Ensiferum - Dragonheads (EP)

Ensiferum - Dragonheads (EP)
Folk Metal
erschienen am 31.03.2006 bei Spinefarm Records
dauert 25:59 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Dragonheads
2. Warrior's Quest
3. Kalevala Melody
4. White Storm
5. Into Hiding (Amorphis Cover)
6. Finnish Medley

Die Bloodchamber meint:

Der dichte Nebel hängt in Fetzen über der schneebedeckten Küste. Kräftiger Wind weht von Nordost und reißt in unregelmäßigen Abständen kleine Löcher in die undurchdringliche silbrigweiße Wand. Plötzlich erscheint ein hölzerner Drachenkopf aus dem Nichts, im Schlepptau das dazugehörige Boot samt der dazugehörigen Horde schlechtgelaunter Angreifer. Die Alarmglocke gibt hektische und schrille Töne von sich. Männer greifen zu ihren Waffen, Frauen zu ihren Kindern, aber alle laufen in hektischen Bewegungen quer durch ihr geliebtes Heimatdorf. Dieses gilt es zu beschützen, egal um welchen Preis. Also auf nach vorn, um den ungebetenen Gästen mit ungebrochenem Eifer den deformierten Kopf noch weiter zu deformieren!
Oder vielleicht doch nicht? Während sich die Bewohner des ENSIFERUM-Stammes vor knapp zwei Jahren noch ohne zu zögern ins eiserne Kampfesgetümmel geworfen haben, scheint nun auf dem aktuellen Lebenszeichen „Dragonheads“ ein wenig Kriegsverdrossenheit eingetreten zu sein. Es scheint fast so, als würde anstatt des finnischen Bluteifers eher eine „Oh nö, nicht schon wieder“-Stimmung vorzuherrschen. Denn nur so kann man sich erklären, dass diese MCD unerwartet gemäßigt und ruhig verläuft. Die gewisse Lethargie und Melancholie aufgrund gefallener Kameraden vom Ausklang von „Iron“ ist bei den Songs auf „Dragonheads“ fast durchgängig spürbar. Ein echtes „Wo hab ich gleich noch mal mein Kurzschwert liegengelassen?“-Gefühl bringt lediglich „White Storm“ zustande. Womöglich trauert der Rest der Band immer noch den Kameraden Jari Mäenpää (verließ diese Welt Richtung WINTERSUN) oder Oliver Fokin hinterher. Der Ersatz an Mikro und Gitarre in Form von Petri Lindroos (NORTHER) sowie an den Drums von Janne Parviainen sollte dies durch genügend frische Energie aber eigentlich wieder gut machen.
Nichtsdestotrotz enthält „Dragonheads“ wieder den gewohnten ENSIFERUM-Spirit und die angenehme Melange aus kratzigen und heroischen Vocals, kunterbunten Melodien und schneidenden Gitarrenriffs, nur hätte halt meiner Meinung nach zumindest ein flottes Stück diese Scheiblette noch ein wenig interessanter gestalten können. Aber sei’s drum, wenn die Finnen nun mal lieber in Vergangenem schwelgen möchten, dann sei es ihnen gegönnt. Die Neuauflage von AMORPHIS’ „Into Hiding“ und das finnisch-traditionelle Medley, von dem eingefleischte Finnland-Fans die eine oder andere Melodie wiedererkennen werden, passt sowieso besser zu diesem Material. Stellt sich nur die Frage, inwiefern dies ein Indikator auf kommende Veröffentlichungen sein wird?
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