Various Artists - Whom The Moon A Nightsong Sings

Various Artists - Whom The Moon A Nightsong Sings
erschienen am 29.10.2010 bei Prophecy Productions
dauert 104:23 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Vàli - Hoestmelankoli
2. Empyrium - The Days Before the Fall
3. Nest - Summer Storm (Acoustic)
4. Nebelung - Ich Würd Es Hören
5. October Falls - Viima
6. Ainulindalë - A Year of Silence
7. Les Discrets - 5, Montée des Épies
8. Les Discrets - Après l'Ombre
9. Musk Ox - Solstice
10. Havnatt - Dagen og Natta
11. Dornenreich - Dem Wind Geboren
12. Vàli - Haredans I Fjellheimen
13. Nhor - Upon the Wind
14. Ulver - Synen
15. Neun Welten - Pan
16. Tenhi - Kausienranta
17. Bauda - Ocasa (Acoustic)
18. Orplid - Stille
19. Nucleus Torn - Krähenkönigin III
20. Lönndom - Språnget ur Ursprunget
21. Syven - How Fare the Gods?

Die Bloodchamber meint:

Wenige andere Motive sind so häufig in der Kunst aufgetaucht wie der Mond, als Sehnsuchtsbild, als romantische Chiffre, als Klischee. Sei es der Mond als nächtlich-göttliche Gegenmacht zur Sonne, als magnetischer Pol der Träumenden und Schlafwandler oder als Inbegriff des Nichterreichbaren, des Fernen und stets Ersehnten, das Motiv des Mondes rührt tief an unser Innerstes und fasziniert seit Menschengedenken. Auch in der Musik wurde das Motiv des Mondes unzählige Male aufgegriffen und variiert, angefangen bei Beethovens berühmter „Mondscheinsonate‟ hin zu Alben wie PINK FLOYDs „Dark Side of the Moon‟, DARKTHRONEs „Under a Funeral Moon‟ oder gar in Bandnamen wie bei MOONSORROW oder SECRETS OF THE MOON.

So altbekannt das Thema ist, haben sich die Damen und Herren bei Prophecy Productions seiner angenommen und uns rechtzeitig zur dunklen Jahreszeit ein dickes Paket voller Mondlieder geschnürt, um in den langen Nächten der Himmelscheibe entgegenzuträumen oder vielleicht auch ein wenig mit den Wölfen zu heulen. Wir haben es in diesem Fall allerdings nicht mit Metal zu tun, auch wenn wir auf den ein oder anderen Namen treffen, der durchaus diesem Bereich enstpringt.

Die Compilation, die als wunderschön aufgemachtes Digi-Book erscheint, umfasst zwei CDs voller folkloristischer Klänge, die musikalisch fast alle denselben Bezugspunkt aufweisen: ULVERs zweites Album, das inzwischen Pate für so vieles im Neofolk stehen durfte / musste. Und eben jene Heroen sind auch mit einer Nummer vertreten, die noch an diese vergangenen Tage erinnert und die erstmals und bislang ausschließlich im Jahre 1996 auf einer anderen Compilation erschien. Doch neben ihnen finden sich eine ganze Reihe anderer großer Namen wie TENHI, DORNENREICH, OCTOBER FALLS, NEUN WELTEN oder ORPLID. Worauf aber wahrscheinlich die meisten zuerst schielen werden, ist das Stück, dem wohl die meisten Erwartungen entgegengebracht werden, dem Comeback von EMPYRIUM.

Nachdem die Jungs sich im Anschluss an ihr Album „Weiland‟ auf andere Projekte konzentrierten und EMPYRIUM auf Eis legten, sind sie hier mit einem neuen Stück vertreten und es ist offensichtlich, dass eine Menge Zeit ins Land gegangen ist. Zwar finden sich Kennzeichen wie der markante zweistimmige Gesang wieder, doch erinnert das Stück schon fast eher an DEAD CAN DANCE als an die ULVER-Reminiszenzen von „Where at Night the Wood Grouse Plays‟. EMPYRIUM sind gereift und wenn sie so stark weitermachen, wie sie nach acht Jahren Pause auftreten, stehen uns nur gute Dinge ins Haus.

Die meisten Stücke sind exklusiv für diese Compilation produziert worden, so ist es schon fast ein wenig schade, dass DORNENREICH nur „Dem Wind geboren‟ vom letzten Album hinzusteuern, so toll diese Nummer auch sein mag. Insgesamt finden wir eine ausgewogene Mischung von rein instrumentalen Stücken und Liedern mit Gesang, rein gitarrenbasierten Nummern und solchen, bei denen viele Streicher oder auch ein wenig elektronische Elemente zum Einsatz kommen. Besonders bemerkenswert ist allerdings, dass von den insgesamt 21 Stücken eine Menge von weitaus weniger bekannten Bands stammen, die denen der alten Helden allerdings in nichts nachstehen.

Seien es die Bonner NEBELUNG, die sich in den vergangenen Jahren in der heimischen Neofolk-Szene einen gewissen Rang erspielen konnten, seien es die hierzulande noch recht unbekannten Norweger von HAVNATT oder die mir bislang vollkommen fremden Kanadier von MUSK OX, diese zwei CDs sind einfach vollgestopft mit kleinen Perlen, die nächtliche mondestrunkene Stimmung atmen und den Hörer auf weitschweifende Traumreisen einladen. Es ist den Verantwortlichen bei Prophecy darüber hinaus gelungen, die Songauswahl so zu gestalten, dass sich die knapp 100 Minuten anhören wie ein einziges langes Album. Alles ist aus einem Guss, es gibt keine großen qualitativen Aussetzer und der Wechsel zwischen deutschen Texten und Gesang in anderen Sprachen funktioniert vollkommen harmonisch. Der Ausklang wird noch einmal besonders gekonnt in Szene gesetzt, indem SYVEN zu einer mehr als 14 Minuten dauernden neoklassisch-ambienten Meditation über das Schicksal der nordischen Götter nach dem Text der 'Völuspa' einladen. Erhaben klingen die letzten Töne aus, die Nacht dauert fort und es gibt nur eine logische Konsequenz: Liegenbleiben, nachschenken und noch mal von vorn.

Letztlich bleibt nur zu sagen, dass Prophecy hier ein großer Wurf gelungen ist und dass jedem Freund des Neofolks in den Spuren ULVERS hier ein Rundum-Wohlfühl-Paket geboten wird, das nicht nur musikalisch voll zu überzeugen weiß, sondern das dem Käufer auch noch einmal verdeutlicht, was für ein ästhetischer Genuss es sein kann, mehr als nur ein paar MP3s erworben zu haben und vom thematisch einstimmenden Cover an ein absolut gelungenes Gesamtergebnis in Händen halten zu dürfen. Wer eh' schon angefixt ist, kann hier gar nichts falsch machen, wer immer schon mal wissen wollte, was es überhaupt mit Neofolk auf sich hat, bekommt hier einen traumhaften Einstieg geliefert.
-