Skaur - Skaur

Skaur - Skaur
Melodic Black Metal
erschienen in 2011 als Eigenproduktion
dauert 41:26 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Fullmånesang
2. Nordnorsk Svartmetall
3. Heimfar
4. Om Sorg og Helvete
5. Skaur
6. Midnattsol

Die Bloodchamber meint:

Manchmal gibt es diese Tage, an denen man trotz schönen Wetters und guter Luft draußen irgendwie krank geworden ist und ohne viele Möglichkeiten etwas zu unternehmen an das Heim gefesselt ist. Jeder hat dabei seine eigenen Wege, seine Zeit zu verbringen. Der eine liegt 24 Stunden deprimiert im Bett rum, der nächste macht sich an den längst nötigen Frühjahrsputz, wieder andere packen sich dick ein, schlürfen genüsslich einen warmen Kakao und hören den lieben langen Tag neue Musik. Ich zähle mich dabei zu letzter Gruppe, die meiner Meinung nach eine der schönsten ist. Wieso? Weil man nicht selten auch mal über eine schillernde Perle in dem Wust an Abertausenden von Bands stolpert, wenn man sich einmal die Zeit nimmt, sich dort durchzuhören. SKAUR ist so eine.

2003 in Norwegen gegründet, bringt der offensichtlich als Einmannprojekt mit Vorzügen in Form von Studio- und Livemusikern agierende NordMann mit der mir vorliegenden, selbstbetitelten Scheibe erst sein Debüt raus. Der zweifelsohne entstehende Eindruck, der Mann wäre all die Zeit untätig gewesen, verflüchtigt sich bei der Durchsicht der Historie der Band jedoch schnell. In diesen neun Jahren Bandgeschichte brachte er nämlich, man höre und staune, ganze zehn Demos und zwei Splits heraus – davon sechs in einem Jahr, was nach einer etwas seltsamen Veröffentlichungspolitik aussieht. Schaut man sich die Tracklists jener Veröffentlichungen an, fällt jedoch schnell auf, dass, wie ein Bekannter mit der spöttischen Äußerung „SKAUR sind top. Habe aber manchmal das Gefühl, dass die nur drei Lieder haben und die nun jedes Jahr neu aufnehmen“ anmerkte, mehrere Lieder in beinahe jeder Veröffentlichung vorkommen. Das ist hier aber reichlich irrelevant.

Das tolle und wunderbar gemalte Albumcover hat mir bereits vor dem Anhören das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen, erinnert es doch unheimlich stark an die „Likferd“-Scheibe“ der leider unfreiwillig zum Ende gekommenen Kultformation WINDIR. In heller Vorfreude betätige ich den Play-Knopf und stelle fest, dass bestätigte Vorfreude eines der schönsten Gefühle ist. Viel mehr Platz als für ein kurzes „Verdammt, ist das geil“ bleibt mir in Anbetracht des Gehörten nämlich erst nicht. Der Opener offenbart sich mit einem Schlag als einer der geilsten melodischen Black Metal-Songs, die ich dieses und letztes Jahr gehört habe. Als Vergleich kann man hervorragend musikalisch und sogar gesanglich ein anderes bekanntes Soloprojekt namens TAAKE heranziehen und diesem noch eine Ecke mehr musikalische Komplexität sowie eine Ladung Folk-Riffs aus der stilistischen Gegend neuer KAMPFAR und MÖRKER hinzugeben. Mit Erstaunen höre ich hin und wieder sogar klassisch anmutende Melodielinien heraus, die sich allerdings bestens eingliedern können. Spätestens der spät einsetzende, hymnische und dennoch fragil und hoffnungsvoll klingende Klargesang im „Fullmånesang“ macht den Sack zu und überzeugt mich vollends. Meine Fresse, ist das ein Brett. Wie soll man so ein Niveau nur über 40 Minuten halten können? NordMann gibt die Antwort selbst: mit Leichtigkeit. Sogar über ein elf Minuten langes Lied kann die Spannung aufrechterhalten werden. Der Stil SKAURs ist dabei so vielfältig wie hochklassig. Angenehm vertrackte und sehr durchdachte Songstrukturen (der ebenfalls überragende Titelsong ist als Beispiel heranzuziehen), allgegenwärtige Tempowechsel und immer wieder geniale, des Häufigeren leicht atonale Leadmelodien, die ihre Wurzeln deutlich im Folk-Genre haben, sind an jeder Ecke anzutreffen. Jene Atonalität sticht besonders gerne mal bei „Om Sorg og Helvete“ und im Titellied hervor, die beide das musikalische Können und die Bandbreite SKAURs repräsentieren. Allerdings fällt diese nicht negativ auf, es ist vielmehr, als würden die Ohren entstaubt und auf einmal mit etwas Neuem konfrontiert werden.

Wenn ich mir überlege, was für ein Schmankerl ich da 2011 verpasst habe, könnte ich mich glatt ärgern. Tue es aber nicht, da ich glücklicherweise dennoch über SKAUR gestolpert bin. Was der/die Norweger hier abliefern, hat es einfach dermaßen in sich. Absolut stimmige Lieder, ein gut produzierter, winterlicher und perfekt zur Musik passender Sound, ein wunderschönes Cover... Bloß schade, dass es „bloß“ fünf vollwertige Lieder und damit ohne Outro etwa 39 Minuten Spielzeit gibt. In Anbetracht des Arbeitspensums der letzten Jahre ist jedenfalls zu hoffen, dass es schon bald wieder Neues aus Norwegen gibt!
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