Heavy New Year 2 - Antyra Philospher Sic(k)reation Vampyre Erotyca

Heavy New Year 2 - Antyra, Philospher, Sic(k)reation, Vampyre Erotyca

AntyraPhilosopherSic(k)reaktionVampyre Erotyca
Leipzig, Villa
09.01.2009
Nummer zwei im Reigen ist das Heavy New Year, das am 9. Januar zum zweiten Mal in den Keller der Villa lockt. Angekündigt haben sich VAMPYRE EROTYCA, SIC(K)REATION, PHILOSOPHER und ANTYRA.

VAMPYRE EROTYCA waren einst an selber Stelle unter dem Namen ADRENALINE zu Gange und hatten im Rückblick sogar ein paar interessante (weil genrefremde) Ansätze - die sie für den aktuellen Gig allerdings zuhause gelassen haben. Offenbar war das Female Fronted-Haifischbecken wohl doch zu verlockend, und so versucht man sich mittlerweile an einer eher klassischen Umsetzung von Heavy Metal mit weiblichem Gesang, die aufgrund verschiedener Faktoren in die Hose geht: Erstens fehlt es den Songs an Richtung, zumal man sich mehrfach unwillkürlich fragt, wie zur Hölle diese Übergänge im Bandgefüge eine Mehrheit bekommen konnten. Über weite Strecken klingt das Material dermaßen konstruiert, dass man nicht einmal mit stumpfen Werkzeugen so etwas wie Fluss oder Dynamik erzwingen könnte.
Zweite Sache ist der Gesang, der einfach viel sicherer kommen muss, um von der per se angenehmen Stimmlage profitieren zu können. Im vorliegenden Stadium klingen VE wie eine Band, die von ihren Kompositionen nicht überzeugt ist und entsprechend zaghaft zu Werke geht - da könnte ein klärendes Gespräch zur künftigen musikalischen Ausrichtung wahre Wunder wirken.

Probleme mit der musikalischen Ausrichtung sind SIC(K)REATION fremd - die nämlich steht so sicher wie das GRAVE-Shirt von Fronter Locke. Seit gefühlten Jahrzehnten ergehen sich die Leipziger in einer stumpfen Hauruck-Mischung aus - Überraschung - GRAVE und SIX FEET UNDER, die man lieben oder hassen kann. So gibt es auch heute reichlich mittelschnelles bis flinkes Gerödel in tieferen Lagen, dazu Grunz und Kreisch vom Wochenmarkt, und fertig ist der Lack.
Das Ganze hat nur einen Schönheitsfehler: In puncto Songwriting und musikalischer Entwicklung hat sich seit einem beliebigen Auftritt vor zwei, drei Jahren - bspw. das Circle Of Armageddon - so viel getan wie bei Bleistiften von Faber Castell - nämlich gar nichts. Natürlich finden sich zwischen den neuen Stücken vereinzelt eingängige Refrains und auch das ein oder andere tragfähige Riff, aber am Gesamteindruck einer stagnierenden Lokalband ändert das leider nur wenig. Was für Bleistifte gut ist, wird bei SIC(K)REATION meines Erachtens langsam zum Problem.

Speziell, wenn gleich im Anschluss die - ebenfalls eher lokal aufgestellten - PHILOSOPHER den Sack aufmachen: Die Chemnitzer bewegen sich trotz ähnlichem Bekanntheitslevel auf einer vollkommen anderen Stufe, was Songwriting und Energieleistung auf der Bühne betrifft. Das liegt zum Teil daran, dass man gleich zwei Fronter im Lineup hat, aber auch musikalisch kocht das tight agierende Todesrudel sein Süppchen ein paar Grad heißer: Die oldschoolig anmutenden Songs sind herrlich direkt, verzücken mit absolut tödlichen Moshparts ebenso wie mit artistischen Riffknoten, und kommunizieren nicht zuletzt aufgrund des lovecraft'schen Hintergrundes eine unheilvolle Aura. Hier wird der schmale Grat zwischen instinktiv erfassbaren Strukturen und langfristig interessanten Details fraglos gemeistert, was auch im Publikum für wachsenden Zuspruch sorgt - definitiv die positive Überraschung des Abends.

Nicht so überraschend dann ANTYRA, über die sich an dieser Stelle ja schon positiv geäußert wurde: Die Neu-Leipziger sind in ihrer Nische zwischen Heavy Metal und etwas Folkmelodik derzeit unangreifbar, was sich im Übrigen nicht auf Mitteldeutschland beschränkt. Auch heute treffen die schnörkellosen und mitunter pathetischen Banger folglich mitten ins Schwarze und halten bei Teilen des Publikums den Schädel am Rollen - selbst das leicht arrogante Verhalten des Fronters fällt vor dem Hintergrund der erneut erstklassigen musikalischen Leistung kaum ins Gewicht. Statt vieler Worte also nur eine einzige Empfehlung: Konzert besuchen! - Und wenn ihr Veranstalter sein solltet, dann ladet die Band doch einfach mal ein...

Subjektiv war der zweite Teil der Villa-Nächte vor Allem aufgrund der Headliner eine Nasenlänge besser, auch wenn das angesichts der immer fairen Preispolitik letztendlich Geschmacksache ist. In diesem Sinne danken wir für die Unterhaltung und sehen uns dann hoffentlich in ein paar Monaten mit frischem Schwung beim nächsten Fatburner-Workout...

Fotos: Danke an den hilfreichen Geist aus dem ANTYRA-Umfeld!

www.antyra.de
www.philosopher-music.de
www.sickreation.de
www.myspace.com/vampyreerotyca

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