The Axis Of Perdition - Tenements (Of The Anointed Flesh)

The Axis Of Perdition - Tenements (Of The Anointed Flesh)
Avantgarde Black Metal
erschienen am 02.05.2011 bei Code666
dauert 60:26 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. The Sleeper
2. Unveiled
3. Unbound
4. Sigils and Portents
5. The Flesh Spiral
6. The Dark Red Other
7. The Changer
8. Disintegration
9. Ordained
10. Awakenings

Die Bloodchamber meint:

Ein Blitz aus heiterem Himmel, eine andere Beschreibung kann es für diese Hörerfahrung nicht geben. Das Befriedigendste im Leben eines Rezensenten ist es, wenn sich unbekantes Promo-Material ohne Vorerwartungen auf einmal als grandioser Freudenspender offenbart. Irgendjemand schon mal was von THE AXIS OF PERDITION gehört? Geschenkt, meine Wenigkeit nämlich nicht. Es dürfte wohl zwei bis drei andere geben und eines lasset euch gesagt sein: Ihr habt was verpasst!

Mit "Tenements (Of the Anointed Flesh)" bekommt die gelangweilte schwarmetallische Seele neues Futter. Zwischen all dem öden Mittelmaß, dass man als Schwarzwurzel aus Leidenschaft so geboten bekommt, ragt diese Band meilenweit heraus. Allerdings darf man hier nichts aus der Schule norwegischer Waldbewohner erwarten, denn THE AXIS OF PERDITION sind anders. Ob man sie deshalb schon als Avantgarde bezeichnen darf, sei dem Urteil jedes Einzelnen überlassen. Hörenswert ist das, was sie tun, allemal. Dem Album muss man nur ein wenig Zeit gönnen, um sich entfalten zu können, denn hier wird keine allzu leichte Kost geboten.

Nach einem kurzen und stimmungsvollen Ambient-Intro geht es programmatisch los, "Unveiled" attackiert den Hörer mit dissonanten Gitarrenklängen, die zunächst einfach nur chaotisch klingen. Die Riffs scheinen allesamt durcheinander zu purzeln, die Drums tackern hektisch darüber und Frontmann Brooke Johnson schreit, kotzt und geifert dazu in einer Art und Weise, wie man es eher von amerikanischen Post-Black Metal-Bands gewohnt ist. Und eines wird beim Hören schon schnell klar: In diesen Songs passiert eine ganze Menge! Obwohl hier doch zu großen Teilen bei einem hohen bis sehr hohen Tempo gearbeitet wird, bringen die Jungs aus Middlesbrough eine ordentliche Portion Abwechslung in ihre Kompositionen, die etwa ab dem dritten Hördurchgang auch etliche markante Momente offenbaren. So bekommt alles eine nicht zu unterschätzende Eingängigkeit, die dem Ersthörer wohl kaum möglich erscheint.

Und dazu machen sie auch noch in Ambient, denn mit Stücken (bzw. Interludes) wie "Dark Red Other" kommen sphärische Erholungspausen, die ausnahmsweise mal alles andere als billig klingen. Hier wird nicht dick aufgetragen, hier werden keine Billig-Keyboards ausgepackt, sondern vollkommen reduzierter Dark Ambient geboten, der so auch eine Miniatur aus dem Hause RAISON D'ÊTRE sein könnte. Doch keine Sorge, im neunminütigen "Changer" wird alsbald wieder Fahrt aufgenommen auch wenn hier immer wieder halluzinogene Breaks mit merkwürdigen Samples für Irritation sorgen.

Einen Leckerbissen gibt es dabei noch zum Schluss, denn "Ordained", der letzte reguläre Song dieses Albums, ist eine astreine Rock / Post-Rock-Nummer mit klarem Gesang und einer tief melancholischen Grundstimmung, die sich von Sound her dennoch ausgezeichnet ins Albenkonzept fügt. Auch die stimmliche Leistung des Fronters, die wir hier, abgesehen von einigen Chor-ähnlichen Momenten, erstmals klar mitbekommen, kann voll überzeugen.

Gibts auch was zu mäkeln? Klar, aber hier halten wir den Ball mal flach. Die Produktion ist nicht gerade optimal ausgefallen, auch wenn man damit leben kann. Das ganze Album ist sehr leise abgemischt, es fehlt dem gesamten Klang ein wenig Druck, was man nur durch Aufdrehen ausgleichen kann. Da hätte man im Studio noch etwas bessere Arbeit leisten können, zumal THE AXIS OF PERDITION sehr weit davon entfernt sind, ein zweites "Transsilvanian Hunger" aufnehmen zu wollen.

Es ist durchaus noch spannend anzumerken, dass die Herren ein umfassendes Konzept hinter diesem Release nebst den Vorgängern haben. ....

Für alle, die ihren Black Metal auch gerne mal etwas anders mögen und die Experimenten nicht abgeneigt sind, kann "Tenements (of the Anointed Flesh)" einen echten Leckerbissen darstellen, auch wenn zu erwarten ist, dass sich an diesem Album die Geister scheiden werden. Wer es nur wahrhaft norwegisch mag, sollte es gar nicht erst versuchen, doch wer gerne mal was von NACHTMYSTIUM und NEUROSIS einwirft, könnte durch THE AXIS OF PERDITION in wahre Euphorie versetzt werden.
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