Arch/Matheos - Sympathetic Resonance

Arch/Matheos - Sympathetic Resonance
Progressive Metal
erschienen am 09.09.2011 bei Metal Blade Records
dauert 54:35 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Neurotically Wired
2. Midnight Serenade
3. Stained Glass Sky
4. On The Fence
5. Any Given Day (Strangers Like Me)
6. Incense And Myrrh

Die Bloodchamber meint:

Ein wenig dem Zufall entsprungen ist die erneute Zusammenarbeit von John Arch und Jim Matheos, deren letztes gemeinsames Werk die „A Twist Of Fate“ EP aus dem Jahr 2003 war. Bekannter, und wohl auch den Heißhunger vieler Progfreunde auf ARCH/MATHEOS anheizender, ist aber das Vermächtnis der ersten drei Platten von FATES WARNING („Night On Bröcken“, „The Spectre Within“ und „Awaken The Guardian“), und hier kommt der Zufall ins Spiel. Denn vieles auf „Sympathetic Resonance“ ist laut Matheos ursprünglich für ein neues FATES WARNING Album geschrieben worden, doch der aktuelle Sänger Ray Alder hatte keine Zeit für die Aufnahmen. Und so kommt bei ARCH/MATHEOS die komplette aktuelle Besetzung der Instrumente von FATES WARNING mit dem Ursänger zusammen. Wem wird denn da die Suppe aus dem Mund laufen…

Natürlich darf man von fünf sehr fähigen Prog-Profis einiges erwarten – und das wird auch eingelöst, aber auf andere Art und Weise spektakulär, als zumindest ich als nicht gerade größter Progfan, der da kreucht und fleucht, es im Vorfeld erwartet hätte. Die meisten kennen wohl das Gefühl, wenn der ob der angewandten Fertigkeiten und des komplexen Musikverständnisses der federführenden Akteure geöffnete Hörermund beizeiten nur noch wegen fortgesetztem Gähnen offen bleibt, weil die Hürden für einen emotionalen Zugang zu hoch gebaut wurden. Genau das geschieht bei ARCH/MATHEOS nicht, weil „Sympathetic Resonance“ jederzeit packt und fesselt.
Großartig, wie ein dreiminütiges Liedintro unterhalten und Spannung aufbauen kann, danach die so erzeugte Erwartungshaltung mit vergleichsweise rauem Einstieg erfüllt und das Mitfiebern sogar noch eine Spur steigert, um es in den letzten beiden Liedteilen, scheinbar mit der Unbeschwertheit eines Handstreichs, positiv aufzulösen („Stained Glass Sky“). Das ist zwar nur ein Beispiel, aber es macht mit knapp 14 der insgesamt gut 54 Minuten auch mehr als ein Viertel des Albums aus.

Die etwas druckvolleren Titel, „Any Given Day (Strangers Like Me)“ ist ein weiteres hervorragendes Exemplar, liegen mir persönlich etwas näher, beeindruckend ist aber bei jedem Lied das spieltechnische und gleichzeitig spielerisch anmutende Verständnis zwischen allen beteiligten Musikern. Das liegt nicht zuletzt an der herausragenden Vorstellung von John Arch, der immer Herr des Geschehens ist und durch seinen von gängigen Schemata abweichenden Gesangsstil vorführt, was möglich ist. Abgesehen von einigen Passagen in der abschließenden Ballade „Incense And Myrrh“ nutzt er seine Stimme wie ein Instrument, indem er (in eigenen Rhythmen) quasi Anschläge singt, dabei aber nicht Töne zieht und die Übergänge verwischt, sondern immer wieder springt und sehr eigene Melodien kreiert. Das muss nicht jedermanns Sache sein, erweitert jedoch die emotionale Tiefe und das gesamte Spannungsfeld von ARCH/MATHEOS enorm.

Ein forderndes Album, das dem Hörer das Überwinden der aufgestellten Hürden ermöglicht und ihn dafür reichhaltig belohnt – genau so stelle ich mir ein großartiges Prog Metal Album vor und genau so ist „Sympathetic Resonance“.
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