Winterhorde - Nebula

Winterhorde - Nebula
Melodic Black Metal
erschienen im Oktober 2006 bei Burning Star Records
dauert 52:20 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Nebula: The ultimate Redemption (Prolog)
2. The Fall of angelic Dominion
3. The Earth is an Altar
4. Propaganda (Intermezzo)
5. Hate Parade
6. I am Sin
7. An Ode to Man
8. I am Sin
9. Post Apocalypse Morning (Epilog)
10. War of One

Die Bloodchamber meint:

Es gibt doch immer wieder Überraschungen. Aber dass sich hinter dem Bandnamen WINTERHORDE, der sich ja schon mal verdächtig nach unserer geliebt schwarzen, mal mehr und mal weniger unheiligen Ecke anhört, eine Formation aus dem heiligen Land, unter Vertrag bei einem griechischen Label versteckt, hätte wohl niemand erraten. Wie auch? Die sechs rebellischen Israelis scheinen durchaus darum bemüht, ihrem Namen alle Ehre zu machen und sind nach eigenen Angaben sowohl von der skandinavischen Black Metal Szene als auch den folkloristischen Elementen nördlicher Gefilde stark beeinflusst. Bis auf eine kurze Sequenz merklich orientalisch angehauchter Keyboards gibt es überraschenderweise auch keinerlei Merkmale, die sie von einer symphonischen, relativ progressiven Black Metal Band unserer Breiten unterscheiden würde. Zugegebenermaßen kann man zwar nicht gerade behaupten, dass die Band mit ihrer doch sehr episch-melodischen und mit technischer Virtuosität überfüllten Musik den skandinavischen Nagel auf den Kopf trifft, aber das muss und sollte ja vielleicht auch gar nicht das Ziel sein.

Ähnlich den Amerikanern Dragonlord, die sich ebenfalls, inspiriert und fasziniert von der Atmosphäre des in ihrem Heimatland wenig etablierten Black Metals, auf diesem Gebiet als Pioniere versuchten, scheinen auch WINTERHORDE die wahre Natur des Black Metals leider nur oberflächlich angekratzt zu haben. Beide Bands scheinen das Bedürfnis zu verspüren, ihre Qualität durch technisches Können, dargeboten in zahllosen Leadeinlagen, Soli und komplizierten Songarrangements zu beweisen, anstatt sich auf die atmosphärische Wirkung der Songs zu konzentrieren. Diese ist nur stellenweise überhaupt vorhanden und wenn dies der Fall ist, dann handelt es sich um eine ruhigere Passage, die als Verschnaufpause dient oder eine der typischen Zwischensequenzen vom Typ „Geräuschkulisse mit Keyboard unterlegt“. Pluspunkte gibt es hier allerdings für den spacigen Prolog, der in seinem modernen Gewand sehr schön zum Albumtitel „Nebula“ passt und das „Intermezzo“, das die Grauen des Krieges in ähnlich ironisch-boshaften Form abzuhandeln scheint, wie man es beispielsweise auch beim jüngsten Dimmu Borgir Werk „Death Cult Armageddon“ erleben kann. Überhaupt erinnert "Nebula" verdächtig oft, wenn auch ein ganzes Stück verfrickelter, an erwähnte Norweger. Die Drums laufen, stampfen und marschieren wie eine Präzisionsmaschine, obwohl sie nicht vom Band kommen, die Songs sind höllisch schnell und mit diversen Keyboards und klassisch episch anmutenden Melodien schwebend hinterlegt. Das Riffing ist teilweise auch erschreckend ähnlich, wobei es andererseits gelegentlich auch in kurze Death-Thrash-Ausbrüche ausartet.

Großer Nachteil des Albums ist jedoch, dass die Songs trotz - oder gerade wegen - des technischen Aufwands alle verhältnismäßig ähnlich klingen und der durchschnittliche Hörer das Album zwar gut und gern mal nebenher laufen lassen, sich voraussichtlich allerdings nie genauer darauf einlassen wird. Eine Ausnahme aber stellt zum Beispiel das Lied „I am Sin“ dar, dessen Anfang in seiner Bestialität definitiv mit Behemoth mithalten kann, doch leider sind solche Augenöffner eine Seltenheit.
Obwohl Nebula nicht gerade ein schwarzmetallisches Musterwerk darstellt und vielleicht gerade noch für etwas progressiver Eingestellte wirklich interessant sein könnte, muss man zugeben, dass es rein musikalisch astrein und höchstprofessionell umgesetzt wurde.
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