Ill Niňo God Forbid & Exilia

Ill Niňo, God Forbid & Exilia

ExiliaGod ForbidIll Niño
Köln, Essigfabrik
26.02.2009
Aufgrund des Interviews mit Dallas Coyle von GOD FORBID bin ich schon zwei Stunden vor Öffnung der Pforten an der Essigfabrik, doch der erste bin ich nicht, denn ein tapferer ILL NIŇO Fan sitzt bereits mit Bandana um den Kopf, aber ohne vernünftige Kleidung gegen die Kälte, vor seinem Auto auf dem Asphalt im eisigen Köln und stimmt sich mit der laut aus seinem Auto dröhnenden Musik ein. Noch absurder wird die Szenerie als ich um 18 Uhr, immer noch eine satte Stunde vor Einlassbeginn, die Essigfabrik kurz verlasse um mir etwas zu Essen zu besorgen und erstaunt die mehr als 30 Menschen sehe, die sich vor dem Tor die Beine in den Bauch stehen. Die lange Schlange, die sich bei meiner Rückkehr vor dem mittlerweile geöffneten Tor gebildet hat, bewegt sich zum Glück zügig gen Eingang und so kann die verbleibende Zeit bis zum Konzertbeginn schön mit einem Bier im Warmen überbrückt werden, auch wenn die sanfte Musik von der Konserve die Stimmung nicht gerade anheizt. Immerhin kann ich noch rechtzeitig einen vom Ticketaufdruck fehlgeleiteten SAXON Fan samt Begleitung zum richtigen Veranstaltungsort schicken.

Nach meiner guten Tat für diesen Tag wird es dann aber endlich Zeit für ein bisschen Bühnenaction und wie nach Plan vorgesehen springen um 19:55 EXILIA aus der Kiste. Besonders Frontfrau Masha ist mit ihrer Max Cavalera Gedächtnisfrisur und dem extravaganten Mikroständer ein Blickfang, auch wenn der Rest der Band wohl mehr Zeit vor dem Spiegel verbracht hat. Nachdem die Gitarre ab dem zweiten Lied auch wahrnehmbar ist, entwickelt sich langsam aber sicher ein wenig mehr Bewegung im fröhlich auf Hüpfmusik eingestellten Publikum, was die Band noch eine Spur mehr aufdrehen lässt als der viele Applaus, der nach jedem Lied gezollt wird. Mich überzeugt vor allem „The Hunter“, weil es etwas heftiger zur Sache geht und Masha zeigt, dass sie auch deutlich aggressiver auf der Bühne wüten kann und beim Singen nicht allein auf eine italienische Ausgabe von Sandra Nasic (Ex-GUANO APES) beschränkt ist.

Eine knappe halbe Stunde später ist planmäßig Schluss und es beginnt eine etwas kuriose Umbaupause, die sich in die Länge zieht, während auf der Bühne ein ganzes Rudel Leute irritiert schaut und in Anleitungen liest, weil die Mikrofone und das Schlagzeug nicht so wollen, wie sie sollen. Begleitet von MACHINE HEAD aus der Konserve lässt sich das bunte Treiben aber gelassen beobachten.

Um kurz vor 21 Uhr ist es dann endlich soweit und GOD FORBID stürmen nach dem Intro des aktuellen Albums „Earthsblood“ unter recht verhaltenem Jubel auf die Bretter. Beim Opener „Better Days“ wird noch einiges vom Sound verschluckt, doch als alle Regler richtig eingestellt sind, steht der Feier nichts mehr im Weg. Anders als bei EXILIA fällt der Applaus zwischen den Liedern aber eher mäßig aus, während bei den Liedern zumindest vor der Bühne mehr Bewegung herrscht. An der Band kann es nicht liegen, denn vor allem Sänger Byron Davis, der das Publikum mit wechselndem Erfolg immer wieder zu animieren versucht, und die Coyle Brüder an den Gitarren geben richtig Gas auf der Bühne, wechseln ständig die Positionen und stehen kaum eine Sekunde still. Nur Schlagwerker Corey spielt wie in Trance und scheint während dem Spielen fast durchgehend die Augen geschlossen zu haben.
Erfreulicherweise fügen sich die komplexeren Lieder vom neuen Album „Earthsblood“ nahtlos zwischen die breaklastigeren, älteren Lieder ein, von denen besonders das sonst oft vermisste „Judge The Blood“ mir ein breites Grinsen auf das Gesicht zaubert. Nur „Bat The Angels“ wirkt mit seinen langen, ruhigen Passagen fast schon zu besinnlich und beschwörend. Neben der guten Setlist muss man auf jeden Fall die deutlich hörbare Verbesserung des melodischen Backgroundgesangs von Dallas Coyle loben, der jetzt kraftvoller und nicht mehr so schräg wie oft in der Vergangenheit klingt. Eine dementsprechende Bemerkung von mir später an der Theke nimmt er wohlwollend zur Kenntnis, nur die Frage nach dem Verzicht auf die sonst übliche Ansage vor „To The Fallen Hero“ kann nicht abschließend geklärt werden. Vermutlich hätten aber in dem zum Teil sehr jungen Publikum auch einige mit großen Fragezeichen im Gesicht auf den Namen Dimebag Darrell reagiert…

Setlist GOD FORBID:
The Discovery
Better Days
Under This Flag
Travel This World
Empire Of The Gun
Antihero
War Of Attrition
Judge The Blood
To The Fallen Hero
Bat The Angels
End Of This World

Die Einstimmung auf ILL NIŇO mit rumpeliger Hüpfmusik passt besser als das Outfit von Sänger Cristian, der sich mit Jackett als die Tribalantwort auf IN FLAMES Frontmann Anders Friden präsentiert. Das ist dem übrigen Publikum aber zu Recht völlig egal und so brechen schnell alle Dämme in der Essigfabrik und es wird getobt und gehüpft als gäbe es kein Morgen mehr. Nachdem beide Vorbands anfangs mit Soundproblemen zu kämpfen hatten, ist es bei ILL NIŇO vor allem eins: LAUT! Sicher spielt das auch eine Rolle dabei, dass die Musik live eine ganze Ecke härter und dynamischer wirkt als auf den Alben. Spätestens beim vierten Lied „This Is War“ ist die ganze Halle kurz vor dem kollektiven Ausrasten, allerdings ohne dass es in harte Moshpits ausartet. Die Band freut sich sichtlich über den Zuspruch der Massen, nimmt sich mitten im Set aber auch eine große Pause, in der Schlagzeuger Dave und Percussionist Daniel minutenlang auf allem rumtrommeln, was bei drei nicht von der Bühne ist. Der SOULFLY- und auch der Unterhaltungsfaktor sind anfangs nicht so gering, aber irgendwann bin ich doch froh, als endlich wieder normale Lieder gespielt werden. Leider kann ich mir den Spaß wegen dem Zugfahrplan nicht bis zum Ende geben, aber selbst 45 gesehene Liveminuten von ILL NIŇO beweisen, dass die Band immer noch brennt und den Funken problemlos auf ein williges Publikum überspringen lassen kann.

Ein unterhaltsamer Konzertabend ist zu Ende, an dem für mich GOD FORBID als Sieger vom Platz gehen, weil ILL NIŇO zwar energiegeladen waren, aber durch die 90er Hüpfmusik Schlagseite im Vergleich zu zum Beispiel SOULFLY den letzten Punch vermissen lassen, und EXILIA fast schon als Retrokapelle aus meiner Jugend durchgehen könnten.
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