Imperium Dekadenz - Dis Manibvs

Imperium Dekadenz - Dis Manibvs
Black Metal
erschienen am 26.08.2016 bei Season Of Mist
dauert 63:09 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. In Todesbanden
2. Only Fragments Of Light
3. Still I Rise
4. Dis Manibvs
5. Pantheon Spells
6. Vae Victis
7. Volcano
8. Somnia
9. Pure Nocturnal Rome
10. Seikilos

Die Bloodchamber meint:

Dis Manibus, eine oft verwendete Insigne auf altrömischen Gräbern und heißt übersetzt „Für die Geistergötter“, also für die Manen. Quasi eine Steilvorlage für das Black Metal Duo aus Baden-Württemberg. Und somit heißen die Songs auf dem neuen Album auch „Vae Victis“ oder „Pure Nocturnal Rome“. Damit folgen sie thematisch ganz klar dem 2010er Album „Procella Vadens“, doch so viel sei schon einmal verraten, musikalisch bewegen sie sich davon weg.

IMPERIUM DEKADENZ war für mich immer geradliniger deutscher Black Metal. Im Umfeld von DER WEG EINER FREIHEIT und DRUDKH gab es für den geneigten Fan keine großen Überraschungen, jedoch stets hervorragendes Material. Neben dem Spiel mit den Gefühlen des Hörers badeten sie sich meistens in dem Wasser der zweiten Welle des norwegischen Black Metals und überzeugten abwechselnd mit Akustik- und E-Gitarren. Das ganze ordentlich verpackt mit deutschen Gesängen und einer großräumigen Produktion und fertig ist das Hitalbum. In diesem Stil hätte sie auch noch ein paar Jahre weitermachen können und ich hätte mich nicht beschweren können. Dennoch gibt es auf „Dis Manibvs“ einen neuen stilistischen Einschlag und der lässt meine Begeisterung noch weiter steigen. Was bereits im Intro mit den gefühlslastigen Streichern, begleitet von Orgel und murmelnden Gesängen, leicht ersichtlich wird, entfaltet sich gänzlich beim darauf folgenden „Only Fragments of Light“. Es sind träumerische Akkordfolgen auf der Rhythmusgitarre, eine dominante Leadgitarre die leicht variierend dazu einstimmt, nur um kurz darauf Platz zu machen für ein paar Sätze Gesang. Das klingt stark nach Post Black Metal, Avantgarde, oder auch Psychedelic Black Metal. Weniger DRUDKH, dafür mehr DEAFHEAVEN? So könnte man den Start dieses Albums interpretieren. IMPERIUM DEKADENZ wussten schon immer mit den Emotionen der Hörer zu spielen und schickten diese auf eine Reise durch die Gefühlslandschaft. Das hat sich weiter intensiviert und zwar derart, dass ich gerne von einer stilistischen Weiterentwicklung sprechen möchte. Und dabei gibt es stets etwas neues zu hören: Epische Gesangsphrasen auf „Still I Rise“, begleitet von melodischen Hintergrundgitarren, das absolut ruhige „Somnia“, abgelöst vom BATHORY-ähnlichen „Pure Nocturnal Rome“. Das Album bringt einfach so viele Stilarten zusammen, dass man sich gar nicht daran satt hören kann.

„Dis Manibvs“ ist ein vielfältiges Album. Neben den alten Elementen gibt es mehr Experimentelles zu hören, wobei alles stilsicher vereint wurde. Und wenn mein Kollege Andreas Krause den Vorgänger „Meadows of Nostalgia“ schon für eine schwer zu rezensierende Scheibe hält, naja, dann kann ich mich mit diesem Album nur anschließen. Es bedarf schon mehrerer Hördurchgänge und viel Aufmerksamkeit um das volle Spektrum zu erfassen. Dennoch wirken IMPERIUM DEKADENZ leicht bekömmlich und machen auch schon beim ersten mal Spaß. Wiedermal gibt es keine großen Überraschungen wenn man sich die einzelnen Elemente der Musik ansieht, aber zusammengenommen ergibt „Dis Manibvs“ ein komplexes Werk mit emotionalem Tiefgang.
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