Review: Katatonia - Dethroned And Uncrowned

Dethroned And Uncrowned
Katatonia
Katatonia - Dethroned And Uncrowned
Mitte des Jahres setzten einige Anhänger depressiver Rockmusik bereits zum Zwiebelschälen an. Der Grund dafür war offensichtlich, denn mit KATATONIA veröffentlichte die Speerspitze des Genres ein neues Album und drückte damit auf die melancholische Tränendrüse eines jeden, der etwas mit traurigen Klängen anfangen kann. Doch ein ganz so großes Ausrufezeichen war es (scheinbar) doch nicht. „Dethroned & Uncrowned“ ist nämlich kein neues KATATONIA-Album, sondern die Akustik-Version des im letzten Jahr erschienenen „Dead End Kings“.

Ganz neu ist die Idee mit der Akustik-Klimperei wahrlich nicht. Blickt man in das Genre haben u.a. ANATHEMA sowas auch schon versucht. Ehrlicherweise gibt es im Backkatalog der Schweden auch spannendere Alben als „Dead End Kings“, die vielleicht eine andersartige Komposition verdient gehabt hätten. Allerdings sprachen Ort und Zeit wohl eine andere Sprache. Und die Qualität? Lauscht man den auf Renkses Gesang und sanfte Töne reduziertem Material, so wird man schnell positiv überrascht. Der Verzicht auf Schlagzeug und verzerrte Gitarren wirkt überaus geschickt und verleiht vielen Titeln einen neuen Charme, manchen sogar eine Aufwertung! Die zusätzlichen Pianoelemente, eine gewisse Portion produktionstechnischer Hall und das zerbrechliche Akustik-Gitarren-Gezupfe sorgen für reichlich Kaminfeuer- und Gänsehautstimmung. Interessant ist dabei, dass am Gesang gar nicht mal so viel verändert wurde. So kommen vor allem die konfus instrumentalisierten Titel des Originals in ein ganz anderes Licht. „The Parting“ und vor allem „Dead Letters“ sind hier zu nennen. Das ohnehin sehr ruhige „Undo You“ erfährt kaum Veränderungen und damit auch wenig Rettung. Die Songs, die schon im Original eine unfassbar starke Atmosphäre aufbauen konnten, wie „The Racing Heart“ oder „Ambitions“, bleiben schlichtweg gut. Inzwischen hat man sich schon ein wenig an die harten Gitarren gewöhnt und vermisst sie hier und da deswegen.

Insgesamt ist „Dethroned & Uncrowned“ aber ein deutlicheres Ausrufezeichen als zunächst angenommen. Es ist mehr als nur der Versuch etwas anderes zu machen. Die Idee ist nicht nur hochprofessionell und stark umgesetzt, sie funktioniert auch noch hervorragend. Das Album baut eine wunderbare Atmosphäre auf, die für frostige Winterabende geradezu geschaffen ist. Da verwundert es nicht, dass KATATONIA im nächsten Jahr auf „Unplugged & Reworked“ Tour gehen werden, um dort in Kirchengebäuden akustisches Material zu präsentieren. Dabei soll es nicht nur Versionen dieses Albums geben. Die Band schafft es auch nach über zwanzig Jahren noch zu faszinieren. Allein das ist aller Ehren wert. Für Fans der Band und Freunde ruhiger Akustik-Musik ist „Dethroned & Uncrowned“ damit eine absolute Empfehlung.
Bastian Greb Bastian Greb [bg]
Experte für Modernes und alles was sonst nirgendwo reinpasst
veröffentlicht am 29.12.2013 20:41 Uhr 0 Kommentare
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