We Butter The Bread With Butter - Goldkinder

We Butter The Bread With Butter - Goldkinder
Death Metal / Metalcore
erschienen am 09.08.2013 bei BMG
dauert 51:05 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Alles Was Ich Will
2. Meine Brille
3. Pyroman & Astronaut
4. Ohne Herz
5. Super Heiß Ins Trommelfell (S.H.I.T.)
6. Viva Mariposa
7. Fall
8. Mayday Mayday
9. Makellos
10. Das Uhrwerk
11. Krieg Aus Gold
12. Psycho
13. Kind Im Brunnen

Die Bloodchamber meint:

Sie hätten auch generischen Metalcore spielen können, ausreichend Aufmerksamkeit hätten sie alleine mit ihrem bescheuerten Bandnamen auf sich gezogen. WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER aber reichte das nicht, sie wollten auch mit ihrer Musik polarisieren und entschieden sich deshalb, mit ihrem stark elektronisch geschwängerten Deathcore unter anderem volkstümliche Kinderlieder durch den Kakao zu ziehen. Dabei stand natürlich in erster Linie der Spaß im Vordergrund, der gemeine bierernste Metalhead konnte mit dem Schaffen der Berliner wenig anfangen.

Doch selbst eine Band wie WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER reift mit der Zeit, wächst vom Duo zur vollständigen Band, findet Gefallen am Schreiben von „richtigen“ Songs. Zu dieser Erkenntnis dürfte wohl jeder Hörer gelangen, der sich mit der Band und ihrem neuen Album „Goldkinder“ auseinandersetzt. Dieses bietet zwar nach wie vor zum Teil schräge Lyrics, Nachdenkliches findet aber genauso seinen Platz. Auch ist das elektronische Element noch stark vorhanden, allerdings kommt dieses jetzt eher im Groß- denn im 8Bit-Format daher und liefert eine auf Anhieb ins Ohr gehende Melodie nach der anderen. Zu allem Überfluss ist das Deathcore-Korsett endgültig zu eng geworden, statt schwer verständlichem Bree Bree gibt es gut artikuliertes Geschrei und das Quartett macht keinen Hehl aus seiner Liebe zur Neuen Deutschen Härte bzw. sogar der gleichnamigen Welle – selbst Pop ist kein Schimpf- und schon gar kein Fremdwort mehr.

Für viele Fans dürfte das natürlich ein Schlag in die Magengrube sein, von dem sie sich kaum erholen werden, zumal der Pop-Hit „Ohne Herz“ zum alles vernichtenden Schlag auf das Deathcore-Baseballkäppi ausholt. Hitpotential entwickelt aber dank der inflationären Einbindung von Ohrwurm-Melodien ohnehin fast jeder Song, völlig unabhängig davon, ob sie sich jetzt bei SLIPKNOT‘s „Psychosocial“ bedienen („Pyroman & Astronaut“), ein simples, aber effektives RAMMSTEIN-Riff einbauen wie in diversen Songs oder doch endlich mal die Gitarre zum todesmetallischen Hummelflug ansetzt („Das Uhrwerk“). Die Hand zur Versöhnung reichen den alteingesessenen Fans lediglich die tonnenschweren Breakdowns, die nicht mehr so häufig zuschlagen wie in der Vergangenheit, wenn sie es jedoch tun, dann auch mit solcher Macht, dass sie jeden Pit zum Beben bringen werden.

Wie bewertet man nun das Ganze? Fans der Vorgängeralben könnten sich ob der massiven Kurskorrektur der Band von WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER möglicherweise abwenden. Gralshüter des wahren Metals werden nach wie vor die Nase rümpfen, zumal so manche Melodie direkt dem Hit-Radio entsprungen zu sein scheint („Mayday Mayday“). Der bisher Unbeteiligte wird jedoch feststellen, dass sich hinten raus mit dem mit zu schwerer DEICHKIND-Schlagseite versehenen verkappten Titeltrack „Krieg Aus Gold“ sowie dem wohl zu sehr den Geist vergangener Tage beschwören wollenden „Psycho“ zwar zwei schwächere Songs eingeschlichen haben, „Goldkinder“ ansonsten aber ein rundum gelungenes modernes Metal-Album darstellt, dem es nur ein wenig an rhythmischen Wagnissen mangelt.

Es bedarf nicht der besungenen rosaroten Brille, um „Goldkinder“ gut zu finden, seiner möglicherweise vorhandenen Scheuklappen sollte sich gerade der Metaller vor dem Hören des Albums allerdings definitiv entledigen. Wer der Meinung ist, mit einem gelungenen Spagat aus Metal und Pop, Ernst und Spaß etwas anfangen zu können, der sollte das Album auf jeden Fall mal antesten. WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER ist diese Übung nämlich sehr gut gelungen – so gut, dass es in Zukunft noch hoch hinausgehen könnte.
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