Anders als die "normale" Thrashband


Interview mit Evile
Thrash Metal aus Großbritannien - Huddersfield
Mit „Five Serpent’s Teeth“ haben sie einen deutlichen Satz nach vorne gemacht, der sich auch auf der Releasetour zum Album auf dem europäischen Festland auszuzahlen scheint. Zumindest sprechen die Reaktionen der Zuschauer und deren Kaufwilligkeit am Merchstand dafür, dass EVILE sich offenbar auf dem richtigen Weg befinden. Wie es dazu gekommen ist und warum man sich nicht über Lars Ulrich lustig macht, sind nur zwei der Themen im Gespräch mit Drummer Ben Carter und Bassist Joel Graham.

Es ist der letzte Tag der Tour – Wie war’s?

Ben: Fantastisch.
Joel: Wirklich gut! Wir waren an Orten, wo wir noch nie zuvor waren und sind überrascht worden von der Menge von Leuten, die zu den Shows gekommen ist. Und die Orte, an denen wir schon waren, waren auch super. Eine richtig gute Tour.

Die Reaktionen waren also auch enthusiastischer als vorher?

Ben: Ich habe den Eindruck, dass die Leute die neuen Lieder richtig richtig gut aufgenommen haben, das hat der Tour geholfen. Einige sind sicher aus Neugier gekommen, um zu sehen, ob wir die neuen Songs spielen können, denn sie sind etwas komplizierter als alles zuvor. Das hat Leute zu den Shows gelockt.
Joel: Zumindest auf dieser Tour waren auch einige Leute, die nur den neuen Kram kennen. Ihr erster Kontakt mit EVILE war „Five Serpent’s Teeth“. Natürlich sind auch Old School Fans da, aber dass so viele neue Leute gekommen sind, ist richtig gut für die Band.

Verglichen mit eurer Heimat England ist das Publikum aber sicher etwas anders, oder?

Ben: Ich denke ja. In Europa ist die Menge breiter gefächert. Es gibt junge Leute, die gerade ihre erste EVILE CD gekauft haben, und wenn du weiter nach hinten gehst, siehst du einen Haufen ältere Kerle, die an der Bar ihre Biere trinken, SODOM Shirts tragen, schon was vom Leben gesehen haben und eine Menge über Musik wissen. Zu dieser Tour sind auch viel mehr Mädels gekommen, wegen einiger Titel vom neuen Album möchte ich glauben. Das Publikum ist also wesentlich breiter aufgestellt, während man daheim in England meistens die gleichen Gesichter sieht. Bei der einen Show siehst du garantiert diesen Typen und bei der anderen den Typen. Es ist sehr vertraut.

In England ist es also ein bisschen wie Freunde besuchen.

Ben: Ja. In England kann es dir passieren, dass du zu einer Show gehst und garantiert die ganze erste Reihe bei den Vornamen kennst.

Das war die Release Tour zu „Five Serpent’s Teeth“, eurem dritten Album. Gibt es mit drei Alben schon Schwierigkeiten, sich auf eine Setlist festzulegen?

Ben: Auf jeden Fall.
Joel: Zumindest fangen sie an. Als ich vor zwei Jahren zur Band gestoßen bin, war das noch auf der „Infected Nations“ Tour und wir haben viele der neuen und einige Songs von „Enter The Grave“ gespielt. Jetzt gibt es drei Alben und wir sind so stolz auf das neue Album, dass wir möglichst viel davon spielen wollen, gleichzeitig aber einige alte Favoriten beibehalten. Wir lassen uns dabei auch nicht reinreden. Wenn wir neue Sachen spielen wollen, spielen wir neue Sachen. Ich finde, dass es eine mutige Entscheidung war, die sich ausgezahlt hat, speziell da einige Leute einzig aufgrund des neuen Albums zur Tour gekommen sind.

Und die hättet ihr verschrecken können, wenn ihr mehr alte Songs gespielt hättet?

Joel: Ja, aber man kann es nicht jedem Recht machen mit der Setlist.

Mir hat „Plague To End All Plagues“ gefehlt…

Joel: Hehe. Andere haben nach “Man Against Machine” gefragt. Wenn wir nicht alle drei Alben spielen, gibt es keinen Weg jeden zufriedenzustellen.
Ben: Für uns ist es auch wichtig, nicht als Band angesehen zu werden, die sich vor allem auf ihr älteres Material verlässt. Wenn du ein neues Album draußen hast, musst du es pushen, egal ob die Menge es mag oder nicht. Das zu tun sind wir hier. Wir sind so stolz auf das Album und natürlich gibt es Verluste bei der Setlist, du hast „Plague“ genannt, aber wir halten einige Lieder vom neuen Album wie „Cult“ oder „Xaraya“ für stärker. So legen wir die Setlist fest.

Ich kann die Auswahl schon nachvollziehen, auch weil ich den Eindruck habe, die neuen Lieder erzeugen mehr Energie im Publikum.

Ben: Ja, das sehe ich auch so.
Joel: Einige Lieder spielt man für die Kerle in der ersten Reihe, andere für die weiter hinten. Einige Kids wollen einfach durchdrehen und „First Blood“ oder „Thrasher“ hören, aber weiter hinten wollen einige lieber etwas wie „Xaraya“ hören. Dabei stehen sie dann einfach nur da und machen nichts, aber nach dem Konzert kommen sie zu dir und bedanken sich dafür, dass wir ihr Lieblingslied gespielt haben.

Als ich mir die Booklets der drei Alben angesehen habe, ist mir aufgefallen, dass ihr euch öfter bei Leuten bedankt, die „an die Band geglaubt haben“. Was ist der Unterschied zwischen „an eine Band glauben“ und eine Band gut finden oder lieben?

Ben: Ich persönlich würde nicht in dieser Band spielen, wenn ich nicht die Unterstützung meiner Familie hätte. Das steht an erster Stelle. Es ist emotionaler Support, finanzieller Support, … Ich komme aus einer sehr toleranten Familie, die will, dass ich hier bin und das mache. Alle in meiner Familie waren selbst Musiker, in den 60ern und 70ern, und wissen, wie hart dieses Leben ist. Sie freuen sich, dass ich schon mehr gemacht habe als sie jemals. Es kümmert sie nicht, dass ich keinen Vollzeitjob habe und immer knapp bei Kasse bin, weil sie wissen, dass ich andere Leute glücklich mache, wenn ich hier bin. Also unterstützen sie mich.
Wenn es um die Albumcredits geht: Es gibt so viele Leute, die hinter den Kulissen arbeiten, um die Band am Leben zu halten, und die die Fans niemals sehen – natürlich halten auch die Leute, die die Band lieben, zu den Shows kommen und Merch kaufen, die Band am Laufen, aber es gibt eben auch so viele andere Leute, die die Fans nie sehen.

Also ist es ein Tribut an die Leute daheim, Freunde und Familie.

Ben: Genau. Das soll nicht bedeuten, dass wir unsere Fans nicht zu schätzen wissen, weil wir das tun und sonst nicht hier wären, aber manchmal sind diese Widmungen die einzige Möglichkeit, sich bei den Leuten zu bedanken, die hinter den Kulissen wirklich wichtig sind.

Und wenn Bands gedankt wird, sind das im Normalfall Bands mit denen ihr getourt habt? Es ist also immer noch wichtig, sich bei Supportbands für ihr freundliches Verhalten zu bedanken oder bei größeren Bands, die ihr supportet habt und die euch gut behandelt haben. Fällt sowas den anderen Bands auf?

Ben: Es ist auf jeden Fall wichtig. Ich weiß nicht, ob es großartig bemerkt wird, aber es geht um gegenseitigen Respekt. Wenn du der Headliner bist und eine Supportband dabei hast, macht es die ganze Tour wesentlich angenehmer, wenn du mit ihnen gut auskommst. Und genauso ist es, wenn wir eine größere Band supporten.
Joel: Wenn du von einer großen Band gut behandelt wirst, so wie wir es von KREATOR oder OVERKILL wurden, und wir dann selbst einer Headliner Tour durch Europa machen, können wir das den anderen Bands weitergeben, weil wir ja doch alle im gleichen Boot sitzen. Wir sitzen alle im gleichen Boot, ob nun seit zwanzig oder sieben Jahren ist nebensächlich.

Die Szene stärken, in dem man jedermann mit Respekt begegnet und behandelt.

Joel: Ganz genau.
Ben: Das macht das Leben zehnmal einfacher.

Unglücklicherweise ist es nicht mehr so üblich wie es einmal war, andere Leute respektvoll zu behandeln.

Ben: Ich kann nicht verstehen, warum einige ältere, große Bands ihre Vorbands manchmal richtig mies behandeln, weil sie einige Zeit vorher als Vorband selbst schlecht behandelt wurden. Warum hat jemand so eine Mentalität? Wenn jeder jeden und dessen Besitz auf einer Tour respektiert, läuft alles so viel geschmeidiger.
Wir bedanken uns immer bei den anderen Bands. Wir wollen, dass sie wissen, dass wir stolz waren, mit ihnen auf Tour gewesen zu sein, und umgedreht wollen wir den größeren Bands danken, dass sie uns die Chance auf ihrer Tour gegeben haben.

In wenigen Worten würde ich die EVILE Albumgeschichte so beschreiben: „Enter The Grave“ ist voll von jugendlichem Übermut, „Infected Nations“ ist episch, teilweise fast schon zu episch, und „Five Serpent’s Teeth“ ist die Verbindung aus beidem.

Ben: Wunderbar! Das ist das, was wir wollten. Wir wollten, dass „Five Serpent’s Teeth“ eine Kombination der beiden Alben ist, der technischen Aspekte von „Infected Nations“ und der Ausrichtung des ersten Albums, und die Tatsache, dass du das gerade gesagt hast, bedeutet, dass es uns gelungen ist. (beide gleichzeitig und mit einem Lachen:) Job done!
Das erste Album war jugendlich. Wir waren damals alle noch ziemlich jung und naiv im Bezug auf die ganze Musikindustrie. Bei „Infected Nations“ waren wir etwas gewachsen, haben uns mehr Gedanken über das Songwriting gemacht und die Lieder waren ausgeglichener. Ich glaube, es ist ein wenig zu progressiv geworden. Du lernst aus den Fehlern der ersten zwei Alben, damit du weißt, wie du es auf dem dritten richtig machst. Album Vier sollte also ein Kinderspiel werden… (Joel lacht los.)

Das Album, mit dem ich EVILE kennengelernt habe, war „Infected Nations“ und ich war ziemlich überrascht über „Enter The Grave“, als ich es einige Zeit später zum ersten Mal gehört habe.

Ben: Andere Produktion, andere Technik, anderer Musikstil. Zwischen den beiden Alben lag mehr Zeit, als man im ersten Moment sieht, denn auf dem ersten Album war all das Material, dass sich seit der Bandgründung gesammelt hatte, und danach sind wir durch Liveauftritte sehr gewachsen. Vermutlich braucht man das auch.

Ich weiß nicht, ob ihr die richtigen Adressaten für die Frage seid, aber hat Matt seine Stimme so stark trainiert oder liegt es mehr an der Produktion, dass er auf diesem Album wesentlich präsenter ist?

Ben: Matt hat hart an seiner Stimme gearbeitet.
Joel: Matt wollte singen.
Ben: Matt hat deutlich gemacht, dass er ein Sänger sein will, der singt und nicht screamt, shoutet oder sonstiges. Er hat eine Stimme, eine richtig gute, einzigartige Stimme für unsere Musik. Viele andere Bands schießen meiner Meinung nach am Ziel vorbei, was die Frontmänner angeht, weil sie nur shouten und das nach einer Weile langweilig wird. Wenn du eine Stimme dabei hast, die wirklich singen kann, kannst du Melodien benutzen, die besser mit den Gitarrenspuren zusammenarbeiten. Du kannst dir die Melodien merken. Das vereinfacht das Songwriting enorm.

Es sorgt für den Unterschied, indem es Hits oder Ohrwürmer erzeugt.

Ben: Korrekt. Und Matt hat hart gearbeitet, um dahin zu gelangen. Am Ende einer Tour ging es ihm nicht gut, er hatte Probleme mit dem Rachen, dem Atmen, echte Probleme. Damals hat er sich eine Auszeit genommen, sich durch die Probleme gearbeitet, richtiges Atmen gelernt und viel mehr Technik. Jetzt kann er wochenlang weitermachen und hat keine Probleme, es hat sich also ausgezahlt. Er gibt Acht auf seine Stimme.
Joel: Ich persönlich denke, dass Matts Gesang uns durch seine Melodien von anderen Thrashbands absetzt. Es macht uns anders als die „normale“ Thrashband.

Ein anderer großer Unterschied zwischen EVILE und den meisten anderen modernen Thrashbands ist, dass der Sound wesentlich wärmer und wohliger ist, nicht mit dem Kopf durch die Wand.

Ben: Ich glaube, wir haben die besondere Fähigkeit, Midtempo zu spielen und dabei heavy zu bleiben. Langsamere und groovigere Sachen zu spielen und dennoch hart zu bleiben, während andere Thrashbands scheinbar immer mit 100 Sachen spielen wollen. Ich finde es wichtig, die Fähigkeit zum Runterschalten aber auch Hochschalten zu haben. Vielleicht ist es auch einfacher anzuhören.
Joel: Das hängt sicher auch mit den Sachen zusammen, die wir hören. Es geht nicht immer darum, die schnellsten und härtesten zu sein. Bei diesen Gruppen gibt es einfach zu viele, die verdammt gut schnell, technisch und wieauchimmer spielen. Wir sind gerne eine Band, die keine Türen zuschlägt mit dem Argument, dass etwas kein Thrash ist oder wir es nicht einbauen können, weil es kein Metal ist. Wir probieren es aus und es funktioniert.

Zumal die Grenzen von Geschwindigkeit und Härte wahrscheinlich erreicht sind.

Joel: Bei manchen Bands kannst du einfach nicht… Was DEATH 1987 gemacht haben, dieses *Drrrrrrrrr*. Du kannst als Drummer physisch nicht schneller spielen.
Ben: Jepp.

Ich grübele über die Bedeutung einiger Textzeilen, „I will never become machine“ (aus „Origin Of Oblivion“) zum Beispiel. Zwei mögliche Bedeutungen fallen mir ein: Zum einen, dass man emotional beteiligt bleibt und nicht einfach ein funktionierendes Rezept immer wieder aufkocht, und zum anderen dass man etwas schaffen möchte, das bleibt oder überdauert – in eurem Fall zum Beispiel das Ende von EVILE.

Ben: Möglich, aber ganz ehrlich: Ich weiß es nicht.
Joel: Das ist genau die Antwort. Matt will, dass die Texte offen für Interpretationen sind und deshalb will er nie erklären, wovon die Lieder handeln. Ich weiß es bei vielen vom neuen Album, aber die Leute werden es nie erfahren, also ist ihre eigene Interpretation die einzige Antwort.

Also könnt ihr mir auch nicht sagen, wo das Herrschaftsgebiet des „Centurion“ liegt oder ob „Xaraya“ ein erfundenes Wort ist.

Joel: Ich weiß genau, was „Xaraya“ ist, aber ich werde es dir nicht erzählen.

Ich hab das Wort gegoogelt und das einzige, was ich finden konnte, war eine Software.

Joel: Es ist ein Frauenname.
Ben: Matt denkt, dass man über Texte viel zu viel herausfinden kann mit Google oder Wikipedia. In einer Zeit, in der du alles über jeden herausfinden kannst, möchte er die Texte nah bei sich behalten und den Leuten die Arbeit überlassen, sich über ihren Sinn den Kopf zu zerbrechen. Deshalb ist es ziemlich schwierig, Matt Informationen aus der Nase zu ziehen. Manchmal sagt er nicht mal uns, was etwas bedeutet.
Joel: Manchmal wenn Leute zu ihm kommen und sagen, dass diese Zeile aus diesem Lied da und da herstammt, klatscht er auch in die Hände: „Ja, ganz genau das!“ Das liebt er.

Die „Media“ Sektion auf eurer Homepage ist etwas ungewöhnlich, denn dort steht nur eine Mailadresse mit dem Aufruf, Bilder von EVILE Tattoos dorthin zu schicken, und zwei Bilder als Vorlage für EVILE Tätowierungen.

Ben: Wir haben uns nicht großartig was dabei gedacht, als wir das auf der Website geschrieben haben. Als das Album erschien, war die Seite keine abgeschlossene Sache, sie wird immer noch weiterentwickelt, und was da steht, waren bloß Ideen. Wenn du ein EVILE Tattoo hast, schick uns ein Bild davon, wir wollen es sehen und uns darüber lustig machen, wie schlecht es ist.

Wie viele Bilder habt ihr mittlerweile bekommen?

Ben: Ich weiß es gar nicht. Üblicherweise bekommen wir solche Tattoos eher bei Konzerten gezeigt.
Joel: Drei oder vier, glaube ich. Wie bekloppt! (beide lachen.) Nein, es ist cool
Ben: Ich denke nicht, dass ich mir ein EVILE Tattoo stechen lassen würde. Das ist doch etwas zu viel Selbstbeweihräucherung.

Du müsstest ja nicht „Die beste Band der Welt“ daneben schreiben…

Ben: Hehe, nein. Naja, vielleicht lass ich mir irgendwann ein verstecktes machen. Mal schauen.

Kommen wir zu zwei Bands, die euch beeinflusst haben. Die erste ist SEPULTURA, deren alter Covermaler (Michael Whelan) auch das „Infected Nations“ Artwork gestaltet hat. Was denkt ihr, macht es noch Sinn, auf eine Reunion mit Max und Igor zu warten?

Ben: Keine Ahnung, ob das passieren wird. Es gibt so viele Bands, die wieder zusammenkommen, Reunion-Touren machen etc. Es könnte kommen, aber ich weiß es nicht. Und was soll aus SEPULTURA werden, wenn Max, Igor und Andreas sich wieder zusammenraufen? Was wird mit den Jungs passieren, die die Band die ganzen Jahre weitergeführt haben?
Joel: Derrick ist länger bei SEPULTURA als Max es war. Verrückt. Ich glaube, dass jeder diese Reuniongeschichte aus seiner Sicht sieht: Jemand in den Dreißigern will SEPULTURA sehen, wie er sich an sie erinnert aus der Zeit, als er 16 oder 17 war. Und 16- oder 17-jährige wollen ein SEPULTURA sehen, dass sie nie sehen konnten.

Die Älteren wollen sich wieder fühlen wie mit 16 oder 17.

Joel: Bands haben es gemacht und sind gescheitert. Sie haben eine Reunion-Tour mit Belladonna gemacht, dann war er wieder raus, jetzt ist er wieder drin…

ANTHRAX sind aber schon ein spezieller Fall. Fast schon wie GUNS N’ ROSES und selbst die könnten sich reformieren, auch wenn es nur für die Einführung in die Rock’n’Roll Hall of Fame wäre.

Joel: Viele Bands können nicht widerstehen. Aber wenn du dir Axl Rose anguckst, der einwandfrei von seinen Songs leben kann, und auf der anderen Seite Steven Adler, der sich seit 20 Jahren durchbeißen muss. Das ist das Problem. Wenn sie sich alle träfen und beschließen würden, sich um Stevens Probleme zu kümmern, um es zu schaffen… „Denkt dran, was wir gemacht haben und wie wir zusammen kamen“, das wäre bewundernswert und die Fans würden es nie erfahren, sondern denken, dass es ums Abkassieren geht, wo es eigentlich einem Freund Aushelfen wäre. Das wäre ehrenhaft.

Und schließlich muss ich auf METALLICA zu sprechen kommen, denn immer wenn ich gebeten werde, die Atmosphäre von EVILE zu beschreiben, sage ich, dass ihr wie modernisierte 80er METALLICA Instrumentals klingt, mit Gesang. (Beide quittieren das mit einem Lachen.) Die drei besten METALLICA Alben sind:

Joel: „And Justice For All“, „Load“ und „Master Of Puppets“
Ben: Definitiv “And Justice For All”, vielleicht “S&M” mit dem Orchester, weil es etwas anderes war, und dann irgendwas von den „Live Shit“ Videos oder CDs – die sind sooo gut! Das ist für mich METALLICA in Bestform, live.

Dass ihr beide „And Justice For All“ nennt, hätte ich kommen sehen sollen.

Ben: Definitiv. Für mich als Drummer ist das Album die Drummerbibel.

Also keine Scherze über Lars?

Ben: Bei dem Album auf keinen Fall. Auf dem Album ist Lars Gott! Ich verstehe eh nicht, wie die Leute sich über ihn lustig machen können, denn er ist immer noch der Typ, der das ganze Zeug damals gespielt hat. Jeder wird älter und vielleicht ein wenig ungenauer. Für mich ist er immer noch ein großartiger Drummer, er ist METALLICA.

Und bei METALLICA geht es nicht um besonders exaktes Schlagzeugspiel, sondern um die genauen Gitarren und das Gefühl des Schlagzeugs.

Ben: Jeder hat gute und schlechte Tage, mehr ist es nicht.
Joel: METALLICA sind eine Instanz. Du kannst nicht an ihnen zweifeln, weil du ein rumpeliges Livevideo auf YouTube siehst und Fehler erkennst. Wenn du da bist, im Publikum, sind sie unglaublich.
Ben: Dem kannst du nicht widerstehen.

Und 50.000 Leute singen mit.

Joel: So ist der Heavy Metal geboren worden, dieser Sound, live. Du bist zu einem Konzert gegangen und was du davon mitgenommen hast, war das, woran du dich erinnertest. Du konntest nicht ins Netz gehen, es bei YouTube gucken und alles genau unter die Lupe nehmen. Wenn es ihnen gefallen hat, war das alles, was die Leute wollten. Darum geht es bei Livemusik, um die Erfahrung. Es geht nicht darum, jedes Fitzelchen zu analysieren.

Und eine Instanz wird auch „Lulu“ überleben.

Joel: Wir werden sehen, hehe.
Ben: Ja, wir werden sehen.

Abschließende Frage: Wenn ihr einen Wunsch frei hättet für EVILE, welcher wäre das?

Ben: Relevant zu bleiben und das weitermachen, was wir machen. Alles was wir wollen, ist so lange wie möglich Musik zu machen und dass den Leuten unsere Musik gefällt. Wir wollen weder Millionäre sein noch pleitegehen. Wir wollen genau das hier so lange wie möglich machen, weil es verdammt großartig ist.
Joel: Sehe ich auch so. Bands, die Tiefen und Höhen überstehen und dennoch weiter machen, werden respektiert. Wie könnte man eine Band, die das macht, nicht respektieren?

Das klingt gut. Die letzten Worte gehören euch:

Ben: Unterstützt Metal, unterstützt Musik, unterstützt Bands, denn Bands rackern sich ab. Ohne Leute, die zu Shows kommen und Bands unterstützen, kann keine Band touren. Wenn ihr also eine Band gut findet, kauft ein Shirt, kauft eine CD, erzählt euren Freunden und sonst jedem von ihr, weil es das ist, was Bands am Leben hält. So einfach ist das.
Joel: Wenn du Metal magst und Musik unterstützen willst, mach den Mund auf und erzähl jedem davon. Wenn du das nicht magst, halt die Klappe, weil das niemanden interessiert. Das Internet ist voller Leute, die nur über Bands lästern und sie mit Dreck bewerfen wollen. Du hilft niemandem, wenn du negativ bist, also sprich nur darüber, was du magst und genieß es.
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