Wretched - Beyond The Gate

Wretched - Beyond The Gate
Death Thrash Metal
erschienen am 06.08.2010 bei Victory Records
dauert 40:40 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Birthing Sloth
2. The Deed Of Elturiel
3. In The Marrow
4. A Still Mantra
5. Cimmerian Shamballa
6. On The Horizon
7. Part I - Aberration
8. Part II - Beyond The Gate
9. My Carrion
10. The Guardians Of Uraitahn
11. The Talisman
12. Eternal Translucence

Die Bloodchamber meint:

Das Symbol eines großen Tores beziehungsweise einer Pforte wird in jeglichen kulturellen Auswürfen gerne benutzt. Steht es doch für den Eintritt in eine neue Welt, ein großes Hindernis oder Abenteuer. WRETCHED aus den USA wollen uns mit ihrem zweiten Album "Beyond The Gate" hinter eben diese führen, geben auf den ersten Blick jedoch noch keinen Ausblick darauf, was uns dahinter erwarten wird. Wenn man jedoch dem Cover von Dan Seagrave glaubt, ein saftig grünes Paradies brauchen wir uns nicht erträumen...

Wer das Debüt der Jungs, "The Exodus Of Anatomy" aus dem Jahre 2009, kennt, für den sind die kommenden 40 Minuten thematisch schon relativ klar umrissen. Den bisher Unwissenden sei erklärt, das WRETCHED sich im Fahrwasser der vor Jahren von THE BLACK DAHLIA MURDER quasi eröffneten modernen Death-Metal-Welle befinden, die sich zu gleichen Teilen im Metier des Core oder des Black Metal bedient. Grundlegend neues ist also auch hier nicht zu erwarten. Warum sollte man als WRETCHED dem offensichtlichen Weg in die Unterwelt folgen, in dem technisch versierte Prügelei und rasende Aggression vorherrscht?

Da wäre zum einem die charmante und spielfreudige Aufbereitung bereits bewährter Genre-Standards. Man reduziert sich selbst nicht bloß auf technische Höllenritte, sondern ist sich nicht zu schade, kleine musikalische Experimente einzubauen. Die reichen vom spanisch anmutenden Ausklang des Openers "Birthing Slot" über die gebremste Dampfwalze in "In The Marrow" bis zum ungewöhnlich-interessantem Album-Outro "Eternal Translucence". Erwähnenswert sind auch die beiden Gitarristen, für mich die Eckpunkte im Schaffen von WRETCHED. Werden die Riffs noch relativ solide in den Pit geschossen, so offenbart sich in den dezent eingestreuten, an den melodischen Elchtod angelehnten Gitarrenläufen und -harmonien ihre wahre Güte. Nach dem man sich so durch die ersten 5 Songs geprügelt hat, gelangt man bei dem musikalischen Highlight auf "Beyond The Gate" an: das rein instrumental gehaltene Trio "On The Horizon", "Part I – Aberration" und "Part II – Beyond The Gate". Hier erhält man Einblick in das wahre Können der jungen Musiker, von orchestralen Parts geht es über kleine Ethno-Einschübe hin zu derben Death Metal-Parts. Live werden diese Nummern wohl kaum funktionieren, auch auf Konserve benötigt man einiges an Mut, um seinen Fans etwas derart Unbekanntes vorzuwerfen. Nach dieser 12-minütigen Expedition ins Ungewisse gehen WRETCHED auf den ursprünglichen Pfad zurück, bis sie das Album mit dem bereits oben erwähntem "Eternal Translucence" ausklingen lassen.

Auf den ersten Blick mag "Beyond The Gate" von WRETCHED nur ein Album unter vielen sein. Wer sich jedoch die Zeit nimmt und etwas genauer hinhört, der kommt nicht umhin, der Veröffentlichung eine gewisse Eigenständigkeit und den Willen zur Veränderung zuzusprechen. Ob mich WRETCHED in ferner Zeit damit immer noch fesseln, bleibt abzuwarten. Fest steht allerdings, das sie in einigen Momenten erfrischend anders klingen und damit über das gewisse Etwas verfügen, um aus der breiten Masse hervorzustechen.
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