Van Canto - Hero

Van Canto - Hero
Power Heavy Metal / Sonstiges
erschienen am 26.09.2008 bei BMG
dauert 41:16 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Speed Of Light
2. Kings Of Metal (Manowar Cover)
3. Pathfinder
4. Wishmaster (Nightwish Cover)
5. The Bard's Song (Blind Guardian Cover)
6. Quest For Roar
7. Take To The Sky
8. Fear Of The Dark (Iron Maiden Cover)
9. Hero

Die Bloodchamber meint:

Mit dem frischen Wind durch Innovation im Metal ist das so eine Sache, denn oft hat sich ein groß angekündigter Sturm recht schnell als laue Brise herausgestellt. Mit einer Menge Mut und einer wirklich neuen Idee wollen VAN CANTO mit ihrem zweiten Album „Hero“ den Aufwind nutzen, den ihnen der Wacken Auftritt 2008 beschert hat.
Innovativ ist bei VAN CANTO der fast vollständige Verzicht auf Instrumente, denn einzig ein Schlagzeug ist von der klassischen Instrumentierung einer Band übrig geblieben. Dazu gibt es drei Sänger, die mit ihren Stimmen die anderen Instrumente simulieren, plus eine „richtige“ Sängerin und einen Sänger.

Wer da lauwarmes Barbershop A Capella vermutet, wird gleich zu Beginn von DEM Hit des Albums überrascht, denn „Speed of Light“ hat mehr Dynamik und Kraft als fast alles, was im Uptempo Power / Heavy Metal in diesem Jahr veröffentlicht wurde. Dazu kommt ein extrem eingängiger Refrain, den man sofort mitsingen muss und den man nach einmaligem Hören noch über Tage im Ohr hat. Selbst wenn die anderen Eigenkompositionen auf „Hero“ nicht den unglaublichen Hitfaktor von „Speed of Light“ haben, haben auch das heroisch-posige „Quest for Roar“, das schwungvolle „Take to the Sky“ oder das leicht pathetische „Pathfinder“ jedes für sich ihren besonderen Reiz. Die immer unterschiedlichen Spannungsbögen verleihen jedem Lied einen eigenen Charakter. Eine Hürde, an der viele andere Alben schon gescheitert sind.
Das Schlagzeug spielt dabei eine kleinere Rolle als man vermuten könnte, sorgt aber für ordentlich Feuer aus dem Hintergrund. Dazu verfügt Leadsänger Dennis über eine ausgesprochen angenehme Stimme, auch wenn er die ganz hohen Töne ein wenig scheut oder sie Sängerin Inga überlässt, die den Vergleich mit dem Großteil ihrer Kolleginnen ebenfalls nicht fürchten muss.

Das Sahnehäubchen, und vermutlich auch ein Lockangebot für die Fanschar der Originalbands, sind die vier gecoverten Lieder, die eigentlich jeder kennt. Etwas abfallend dabei ist der „Bard’s Song“, einfach weil er sich in seiner Ruhe zu nah am Original bewegt. Sogar der Gesang ähnelt in der Klangfarbe BLIND GUARDIAN Stimme Hansi Kürsch überraschend viel, obwohl der als Gastsänger nicht hier, sondern bei „Take To The Sky“ mitgewirkt hat.
Große Knaller dagegen sind „Fear of the Dark“ mit den gesungenen Gitarren, die spätestens bei den Soloparts zum Niederknien sind, und „Kings of Metal“, das Meister Joey DeMaio und seine immer mehr zur Realsatire verkommene Truppe so herrlich unbeschwert und lustig verarbeitet, dass es mich beim ersten Hören vor Lachen fast vom Stuhl gehauen hätte.

Ein gesunder Sinn für Humor und die Fähigkeit, Metal nicht immer nur bierernst zu betrachten, sind überhaupt grundlegend für den Genuss von VAN CANTO. Für die, die das besitzen, ist „Hero“ die unterhaltsamste Veröffentlichung des Jahres, trotz der geringeren Genrevielfalt noch vor ZIMMER’S HOLE. Mitglieder der Metalpolizei dagegen werden das Album links liegen lassen, sollten sich aber bewusst machen, dass sie hier ein großartiges Kunstwerk verpassen.
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