Eneferens - In The Hours Beneath (Re-Release) @ Bloodchamber.de

Eneferens - In The Hours Beneath (Re-Release)

Eneferens - In The Hours Beneath (Re-Release)
Melancholic Black Doom Metal
erschienen am 27.10.2017 bei Bindrune Recordings, Nordvis
dauert 49:00 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Morning 07:23
2. Chrysanthemum 05:44
3. Through The White 05:06
4. Refuge 09:46
5. Upon The Black Mountain 02:38
6. Ascension 12:00
7. Hiraeth (CD-Bonustrack) 06:18

Die Bloodchamber meint:

Mit "In The Hours Beneath" von ENEFERENS veröffentlicht der Labelverbund Nordvis/Bindrune die CD-Version einer Scheibe, die auf der ursprünglichen Plattform (Bandcamp) bereits im Dezember 2016 erschienen ist. Es handelt sich bei den gut 50 Minuten um das zweite und noch immer aktuelle Album des nordamerikanischen Soloprojekts.

Jori Apedaile, Mastermind hinter ENEFERENS, hat sich einer betont vielseitigen Mischung diverser nicht eben fröhlicher Stilistiken verschrieben, was labelseitig umgehend in Vergleiche mit Schwergewichten wie WOLVES IN THE THRONE ROOM, WARNING und 40 WATT SUN gegossen wird. Ganz ehrlich: Derartig großspurige Promotexte sind nicht nur insofern unsinnig, als dass sie jungen Bands unnötig überzogene Erwartungen aufbürden - im vorliegenden Fall sind die vermeintlichen Leuchtfeuer schlichtweg Irrlichter. Ja, ENEFERENS machen stimmungsvolle elektrisch verstärkte Beatmusik mit schnellen Passagen und es gibt mitunter klaren Gesang. Das Ergebnis klingt allerdings nur bedingt nach WITTR und nicht annähernd wie WARNING oder 40 WATT SUN.
Aber wie klingt's denn nun? Mit "Morning" gönnt sich die Scheibe zunächst einen gewagten Auftakt: Das über 7 Minuten lange Stück erinnert aufgrund seiner melancholisch-verlorenen Stimmung und der Kombination von unverzerrten Gitarren und zerbrechlichem Gesang an "Damnation"-OPETH und vor allem an KATATONIA. Genauer gesagt an "Day" von deren überragendem Zweitwerk und an die reduzierten Oden an die Fäule, die auf dem nicht minder überzeugenden "Discouraged Ones" zu finden waren. Für sich genommen ist "Morning" somit ein schönes Stück spätherbstliche Depression, allerdings fühlt sich die Openerposition bei den ersten Durchläufen noch etwas erzwungen an.
Letzteres liegt am Charakter der folgenden Tracks, die neben ein paar Unzen kaskadischem Black Metal vor allem eine Vorliebe für Skandinavisches durchblicken lassen: Angenehm gutturaler Leadgesang wird von hallbetontem Saitenspiel und gelayerten Backings umgarnt, es gibt gelungene Sorrowleads und Pianotupfer über raumgreifendem Riffing und so stehen abseits vorhandener Ausbrüche immer wieder nordischer Death Doom oder etwa ungeschliffene DRACONIAN im Raum. Warum man angesichts der eklektischen Natur des Materials - das zudem immer wieder durch Zwischenspiele aufgelockert und gegliedert wird - ausgerechnet "Atmospheric Black Metal" als Stilbeschreibung erwählt hat, bleibt mir ein Rätsel.
Ungeachtet geringfügig abeichender musikalischer Schwerpunkte würde ich "In The Hours Beneath" vielleicht am ehesten neben den frühen GREEN CARNATION oder auch WOODS OF YPRES einordnen: Stilistisch offene Musik mit metallischer Grundierung und einer genreübergreifenden Dunkelheit, deren Faszination durch kleine Unvollkommenheiten (wie den naturbelassenen Klargesang) eher noch befördert wird.

Wer mit diesen beiden Bands klarkommt und die Stimmung von KATATONIA oder DRACONIAN schätzt, sollte ENEFERENS auf dem Schirm holen. Nicht zuletzt vielleicht, weil derart atmosphärische Wanderungen zwischen elegantem Death Doom und etwas Black Metal in der leider oft gen Sludge tendierenden Black Doom-Nische ziemlich selten sind.
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