Forca Macabra Kuolema Vladimir Harkonnen & Profit And Murder

Forca Macabra, Kuolema, Vladimir Harkonnen & Profit And Murder

Forca MacabraKuolemaProfit And MurderVladimir Harkonnen
Verden, JUZ
18.04.2009
Die Reiterstadt Verden / Aller ist fast genauso unwichtig wie mein Heimatlandkreis Nienburg / Weser, in Nienburg wird Spargel angebaut und in Verden werden Pferde gezüchtet. Richtig spannend hier, denn auch Konzerte muss man mit der Lupe suchen, und so ergibt es sich dann doch zufällig, dass mal in Verden etwas los ist, wenn ich auch in der Gegend bin.

Das JUZ „Dampfmühle“ Verden entpuppt sich als kleine Location, in der schon Größen wie MADBALL und LOIKAEMIE gespielt haben und TANKARD und NAPALM DEATH spielen werden. Es muss zwar irgendwie Geld reinkommen, aber die Bierpreise waren dann doch eher auf Disconiveau als auf dem eines Punkerschuppens. Egal, die heutige Jugend hat nicht nur Zeit sondern auch Geld, denn Bierleichen gab es trotzdem am Ende der Veranstaltung.

Mit PROFIT AND MURDER entert dann um kurz vor 22 Uhr die erste Band vor vielleicht 50 zahlenden Fans die Bühne, um der Meute eine Portion D-Beat auf die Ohren zu geben. Mit zwei Gitarren ausgestattet driften sie zwischendurch immer wieder in Grind- und Hardcore Gefilde ab. Nur leider bewegt sich außer dem Sänger niemand auf der Bühne, und auch die Musik ist doch reichlich mittelmäßig.

VLADIMIR HARKONNEN entpuppen sich dann als Gewinner des Abends, eine einzigartige Musikmischung aus Hardcore, Thrash Metal, Punk und Rock ‚n’ Roll lässt aufhorchen. Ein Sänger, der sich mehr vor der Bühne als auf dieser befindet und sein Gesicht verformt als wäre es aus Knetgummi, lässt hingucken. Mit einem Schuss MOTÖRHEAD in der Musik und den flotten, mit Inhalt versehenen Ansagen werden VLADIMIR HARKONNEN zu keinem Zeitpunkt langweilig. Manche Textstellen laden zum sofortigem Mitgrölen ein, und als sich Sänger Philipp dann auch noch während eines Songs auf dem Boden zwischen dem Publikum wälzt, haben die Kieler endgültig gewonnen. Klasse Gig.

Dann ist es an der Zeit für die Finnen, die angekündigten FORCA MACABRA hatten noch überraschend KUOLEMA mitgebracht. 1981 gegründet, 1985 aufgelöst, Reunion 2001 und wenn man sich die Musiker so ansieht, scheint nur noch der Sänger von der ersten Besatzung übrig geblieben zu sein. Er erfüllt jedenfalls als einziger das Kriterium, damals alt genug gewesen zu sein. Es kann aber auch sein, dass er einfach nur verlebt aussieht, denn nüchtern ist definitiv anders. Er ist sogar so betrunken, dass er bei den ersten Liedern nur noch torkelt und auch irgendwie nicht mit den anderen Musikern mithalten kann. Egal, merkt beim Grindcore oder schnellem Hardcore, wie sie es nennen, eh keine Sau. Doch als dann der Sänger nicht mal mehr stehen kann, verlassen die übrigen Musiker nach dem dritten Song unter Blitzlichtgewitter von drei brasilianischen Austauschstudentinnen die Bühne. Aber was ein guter Frontmann ist, der nutzt die Spielzeit zu 100% aus und wälzt sich am Boden rum und erzählt finnische Märchen. Englische Brocken gibt es in Form von „This is a punk rock life“ und „I need cigarettes and alocohol“ immer mal wieder eingestreut. Nachdem dann aber auch das von einem Fan nachgereichte Bier alle ist, trottet sich KUOLEMAs Frontmann wieder zurück in den Backstage. Realsatire pur und alle Vorurteile über finnische Musiker wurden wieder mal bestätigt.

Bassist und Gitarrist von KUOLEMA klettern dann wieder auf die Bühne um in ihrer Hauptband FORCA MACABRA zu spielen. Diese gibt es auch schon seit 1991 und sie können bereits drei Alben und ungezählte Splits und EPs vorweisen, doch um diese späte Uhrzeit haut mich das nicht mehr um, eine Crust Band mit wenig Druck zu sehen, die auch noch über einen schlechten Sänger verfügt. Und so bleibt in Erinnerung, mal das JUZ Verden kennengelernt und eine gute Band entdeckt zu haben.
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