Second Relation - Abiona

Second Relation - Abiona
Progressive Metal / Progressive Rock
erschienen in 2011 als Eigenproduktion
dauert 58:04 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Chance, Aim, Way, Promise
2. Frightening Silhouettes
3. In The Night
4. Velvet And Silk
5. Motherlight
6. Impulse Against Separation
7. And In The End...
8. ...All Of Us Will Be Identic.
9. Window

Die Bloodchamber meint:

Was waren das noch für Zeiten, als ein Dieter Eilts erst mit 24 Jahren das erste Mal die große Fußballbühne Bundesliga betrat, um in der Folge sogar zu einer wichtigen Nationalmannschaftsfigur heranzureifen. Heute erscheint ein solches Fußballmärchen nahezu undenkbar, ein dicht verwobenes Netzwerk an Scouts hat die ganzen Messis und Neymars schon im zarten Alter von drei Jahren im Visier, und als 24-jähriges altes Eisen denkt man besser schon einmal über seine Fußballer-Altersvorsorge nach.

In der Welt des Schwermetalls hingegen scheint das Netzwerk der Nachwuchsscouts weit weniger engmaschig zu sein. Anders lässt sich kaum erklären, dass das österreichische Quintett SECOND RELATION nach seinem beachtenswerten Debüt „Lynette“ auch sein Zweitwerk „Abiona“ in Eigenregie veröffentlicht. Und dieses Werk hätte es zweifellos verdient gehabt, unter dem Banner eines Labels die Welt zu erblicken, denn SECOND RELATION haben im Vergleich zum Vorgänger auf „Abiona“ in jeder Beziehung noch eine Schippe draufgelegt! Das fängt an bei den großen Vorbildern: Nach wie vor hört man von OPETH über DREAM THEATER bis hin zu RIVERSIDE und ab und zu sogar KING CRIMSON einige Bands heraus, mit denen die fünf Jungs scheinbar aufgewachsen sind, jedoch drücken SECOND RELATION den neun Songs unverkennbar ihren eigenen Stempel auf und verkommen eben nicht zu seelenlosen Kopisten. Auch über Album Nummer zwei schwebt immer eine Melancholie, der man sich kaum entziehen kann, allerdings ist das Songmaterial deutlich dynamischer geworden und lässt immer wieder fast schon fröhliche Momente zu.

Für diese Lichtblicke zeichnet die häufiger zum Einsatz kommende Schweineorgel hauptverantwortlich. Konterkariert werden diese Passagen von düsteren, polyrhythmischen Instrumentalparts wie zum Beispiel in der zweiten Hälfte von „Frightening Silhouettes“. Neben dem Keyboard sorgen auch die Gitarren immer wieder für erhellende Momente, hier und da wird auch ein elegisches Solo eingeschoben. Über all dem thronen erneut die Vocals von Sänger Bastian B. Berchtold. Unterstützt durch den Backgroundgesang von Keyboarder Daniel Fleps ist der gefühlvolle Gesang das I-Tüpfelchen auf einem starken Prog-Album – die zweistimmigen Vocals bescheren auch auf „Abiona“ Gänsehaut am Fließband.

Neben neun starken Kompositionen kann das Album darüberhinaus auch noch mit toller Optik brillieren, kommt es doch als schickes Digisleeve mit hochwertigen Zeichnungen aus der Feder von Johanna Berchtold daher. Dass das dreiteilige Album zu allem Überfluss von einem übergeordneten Konzept zusammengehalten wird, sollte ein hinreichender Fingerzeig auf die Ambitionen von SECOND RELATION sein, die hier vielleicht nicht das perfekte Album schlechthin abliefern, aber ihre Möglichkeiten mit „Abiona“ ziemlich ausgereizt haben. Die Erwartungen an ein Demo übertreffen die Österreicher jedenfalls bei weitem – das Wort darf hier getrost als „Demonstration von Stärke“ interpretiert werden. Nun müssen nur noch die Scouts auf die Stärke dieser Ösis aufmerksam werden.

Neugierig gewordene können sich die Videos zum Ohrwurm von einem Opener sowie dem wunderschönen Finale „Window“ ansehen und sich anschließend vertrauensvoll an secondrelation@gmx.at wenden, um sich „Abiona“ am besten gleich im Doppelpack mit „Lynette“ zuzulegen.
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