungen kratzen konnte, haben Communic das Unglaubliche fertiggebracht und eine Scheibe ins Regal gestellt, die nur ein Wort benötigt: perfekt!

„Conspiracy In Mind“ setzt genau im Zeitabschnitt an, in dem Sanctuary nach „Into The Mirror Black“ aufgehört haben zu existieren und Nevermore ihren Anfang fanden, und das mit einer Intensität, die immer wieder zum Kniefall vor die Boxen zwingt. Sänger/Gitarrist Oddleif Stensland intoniert die Songs in bester Warrel Dane-Manier (mit gelegentlichen Manilla Road-mäßigen Querverweisen beim titelgebenden Opener) und entlockt dabei seiner Gitarre ein Killerriff nach dem anderen, was wirklich alle 7 Songs zu einem Gänsehaut-Erlebnis werden lässt. Feinster US-Power Metal trifft auf undeathige Into Eternity, alles wird mit einem Schuß doomiger Melancholie unterlegt und fertig sind Songs wie das einfach überirdische, fast schon thrashige „Communication Sublime“, das ruhige Distance, das selbst einen Song wie Nevermore´s „The Heart Collector“ („Dead Heart In A Dead World“) links überholt, das erst einlullende, nach knapp 5 Minuten mit einem Killer-Break in die Realität zurückholende „They Feed On Our Fear“ oder das mit einem Queensryche-Riff aufwartende, mit kurzen Akustik-Intermezzi unterlegte, aber in bester Nevermore-Tradition reinknallende „Ocean Bed“ und und und…hier stimmt wirklich alles! Die vielen Akustik-Parts (gleich 3 Songs warten mit akustischem Anfang auf) werden homogen mit dem druckvollen Distortion-Donner verbunden, kein einziger Part der überlangen Songs (der kürzeste hat eine Spielzeit von knapp 7, der längste von etwa 11 Minuten) wird auf Dauer langweilig, es gibt bei jedem Hören (bei mir mittlerweile über 30 mal) immer wieder neue Details zu entdecken.

Allerdings sollte man nicht den Fehler begehen, „Conspiracy In Mind“ beim ersten Mal zur Hintergrund-Berieselung zu verwenden, da vieles des progressiven Materials nicht das darstellt, was man gemeinhin als „Ear-Candy“ bezeichnet. Die Songs flutschen zwar gut ins Ohr, bleiben aber erst nach mehrmaligem Hören in selbigem haften. Auf der anderen Seite bedeutet hier der Term „Progressiv“ aber auch nicht, dass pro Minute 126 verschiedene Töne das Trommelfell penetrieren und ein verfrickelter Gitarrenpart den nächsten jagt; vielmehr arbeitet die Band mit teils abgefahrenen Takt- und Tempiwechsel. Um also Dream Theater-Verächtern die Angst zu nehmen: hier erwartet euch keine instrumentale Hexerei und auch Soli sind meist recht rar gesäht, so dass auch Freunde der einfachen, aber durchaus anspruchsvollen Kost an einem der absolut besten Debüts aller Zeiten ihre Freude haben dürften.

Ich bin wirklich gespannt, wie der Werdegang dieses nordischen Trios weitergehen wird und ob Album Nr. 2 diesen Killer toppen kann. Falls ja, sollte in nächster Zeit über eine Erweiterung unseres Bewertungssystems nachgedacht werden. Alles andere als die Höchstnote wäre hier Frevel!
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