Relinquished - Onward Anguishes

Relinquished - Onward Anguishes
Melodic Progressive Death Metal
erschienen am 16.03.2012 bei Noisehead Records
dauert 50:42 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Authority
2. Loss Delusion
3. To Whom I Could Relate
4. Logical Step
5. Surrender And Distance
6. No Virtue Unatoned
7. A World Of Constant Suffer
8. Another Lightsource Going Out
9. Beyond Anguishes

Die Bloodchamber meint:

Dark Melodic Djent. Eigenen Angaben zufolge lässt sich die Musik des österreichischen Quintetts RELINQUISHED als Dark Melodic Djent kategorisieren. Interessant klingt das allemal, allerdings würde ich dieser Verortung des Bandsounds nach eingehendem Studium von „Onward Anguishes“ nur zu zwei Dritteln so richtig zustimmen. Düster ist das Material auf jeden Fall, definitiv auch hochmelodisch. Doch auch wenn sich die Bandmitglieder auf MESHUGGAH als eine ihrer Lieblingsbands einigen können und man diesen Einfluss ab und an heraushören kann, fährt man doch eine etwas andere musikalische Schiene als PERIPHERY, TESSERACT und Co.

Ebenfalls angetan haben es den fünf jungen Musikern nach eigenem Bekunden unter anderem OPETH und KATATONIA. Lässt man den Retro-Trip ersterer außen vor und denkt an die doomigeren Zeiten der Ganzkörperverkrampften, so hat man immerhin schon zwei von vielen Einflüssen vor Augen. Doch der facettenreiche Sound RELINQUISHEDs lässt sich mit bloßem Namedropping kaum beschreiben, dafür gibt es auf „Onward Anguishes“ einfach zu viel zu entdecken. Zwischen Fauchen, Growls, Flüster- und teilweise leicht verzerrten Klargesang mischt sich mitunter sogar eine weibliche Stimme – zwar sind die Clean Vocals leicht gewöhnungsbedürftig, doch die ansonsten tolle Gesangsmischung kann sich hören lassen.
Das Tempo ist eher getragen, doch bereits der mit tollem Refrain versehene Opener „Authority“ wartet gleich zu Beginn mit höherer Geschwindigkeit auf und unterstreicht, dass dies lediglich eine Tendenz ist. Auch in der Folge wird immer mal wieder eine schnellere Passage eingestreut, sphärische Gitarrensounds wie zum Beispiel in „Surrender And Distance“ erinnern an OPETH, doch bevor es zu ruhig werden könnte, wird das Tempo mit „No Virtue Unatoned“ wieder angezogen. Im folgenden „A World Of Constant Suffer“ weben die Ösis gekonnt jazzig-verspielte Soli zwischen MeloDeath-Attacken, das loungige Instrumental “Another Lightsource Going Out” bindet auf sehr gelungene Weise eine Klarinette (!) in den Bandsound ein. Der das Album abschließende Titeltrack wartet dann noch mit einer vollen Doom-Breitseite auf und mündet in einem hochatmosphärischen Finale, bevor der Hörer sich das Album ein weiteres Mal gönnt. Trotz diverser einprägsamer Passagen ist mehrmaliges Hören nämlich von Nöten, denn auch wenn RELINQUISHED nicht übermäßig technisch zur Sache gehen, ist das Songmaterial dank diverser Breaks durchaus eine vertrackte Angelegenheit.

Nimmt sich der Hörer jedoch die nötige Zeit, wird er mit einem durch und durch stimmigen Album belohnt, von dessen Abwechslungsreichtum viele andere Bands sich eine ordentliche Scheibe abschneiden können. Auf Grund der vielfältigen Einflüsse darf man seinen schwer zu beschreibenden Sound dann meinetwegen gerne als Dark Melodic Djent bezeichnen – Fakt ist jedenfalls, dass Hörer, die auf atmosphärischen Melodic Death Metal mit Hang zur Experimentierfreude stehen und sich nicht von dem einen oder anderen Break verschrecken lassen, sich „Beyond Anguishes“ mal reinziehen sollten. Und zwar am Stück, denn jeder Song ist toll und entfaltet nach und nach seine Wirkung. In Zeiten, in denen OPETH ihren Progressive Death Metal-Thron freiwillig räumen, sollte man RELINQUISHED erst recht auf dem (Einkaufs-)Zettel haben.
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