Leichen pflastern ihren Weg


Interview mit Gorilla Monsoon
Doom Metal / Rock'n'Roll aus Deutschland - Dresden
Ob es an einer ausufernden Menge an schlechten Scherzen liegt, oder GORILLA MONSOON Bassist Chris nur besonders gut drauf ist, als er mir am 1. April meine paar Fragen beantwortet, kann ich auch nicht so genau sagen. Für eine Doom-Band jedenfalls scheint die Stimmung innerhalb der Truppe alle andere als melancholisch und trantütig zu sein. Ist aber auch kein Wunder, denn der Rock'n'Roll war ebenso schon immer Teil der Dresdner Band. Lange war es recht still um GORILLA MONSOON, aber nun melden sie sich mit neuem Album zurück.

Hallo Chris, zuerst natürlich die wichtigste Frage: Was habt ihr in den sieben Jahren seit "Extermination Hammer" getrieben und weshalb diese lange Pause?

Also zuerst war da diese eine Sache mit unserem Gitarristen, der quasi von einem Tag auf den anderen anders aussah und der sich auch nicht mehr an früher erinnern konnte und da haben wir ihm erstmal einen neuen Namen geben müssen und das hat sich dann ein klein wenig in die Länge gezogen, wir leben den Doom ja auch hinter der Bühne. Und tja, als dann alles gut schien und wir uns ans nächste Album machen wollten, da waren da in diesem Studio all die vielen Knöpfe und Regler und die wollten auch alle bezahlt werden...Kurzfassung: Die ganze Sache musste erstmal reifen und richtig durchziehen.

Ich habe das Gefühl, dass "Firegod" mehr Doom Anteil besitzt als die vorherigen Alben, würdest du da zustimmen?

Hmm. Wir haben vielleicht die Extreme ein bisschen mehr ausgelotet und sind hier und da etwas entspannter, aber generell tun wir uns schwer (hehe), unseren Kram so zu analysieren, weil wir das ja auch beim Songwriting nicht planen. Aber hey, Doom fetzt, also kann man doch gut damit leben.

Was ist dein Lieblingslied auf "Firegod" und warum?

Das ist einfach: Ich liebe die ersten zehn Songs am meisten, vor allem wegen des Mittelteils und weil der Anfang so richtig reinhaut. Vor allem aber der Schluss...frag mich das in zehn Jahren nochmal.

Das Album ist ja seit kurzem erhältlich, wie sind denn die Resonanzen von Presse und Fans?

Ach mit den Pressesachen kann man schon ganz zufrieden sein, viele scheinen mit dem Album mitgehen zu können. Aber wenn das nicht so wäre, könnten wir auch damit leben. Unsere Philosophie ist da recht einfach. Wir haben die Platte herausgebracht, weil wir sie zu diesem Zeitpunkt genauso machen wollten, vielleicht auch gar nicht anders machen konnten. Und bisher hat uns auch noch kein Fan seinen zerrissenen Fanclubausweis zurückgeschickt. Das lässt also hoffen...

Als ihr damals 2005 das Wacken Metal Battle gewonnen habt, war das der Beginn vom kometenhaften Aufstieg? Was hattet ihr euch damals davon versprochen und inwiefern ist dies eingetreten?

Mann, das ist ja nun doch schon ne Weile her und seitdem ist einiges passiert, deshalb ist die Frage gar nicht so einfach zu beantworten. Den kometenhaften Aufstieg habe ich jedenfalls verpasst. Aber mal ehrlich, den wollten wir auch nie. Uns ist diese “Plötzlich oben“-Nummer schon immer suspekt gewesen. Wir hatten uns wahrscheinlich am ehesten versprochen, mehr Kontakte zu kriegen, um mehr live spielen zu können. Und das hat ja auch geklappt. Von der Erfahrung mit dem Biz und all dem Spaß ganz zu schweigen.

Würdet ihr im Nachhinein anderen Bands empfehlen, bei solchen Wettbewerben teilzunehmen?

Hmm, was Empfehlungen angeht, da sind wir irgendwie nicht die richtigen Ansprechpartner. Das muss jeder selbst entscheiden. Für uns war's okay, hat uns Türen geöffnet, aber vielleicht auch nur, weil es einfach die richtige Zeit und der richtige Ort war. Also solange man nicht seine Seele dafür verkauft...

Was hältst du vom aktuellen Stoner / Doom Aufschwung (um nicht gar von einem 'Trend' zu sprechen) bzw. allgemein der Retro-Doom/Rock-Welle? Kommt euch das gelegen oder fürchtet ihr die Konkurrenz?

Ach, dieses Stoner/Doom-Revival gibt's doch jetzt auch schon seit Jahren, warum sollten wir da was fürchten. Zum einen ist es doch so: Wenn irgendetwas geile Bands rausbringt, kann's ja nicht sooo schlecht sein. Schrott kommt doch so oder so immer raus, egal ob es gerade nen Trend gibt oder nicht. Und zum anderen machen wir eh stur die Mugge, die wir machen wollen und ob da nun gerade irgendein Trend kommt oder geht, ist doch unerheblich. Ich glaube ja immer noch daran, dass sich gute Musik immer irgendwie durchsetzt. Konkurrenzdenken ist da sowieso fehl am Platz.

Seht ihr euch selbst eher als Live- oder als Studioband? Geht es eigentlich auch ohne CDs?

Klar, im Kern sind wir ne Live-Band. Ohne Live ginge es überhaupt nicht. Aber wir versuchen nicht nur, das Live-Feeling auf CD zu pressen, sondern immer auch andere Aspekte aufs Album zu packen, die live mit uns nicht funktionieren würden. Technische Spielereien zum Beispiel oder auch mal ne etwas andere Atmosphäre. Also ohne Studioalben würde mir ehrlich gesagt auch was fehlen. Das fängt doch schon bei der ganzen visuellen Gestaltung an oder irgendwelchen Samples, die man so dazwischen packt. Und das Gefühl, das neue Album in der Hand zu halten, will ich auch nicht missen.

Ich kenne euch ja hauptsächlich als Live-Band, da ihr damals in unserer Gegend ziemlich präsent wart. Glaubt ihr, man kann das Publikum als Band auch übersättigen? Also dass es vielleicht auch mal ganz gut ist, sich ein wenig rar auf der Bühne zu machen?

Und ob man das Publikum übersättigen kann. Frag mal MOTÖRHEAD. Das versuchen wir bei aller Spielwut auch immer zu beherzigen. Schließlich soll ein GORILLA MONSOON Gig auch noch ein Ereignis bleiben und sich nicht irgendwann bedeutungslos und tot laufen.

Was habt ihr für dieses Jahr noch an Gigs geplant? Freut ihr euch auf eine Veranstaltung besonders?

Na die ersten Shows mit neuem Album im Rücken sind schon immer was Besonderes. Aber generell ist es uns egal, wo wir spielen. Wenn die Leute Bock auf uns haben, dann kriegen sie 120% GORILLA MONSOON. Und wenn sie keinen Bock auf uns haben, dann auch. Ist eigentlich ganz einfach.

Wie oft hat man eigentlich schon versucht, euren Mikroständer zu klauen?

Es gab da mal diesen großartigen Film mit Klaus Kinski, “Leichen pflastern seinen Weg“. Das trifft es im Großen und Ganzen recht gut. Irgendwann haben wir aufgehört zu zählen.

Wer von euch ist denn der große Wrestling Fan?

Da nehmen wir uns alle nichts. Das war für uns halt alle prägend. Damals, als man noch tief im Innern glaubte, dass das doch alles irgendwie echt sein könnte.

Vielen Dank für das Interview und noch viel Spaß beim Biest füttern!

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