Once I Saw A Ghost - Architects Demise

Once I Saw A Ghost - Architects Demise
Metalcore
erschienen am 06.05.2013 bei Noisehead Records
dauert 36:00 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Primordial Progression
2. Uprise
3. Malevolent Annihilation
4. Architects Demise
5. Recover With A Dying Smile
6. No Absolution For The Weak
7. Into The Abyss
8. Mortified Cadaverous Manifestation
9. Eulogy

Die Bloodchamber meint:

Dank des Bandnamens könnte man glatt auf die Idee kommen, dass es sich bei den fünf Jungs von ONCE I SAW A GHOST um in (Ehr)Furcht erstarrte Künstler handelt, die musikalisch so gar nicht aus dem Quark kommen. Doch offensichtlich wurde hier kein Schreckgespenst gesehen, sondern vielmehr ein Poltergeist, denn kaum hat der Hörer die Debüt-LP „Architects Demise“ der Band in die Anlage gelegt, da wird er auch schon vom ersten Metalcore-Groove überrollt.

„Primordial Progression“ ist trotz seiner kurzen Spielzeit mehr Song als Intro und macht schon unmissverständlich klar, dass die Band auch in den folgenden rund 35 Minuten ohne größere Kompromisse zu Werke gehen wird. Zwar beginnt das anschließende „Uprise“ mit dem atmosphärischen Intro, das man eher direkt zu Beginn des Albums vermutet hätte, davon abgesehen wird aber kaum eine Sekunde für ruhigeres Geplänkel verschwendet. Von kernigen Breakdowns bis hin zu angeschwärzter Raserei in Form von Blastbeats wird in Punkto Geschwindigkeit die ganze Palette angeboten, dazu röhrt sich Shouter McIntyre unnachgiebig, allerdings auch etwas eintönig, die Seele aus dem Leib – auf Klargesang wird komplett verzichtet. An der Gitarrenfront werden die brutalen Mosh- und Blastparts hier und da von einer memorablen Melodie unterlegt, und fertig ist ein ordentliches Metalcore-Album – oder etwa nicht?

Ganz so einfach ist es nicht. Das Problem ist, dass einem die Grooves und Dynamiken im Sound von ONCE I SAW A GHOST schnell vertraut vorkommen, kennt man diese doch leider von unzähligen anderen Bands schon so oder so ähnlich. Um zu verhindern, dass der Hörer sich von der Anlage achselzuckend wegmosht, baut das Quintett einige Spielereien in die Songs ein, von denen manche wie der rasselnde Bass ganz gut funktionieren, andere wiederum werden nicht jedem gefallen. So fügen die Gitarrensoli – auch wenn man wegen deren besonderen Sound wie beispielsweise im Titeltrack definitiv aufhorcht – sich leider nicht wie von Geisterhand in die Songs ein, sondern fühlen sich teilweise eher wie Fremdkörper an. Gleiches gilt analog für die kurzen, aber umso überraschenderen Synthie-Einsätze im abschließenden „Eulogy“, die definitiv Widerhaken darstellen, aber nicht so recht zu der Brutalo-Attitüde der Band passen wollen.

So kann man ONCE I SAW A GHOST das Bestreben, sich von der grauen Masse abzuheben, zwar durchaus anmerken, gelingen will ihnen das auf „Architects Demise“ aber nur mit Abstrichen. Wer jedoch darauf steht, sich seine Gliedmaßen im Pit zu zerlegen, darf das Album gerne mal anchecken, Tracks wie der Titelsong oder „Into The Abyss“ dürften ein Garant für blaue Flecken sein. Ein Dauerbrenner wird das Album aber nur bei den wenigsten Hörern sein, da neben den die Ohren spitzen lassenden Momenten auch die ersten Verschleißerscheinungen schnell zu Tage treten.
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