Yggdrasil - Vedergaellning

Yggdrasil - Vedergaellning
Black Folk Metal
erschienen am 04.07.2009 bei GMR Music Group
dauert 44:36 min
Bloodchamber-Wertung:

Tracklist

1. Oskorei
2. Vedergällning
3. Vitterdimmorna
4. Ekot av Skogens Sång
5. Svälttider
6. Valkyria
7. Storm
8. Sorg
9. Tusenårslunden (Bonus Track)

Die Bloodchamber meint:

Bandnamen wie YGGDRASIL sind in dem Bereich Pagan Metal wohl so oft anzutreffen wie Iwans in Russland oder Elche in Kanada. Meist sind Gruppen mit solchen, offenkundig aus der nordischen Mythologie entlehnten Namen leider auch sehr klischeebeladen. Kollege Hofmanns Rezension zum Debütalbum der Schweden nimmt mir glücklicherweise jedoch ein wenig die Angst vor einer weiteren durchschnittlichen, übertrieben fröhlichen Humppa Metal Band.

Und tatsächlich. Gar an WINDIR erinnern manche Teile des Eröffnungsstücks von „Vedergällning“, was mich dementsprechend zu Beginn ziemlich umhaut. Typische Elemente des norwegischen Melodic Black Metals der Spät-90er kommen hier zum Tragen, darunter untermalend eingesetzte Keyboardteppiche, die in Verbindung mit den sehr melodischen Leadgitarrenläufen zu einer wunderbar melancholischen Stimmung gemischt werden. Diese Eindrücke werden jedoch nach einem Lied ad absurdum geführt, geht es im folgenden Titeltrack doch ungemein ähnlich den Kollegen von KAMPFAR zu. Eine sehr schön zu den perfekt sitzenden Rhythmusgitarren eingesetzte Violine und wieder diese genial eingesetzten Keyboards. Wenn ich wirklich etwas nicht von einer Band mit so einem Namen erwarten würde, dann, dass sie Stromorgeln sorgsam und sogar perfekt auf den Rest der Musik abgestimmt einsetzen. Der schwedische, traurige Klargesang setzt den positiven Momenten dieser Scheibe zu guter Letzt die Krone auf. Im leicht verwaschenen Soundgewand des Albums wirken die Tracks gleich doppelt so gut.

Etwa ab der Hälfte der Scheibe geht man dann aber doch folkiger an die Sache heran, was zuerst ungewöhnlich im Kontrast zu den ersten Stücken wirkt, nach mehrmaligem Hören jedoch ebenso gut ins Ohr geht. Dort konzentriert man sich eher auf erdigen und soliden Folk Metal mit schönen Gesangslinien und schraubt dafür den Keyboardeinsatz zurück. Einerseits wirkt hier das Liedgut der Schweden zwar weniger bombastisch und atmosphärisch als ein Brecher vom Format des Openers, andererseits besitzen die eher gitarrenlastigen Songs den Charme ihrer Authentizität, was wiederum sehr sympathisch wirkt.
Bloß der Bonustrack der Scheibe ist überflüssig, weil langweilig und uninspiriert.

Meine Vorurteile und meine niedrigen Erwartungen, die vor dem Anschalten von „Vedergällning“ in meinem Kopf fest hingen, haben sich jedenfalls in Rauch aufgelöst. Ein wirklich gelungenes Stück Musik erwartet hier jeden, der etwas mit Mucke aus der Ecke von WINDIR oder SWORN, aber auch von MANEGARM oder ähnlichen Bands zu tun hat und anfangen kann. Kann man sich vormerken!
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